Linke gewinnt Berlin-Wahl laut erster Hochrechnung deutlich vor CDU
Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus liegt die Linke nach ersten Hochrechnungen klar vorn. Die CDU verliert deutlich, die SPD stürzt auf ein historisches Tief. Die Grünen streben eine rot-grün-rote Koalition an, das BSW muss um den Einzug zittern.
Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus zeichnet sich ein Machtwechsel ab: Die Linke liegt nach den ersten Hochrechnungen von ARD und ZDF klar vor der CDU und wird damit stärkste Kraft im Landesparlament. Die Partei mit Spitzenkandidatin Elif Eralp kommt auf 24,8 bis 25,8 Prozent der Stimmen. Bei der Wiederholungswahl 2023 hatte die Linke lediglich 12,2 Prozent erreicht. Die CDU, die bislang mit Kai Wegner den Regierenden Bürgermeister stellt, fällt mit ihrem Spitzenkandidaten Stefan Evers auf 20,0 Prozent zurück, nach 28,2 Prozent im Jahr 2023.
Die Grünen erreichen laut Hochrechnung 15,0 bis 15,4 Prozent und liegen damit deutlich unter ihrem früheren Ergebnis von 18,4 Prozent. Die AfD legt auf 13,8 bis 15,7 Prozent zu, nach 9,1 Prozent bei der letzten Wahl. Für die SPD werden nur noch 12,0 Prozent prognostiziert, ein historisches Tief für die Partei in Berlin. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) landet bei 5,0 Prozent und würde nach diesem Stand die Fünf-Prozent-Hürde denkbar knapp schaffen und in das Abgeordnetenhaus einziehen.
Die Hochrechnungen bestätigen damit die ersten Prognosen des Wahlabends. In den Umfragen vor der Wahl hatte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Linken und CDU angedeutet, bei dem die Führung mehrfach wechselte. Nun ist das Rennen entschieden. Die Berlinerinnen und Berliner haben ein neues Abgeordnetenhaus gewählt, in dem die Linke als stärkste Fraktion hervorgeht.
Die Berliner Grünen streben nach dem Wahlergebnis eine rot-grün-rote Koalition an. «Wir wollen jetzt Verantwortung übernehmen und gemeinsam mit SPD und Linken ein progressives Bündnis für Berlin schmieden», erklärten die beiden Landesvorsitzenden Nina Stahr und Philmon Ghirmai nach der Wahl. Ob eine solche Koalition zustande kommt, hängt auch vom endgültigen Abschneiden der SPD und der Sitzverteilung ab, die sich erst im Laufe des Wahlabends endgültig klären wird.
Linke-Spitzenkandidatin Eralp bedankte sich bei ihren Anhängern für das Wahlergebnis. «Ab heute verändern wir gemeinsam unser Berlin und machen daraus einen besseren Ort», sagte Eralp bei der Wahlparty ihrer Partei. «In unserer Stadt hat die Liebe und die Gerechtigkeit über den Hass gewonnen und dieses Signal geht raus in die Welt.» Sie dankte den 19.000 Mitgliedern ihrer Partei in Berlin und den «vielen, vielen anderen Menschen, die uns unterstützt haben, weil sie Hoffnung auf ein besseres, ein bezahlbares Berlin, wo alle Menschen in Würde leben können, hatten».
Das Berliner Abgeordnetenhaus wird nach einem personalisierten Verhältniswahlrecht gewählt. In den zwölf Bezirken der Stadt gibt es insgesamt 78 Wahlkreise, in denen jeweils ein Direktmandat vergeben wird. Die übrigen der regulär 130 Sitze werden entsprechend den Zweitstimmenanteilen über die Parteilisten verteilt. Durch Ausgleichsmandate kann sich die Gesamtzahl der Abgeordneten erhöhen. Die endgültige Sitzverteilung steht erst im Laufe des Wahlabends fest.
Das Ergebnis der Abgeordnetenhauswahl könnte auch über die künftige politische Ausrichtung Berlins entscheiden. Die bisherige Regierungskoalition aus CDU und SPD unter dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner hat nach den Hochrechnungen keine Mehrheit mehr. Sollte sich der Trend bestätigen, käme auf die Hauptstadt ein Regierungswechsel zu. Die Linke wäre dann erstmals seit Jahren wieder an der Regierung beteiligt.




