Hacker veröffentlichen offenbar sensible Daten aus Berliner Landesnetz
Nach Ablauf eines Lösegeld-Ultimatums hat die Hackergruppe Rhysida offenbar rund 1,4 Millionen Dateien aus dem Berliner Landesnetz im Darknet veröffentlicht. Der Senat hatte Zahlungen zuvor abgelehnt.
Die Hackergruppe Rhysida hat ihre Drohung wahr gemacht und nach Ablauf eines Ultimatums offenbar umfangreiche Daten aus dem Berliner Landesnetz im Darknet veröffentlicht. Rund eine Stunde nach dem Ende der gesetzten Frist am späten Freitagnachmittag wurde ein Datenpaket von etwa 5,8 Terabyte zum Download bereitgestellt. Nach Informationen des rbb wurden rund 1,4 Millionen Dateien in mehreren Paketen zugänglich gemacht. Ob damit der gesamte angekündigte Datenbestand veröffentlicht wurde, ließ sich zunächst nicht unabhängig feststellen.
Die Erpresser hatten die gestohlenen Daten bereits eine Woche zuvor auf ihrer Leak-Site zur Versteigerung angeboten und als Mindestgebot 30 Bitcoins verlangt, umgerechnet rund zwei Millionen Euro. Der Berliner Senat hatte vorab bekräftigt, grundsätzlich kein Lösegeld zu zahlen und das Ultimatum auslaufen lassen. Nach dem Verstreichen der Frist wurde die Auktion auf der Webseite der Erpresser beendet. „Alle Dateien wurden im öffentlich zugänglichen Bereich hochgeladen – viel Spaß beim Stöbern, Datenjäger!“, hieß es dort. Ein zunächst verlinkter Download führte zu einer Fehlermeldung, etwa eine Stunde später war der Abruf der Daten dann möglich.
Die Weigerung des Senats, auf die Erpressung einzugehen, stieß in der Fachwelt auf Zustimmung. Bianca Kastl vom Chaos Computer Club sagte im rbb Inforadio, die Entscheidung sei richtig. „Würde man diese Gruppen weiter unterstützen mit Geld oder anderen Dingen, dann würden die natürlich immer weitermachen“, sagte sie. „Man muss sie finanziell austrocknen.“ Der IT-Sicherheitsexperte Christof Fischer verwies darauf, dass der Staat per Gesetz keine Zahlungen bei Erpressungen vornehmen dürfe. Die Situation sei aber sehr schwierig: „Die Daten sind in den Händen von Kriminellen, und eine Veröffentlichung hat in vielen Fällen sehr schädliche Auswirkungen.“
Die von den Angreifern zuvor veröffentlichten Auflistungen und Screenshots deuten auf einen gravierenden Abfluss hochsensibler Daten hin. Die Gruppe behauptet, rund 1,44 Millionen Dateien erbeutet zu haben. Darunter sollen sich neben mehr als 5.000 Personalakten, Bußgeldvorgängen und Gehaltsabrechnungen auch vertrauliche Unterlagen aus Bundesratsausschüssen sowie Schwachstellenanalysen zur Berliner Trinkwasserversorgung befinden. Inzwischen sind auf der Leak-Seite zahlreiche Ordner zu sehen, deren Bezeichnungen unter anderem auf Arbeitszeugnisse, Ausschreibungsunterlagen, Beurteilungen von Beschäftigten und Personalakten hinweisen. Ob die Ordner tatsächlich die angegebenen Dokumente enthalten und ob diese authentisch sind, ließ sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Zudem brüsteten sich die Erpresser damit, Zugangsdaten und Passwörter im Klartext erlangt zu haben – unter anderem für Datenbanken der Verwaltung und Zahlungsdienstleister. Die Berliner Verwaltung hatte den am 14. August bekannt gewordenen Cyberangriff bestätigt. Ermittler des Landeskriminalamts sowie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik sind in die Analyse und Bewältigung des Vorfalls eingebunden. Sollte das Datenpaket vollständig publik werden, drohen den betroffenen Behörden und Tausenden Bürgern sowie Beschäftigten erhebliche Datenschutz- und Sicherheitsrisiken.
Nach Einschätzung des Senats handelt es sich bei Rhysida um eine hochprofessionell arbeitende Gruppe, die in den vergangenen Jahren mit Cyberangriffen in mehreren europäischen Ländern und den USA in Verbindung gebracht wurde. Erkenntnisse über Verbindungen nach Russland oder zum russischen Staat liegen dem Senat bislang nicht vor. Ausschließen könne er solche Kontakte allerdings ebenfalls nicht. Bei vergleichbaren Angriffen vergehen erfahrungsgemäß oft mehrere Stunden oder Tage, bis gestohlene Datensätze tatsächlich über Archivdateien oder Peer-to-Peer-Netzwerke zum Download bereitgestellt werden. IT-Sicherheitsexperten und die Berliner Ermittlungsbehörden beobachten die einschlägigen Foren und Leak-Seiten fortlaufend.




