Der südkoreanische Leitindex KOSPI ist am Dienstag erneut massiv eingebrochen und löste damit einen vorübergehenden Handelsstopp an der Börse in Seoul aus. Der Index verlor zeitweise mehr als zehn Prozent und setzte damit seine Talfahrt vom Vortag fort. Auslöser der erneuten Verkaufswelle waren die am Morgen veröffentlichten Quartalszahlen des Halbleiterherstellers SK Hynix, die bei den Anlegern auf breite Enttäuschung stießen.
SK Hynix, einer der weltweit führenden Produzenten von Speicherchips, hatte zwar für das zweite Quartal einen Rekordumsatz und einen deutlich gestiegenen Gewinn vorgelegt. Die Erwartungen der Analysten wurden jedoch in Teilen verfehlt, insbesondere was den Ausblick für die kommenden Monate angeht. Die Aktie des Unternehmens brach daraufhin um mehr als zwölf Prozent ein und zog andere Werte der Branche mit nach unten. Samsung Electronics, der größte Konkurrent und ebenfalls ein Schwergewicht im KOSPI, verlor mehr als acht Prozent.
Der Einbruch beschränkte sich nicht auf Südkorea. Auch die japanische Börse geriet unter Druck: Der Nikkei-225-Index fiel um rund fünf Prozent, belastet vor allem von Technologie- und Halbleiterwerten. In Taiwan und Hongkong verzeichneten die Indizes ebenfalls deutliche Verluste. Die Anleger reagierten damit auf die wachsende Sorge, dass die hohe Nachfrage nach KI-Chips nachlassen könnte und die Branche vor einer Überkapazität steht.
Analysten verwiesen zudem auf die Rolle gehebelter ETFs, die die Verluste an den asiatischen Börsen verstärkt hätten. Solche Finanzprodukte setzen auf eine Hebelwirkung und führen bei fallenden Kursen zu Zwangsverkäufen, was die Abwärtsspirale beschleunigt. Der KOSPI hatte bereits am Montag um fast acht Prozent nachgegeben, sodass der kumulierte Verlust in nur zwei Tagen bei über 18 Prozent liegt – der stärkste Einbruch seit der Finanzkrise 2008.
Die südkoreanische Finanzaufsicht kündigte an, die Lage genau zu beobachten und gegebenenfalls stabilisierende Maßnahmen zu ergreifen. Notenbank und Regierung stehen unter Druck, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, da der KOSPI in diesem Jahr bereits mehr als ein Viertel seines Wertes eingebüßt hat. Die Schwäche der Halbleiterindustrie trifft die südkoreanische Wirtschaft besonders hart, da Chips mit Abstand das wichtigste Exportgut des Landes sind.
SK Hynix selbst zeigte sich in einer Stellungnahme zuversichtlich, dass die langfristige Nachfrage nach Speicherchips für KI-Anwendungen intakt sei. Die aktuellen Marktschwankungen seien vor allem auf kurzfristige Spekulationen und eine Übertreibung der Erwartungen zurückzuführen. Ob diese Einschätzung die Anleger beruhigen kann, bleibt abzuwarten. Die Börse in Seoul wird am Mittwoch voraussichtlich mit erhöhter Volatilität in den Handel starten.
Internationale Investoren beobachten die Entwicklung in Asien mit großer Sorge, da sie als Indikator für die globale Konjunktur gilt. Sollte die Nachfrage nach Halbleitern tatsächlich nachlassen, könnte dies auch Auswirkungen auf die Börsen in Europa und den USA haben. Die kommenden Tage werden zeigen, ob sich die Lage an den asiatischen Märkten stabilisiert oder weitere Verluste drohen.
