Die Wohnungsknappheit in Deutschland verschärft sich weiter: Die Angebotsmieten sind im zweiten Quartal 2025 einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge um rund vier Prozent gestiegen. Damit liegen die Mietpreise deutlich über der allgemeinen Inflationsrate, die zuletzt bei etwa zwei Prozent lag. Besonders betroffen sind Großstädte außerhalb der klassischen Metropolen sowie die Zentren Köln und Hamburg, wo die Mieten wieder kräftig zulegen.
Die Untersuchung des IW zeigt, dass die sogenannten Angebotsmieten – also die Mietpreise für neu vermietete Wohnungen – im bundesweiten Durchschnitt um vier Prozent im Vergleich zum Vorquartal anzogen. In Köln und Hamburg fiel der Anstieg mit über fünf Prozent noch stärker aus. Experten führen diese Entwicklung auf die anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnraum bei gleichzeitig geringem Neubau zurück. Die Kaufpreise für Wohnimmobilien entwickeln sich dagegen moderat und steigen nur leicht, was auf eine Abkühlung des Eigentumsmarkts hindeutet.
Die Mietpreissteigerungen treffen vor allem Mieter in Städten, die nicht zu den teuersten Metropolen wie München oder Frankfurt zählen. In mittelgroßen Städten und Ballungsräumen abseits der Zentren wird Wohnraum zunehmend knapper, was die Preise in die Höhe treibt. Die IW-Studie betont, dass die Schere zwischen Miet- und Kaufpreisen weiter auseinandergeht: Während Mieten stark steigen, bleiben Immobilienkäufe vergleichsweise günstig, was auf eine veränderte Nachfrage der Haushalte hindeutet.
Hintergrund der Entwicklung ist die unzureichende Bautätigkeit in Deutschland. Die Bundesregierung hatte sich zum Ziel gesetzt, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu schaffen, doch dieses Ziel wird seit Jahren verfehlt. Gestiegene Baukosten, höhere Zinsen und bürokratische Hürden bremsen den Neubau. Gleichzeitig ziehen weiterhin viele Menschen in die Städte, was die Nachfrage nach Mietwohnungen hoch hält. Die IW-Studie prognostiziert, dass die Mietpreise auch in den kommenden Quartalen weiter steigen werden, sofern keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich: Steigende Mieten belasten die Haushaltsbudgets vieler Familien und Alleinstehender. In Städten wie Köln und Hamburg müssen Mieter mittlerweile einen deutlich höheren Anteil ihres Einkommens für die Kaltmiete aufwenden. Sozialverbände fordern daher eine Ausweitung des sozialen Wohnungsbaus und eine stärkere Regulierung der Mietpreise. Die Politik steht unter Druck, insbesondere in den betroffenen Städten, wo Wohnungsnot zu einem zentralen Thema der Kommunalwahlen geworden ist.
Die IW-Studie basiert auf Daten von Immobilienportalen und Maklerverbänden und erfasst die Mietpreise für Neuvermietungen. Sie gilt als verlässlicher Indikator für die aktuelle Marktentwicklung. Die Forscher warnen davor, dass die steigenden Mieten die soziale Ungleichheit weiter verschärfen könnten, da einkommensschwächere Haushalte zunehmend aus den Innenstädten verdrängt werden. Eine Entspannung sei kurzfristig nicht in Sicht, da der Neubau nicht mit der Nachfrage Schritt halten könne.
In den betroffenen Städten reagieren die Kommunen unterschiedlich. Hamburg hat bereits ein Maßnahmenpaket zur Mietpreisbremse und zum sozialen Wohnungsbau vorgelegt, während Köln auf eine verstärkte Ausweisung von Bauland setzt. Ob diese Maßnahmen ausreichen, um den Trend umzukehren, bleibt abzuwarten. Die IW-Studie macht deutlich, dass ohne ein deutliches Umsteuern in der Wohnungspolitik die Mietpreise weiter steigen werden – und damit die Wohnungsknappheit in Deutschland zum Dauerproblem wird.
