GSK will Impfstoffwerk Dresden bis 2028 schließen – 650 Jobs betroffen
Der Pharmakonzern GlaxoSmithKline plant die Schließung seines traditionsreichen Dresdner Impfstoffwerks bis Sommer 2028. Rund 650 Beschäftigte sind betroffen, die Grippeimpfstoffproduktion soll nach Kanada verlagert werden. Gewerkschaft und Politik kündigen Widerstand an.
Der Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) will seinen Impfstoffstandort in Dresden bis zum Sommer 2028 schließen. Das bestätigte ein Unternehmenssprecher. Betroffen sind knapp 650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Als Grund nennt das Unternehmen die weltweit rückläufige Nachfrage nach Impfstoffen sowie bestehende Überkapazitäten. Die Produktion von Grippeimpfstoffen soll künftig am kanadischen Standort Ste-Foy gebündelt werden.
Der Standort blickt auf eine 115-jährige Geschichte zurück. Der Unternehmer Karl August Lingner, der mit dem Mundwasser Odol zu Vermögen kam, hatte 1911 das Sächsische Serumwerk gegründet – den Ursprung des heutigen GSK-Werks. In Dresden werden derzeit Impfstoffe gegen Grippe und Hepatitis hergestellt. Nach früheren Angaben des Unternehmens verlassen wöchentlich zwei Millionen Impfdosen das Werk. Deutschland bleibe für GSK ein wichtiger Markt und bedeutender Standort, hieß es. Die Versorgung der Patienten mit den Impfstoffen solle weiterhin sichergestellt werden.
Die Gewerkschaft IGBCE kündigte entschiedenen Widerstand an. «Diese Nachricht trifft uns bis ins Mark», sagte Peter Mißbach, Betriebsratsvorsitzender am GSK-Standort Dresden. «Wir werden geschlossen, laut und entschlossen für unsere Arbeitsplätze kämpfen.» Die IGBCE forderte das Unternehmen auf, die Schließungspläne auszusetzen, die Entscheidungsgrundlagen offenzulegen und mit Betriebsrat und Gewerkschaft ernsthaft über Alternativen zu verhandeln. Von Bund und Freistaat wird ein gemeinsamer Standortgipfel erwartet.
Für Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) kam die Ankündigung überraschend. Der Freistaat habe sich in den vergangenen Jahren zu einer der dynamischsten Biotechnologie-Regionen Deutschlands entwickelt, sagte Panter. Er verwies auf die lange Tradition Dresdens als Pharmastandort. Die Staatsregierung werde nun das Gespräch mit der Unternehmensleitung und den Beschäftigten suchen.
Der CDU-Europapolitiker Oliver Schenk will die Pläne gegenüber der Europäischen Union ansprechen. «Wir arbeiten mit dem Critical Medicines Act gerade daran, die Arzneimittel- und Impfstoffproduktion in Europa zu stärken und unsere Abhängigkeit von Drittstaaten zu verringern», sagte Schenk. «Wir können nicht über pharmazeutische Souveränität und Versorgungssicherheit reden und gleichzeitig bestehende Produktionskapazitäten und jahrzehntelanges Know-how in Europa verlieren.» Stadt, Freistaat, Bund und Europa müssten gemeinsam mit GSK prüfen, ob und welche Perspektive es für den Standort Dresden gibt.
Die IGBCE wies darauf hin, dass mit der geplanten Schließung in Sachsen inzwischen 4.250 Arbeitsplätze in der Branche verloren gegangen seien. «Das zeigt, wie dramatisch die Lage geworden ist», sagte Philipp Zirzow, Bezirksleiter der IG BCE Bezirk Sachsen. Das Unternehmen verpflichtete sich, eng mit dem Dresdner Betriebsrat und allen Mitarbeitenden zusammenzuarbeiten und maßgeschneiderte Unterstützungsmaßnahmen bereitzustellen, um die Auswirkungen auf die Beschäftigten zu mildern. «Uns ist bewusst, dass das sehr schwere Nachrichten für unsere engagierten Kolleginnen und Kollegen in Dresden sind», so das Unternehmen.




