US-Präsident Donald Trump hat verkündet, dass der von den Vereinigten Staaten initiierte Friedensrat eine Vereinbarung zur „vollständigen Entwaffnung“ der islamistischen Hamas im Gazastreifen erzielt habe. Laut US-Kreisen stimmte die Hamas der Entwaffnung zu. Der Plan sieht vor, dass der Gazastreifen entmilitarisiert wird und die Hamas ihre Waffen abgibt. Über Vermittler habe die Gruppierung „dem finalen Text des Zeitplans zugestimmt, wie er ihnen in unserer letzten Vermittlungssitzung vorgelegt wurde“, verlautete aus US-Kreisen. Dies schließe einen Artikel ein, der die vollständige Entwaffnung beinhalte.
Die Hamas soll ihre Waffen demnach der palästinensischen Übergangsverwaltung NCAG übergeben. Eine mit der Sache vertraute Person betonte, dass auch andere Milizen und Clans in Gaza entmachtet werden müssten. Die NCAG solle künftig die Strafverfolgung im Gazastreifen übernehmen. Bei dem Vorhaben soll eine Internationale Stabilisierungstruppe helfen, die von den USA angeführt werden soll. Insidern zufolge gibt es bereits Zusagen für mehr als 5.000 Soldaten aus verschiedenen Ländern. Die Kräfte sollen im Kern die Polizei in Gaza trainieren, bei der Entwaffnung der Hamas helfen und beschlagnahmte Waffen sicher lagern. Außerdem sollen sie als Vermittler zwischen Israel und den Palästinensern während des Rückzugs israelischer Truppen aus dem Gazastreifen fungieren.
Israel wird seine Truppen nicht einfach so abziehen. Zwar sieht der Plan einen schrittweisen Abzug vor, bis sämtliche Truppen am Ende aus dem Gazastreifen verschwunden sind. Der Zeitrahmen dafür ist bislang aber nicht festgezurrt, wie eine dem Friedensrat nahestehende Person erläuterte. Israel habe ein „zentrales“ Argument vorgebracht: Ein Rückzug sei so lange nicht möglich, solange die Hamas durch ihre Präsenz und den Zugang zu Waffen weiter eine Bedrohung darstelle. Neben dem vollständigen Truppenabzug soll sich Israel zudem an Verpflichtungen halten und dafür Sorge tragen, dass humanitäre Zugänge und die Bereitstellung von Hilfsgütern in Gaza ermöglicht werden. Eine Reaktion aus Israel nach Bekanntwerden der Einigung blieb zunächst aus.
Aus dem Umfeld des Friedensrats verlautete grob ein Zeithorizont von „200 bis 350 Tagen“ für den gesamten Plan. Zugleich räumte eine mit dem Vorhaben befasste Person ein, dass der konkrete Zeitplan „maßgeblich von den einzelnen Phasen“ abhänge. Der Plan sieht ein schrittweises Vorgehen vor, bei dem sowohl die Hamas als auch Israel Bedingungen erfüllen müssen. Ein unabhängiger Prüfungsausschuss soll die Bedingungen einer Phase überprüfen und als erfüllt ansehen, bevor der nächste Schritt gemacht wird. „Wenn Phase eins blockiert wird, gehen wir nicht zu Phase zwei über“, hieß es. Damit solle dem tief sitzenden Misstrauen beider Konfliktparteien vorgegriffen werden.
Der Mechanismus zeigt zugleich, wie fragil der Zeitplan ist. Erfüllt eine Partei die Anforderungen nicht oder stimmt das Prüfungskomitee nicht zu, dürfte der Plan deutlich in Verzug geraten. Das übergeordnete Ziel soll der Wiederaufbau des Gazastreifens sein. Die Rede ist von „Wohlstand, Sicherheit und Frieden für die Palästinenser“ in dem Gebiet. „Eines unserer Ziele ist es, Gaza innerhalb weniger Jahre vollständig von Entwicklungshilfe unabhängig zu machen“, sagte eine mit dem Plan vertraute Person. Gelingen soll das, indem eine „starke Wirtschaft“ basierend auf Kapitalismus und freier Marktwirtschaft etabliert werde und Investitionen gefördert würden. Dies werde allerdings nur dann gelingen, solange sichergestellt werde, dass die Hamas nicht wieder erstarke, hieß es weiter.
Seit Oktober 2025 herrscht im Gaza-Krieg eine Waffenruhe, es kommt aber immer wieder zu tödlichen Angriffen. Israel kontrolliert weiterhin mehr als die Hälfte des abgeriegelten, durch den Krieg verwüsteten Küstengebiets. Der Hamas gelang es seit Beginn der Waffenruhe jedoch, ihre Herrschaft in dem von ihr weiterhin kontrollierten Gebiet wieder zu festigen. Vor diesem Hintergrund gilt die Umsetzung des neuen Plans als anspruchsvoll. Offen bleibt unter anderem, wie die Entwaffnung der Hamas tatsächlich durchgesetzt werden kann, welche Rolle die internationale Stabilisierungstruppe im Konfliktfall spielen soll und ob Israel seinen Rückzug an konkrete Fortschritte knüpfen wird.
