50 Jahre nach der Erstausstrahlung in Deutschland erhält die Kultserie «Unsere kleine Farm» bei Netflix ein neues Gewand. Die achtteilige erste Staffel des Reboots startet am Donnerstag, 9. Juli, und basiert auf Band drei der autobiografischen Romane von Laura Ingalls Wilder. Unter dem Titel «Little House on the Prairie» erinnert sich Ingalls darin an die beschwerliche Reise der Familie mit dem Planwagen von Wisconsin nach Kansas um 1870, in der Hoffnung auf ein besseres Leben.
Historischer Hintergrund ist der sogenannte Homestead Act, nach dem jeder ein Stück unbesiedeltes Land für sich beanspruchen und bewirtschaften durfte. Doch unbewohnt war das Land nicht – es war Indianerland, das Zuhause amerikanischer Ureinwohner, die in der Folge enteignet und vertrieben wurden. Das sei nicht fair, befand die kleine Laura schon im Pilotfilm der Originalserie 1974. Im Reboot nimmt dieses dunkle Kapitel der US-Geschichte mehr Platz ein. «Es kann nicht sein, dass Fremde einfach so in mein Haus marschieren», empört sich Neuankömmling Charles an einer Stelle. Das sähen die Eingeborenen genauso, erwidert sein Nachbar Mitchell, selbst zur Hälfte indigen.
Laut Julie O'Keefe, die als Beraterin zu dem sensiblen Thema fungierte, habe man früh entschieden, beide Seiten zu erzählen: die Hoffnungen der Siedler auf neue Möglichkeiten und die desaströsen Folgen der Westexpansion für die Indigenen. Kern von «Unsere kleine Farm» aber sind, damals wie heute, die Ingalls'. Showrunnerin Rebecca Sonnenshine nennt die Serie gar «eine Liebesgeschichte über eine Familie». Anders als früher ist die Familie im Reboot zu Beginn noch vierköpfig – Vater Charles, Mutter Caroline und die Töchter Mary und Laura. In der Originalserie war die kleine Carrie schon auf der Welt, später folgte noch Schwester Grace. Wer sich allerdings auf ein Wiedersehen mit liebgewonnenen Figuren von einst, Lauras Erzfeindin Nellie Oleson etwa, freut, muss sich bis zur bereits bestätigten zweiten Staffel gedulden.
Die Messlatte liegt hoch, denn das Original brachte es auf über 200 Episoden in neun Staffeln. Das Reboot verspricht eine modernere Erzählweise, die die historischen Ungerechtigkeiten nicht ausklammert. Die Serie ist Teil eines größeren Trends: Je unsicherer die Zeiten, desto größer das Bedürfnis nach Vertrautem, nach Geborgenheit und heiler Welt. Das haben Film- und Serienmacher längst erkannt, und so ist es wenig verwunderlich, dass Netflix sich an das Reboot einer der wohl beliebtesten US-Familienserien der 70er- und 80er-Jahre heranwagte.
Neben dem Reboot von «Unsere kleine Farm» hält die kommende Woche weitere Streaming-Highlights bereit. Apple TV setzt die britische Comedyserie «Trying» mit einer fünften Staffel fort. Nikki und Jason scheinen in der neuen Staffel endlich ihr Glück gefunden zu haben: Nachdem sie erst mit Unfruchtbarkeit zu kämpfen hatten, adoptierten sie die Geschwister Princess und Tyler. Inzwischen haben sich die vier als Familie gefunden und aus den jungen Kindern sind zwei Teenager geworden. «Trying» ist eine der am längsten laufenden Serien bei Apple TV und bekam für die vergangenen vier Staffeln größtenteils positive Kritiken, insbesondere für den Humor des Drehbuchs und für die Chemie zwischen den Hauptdarstellern. Ausgerechnet jetzt, als alles gut zu laufen scheint, bringt die leibliche Mutter von Princess und Taylor die Familie durcheinander – insbesondere Nikki.
In der ZDFmediathek startet am Montag, 13. Juli, die Komödie «Plötzlich Schwester». So hatte sich Sandra Giesinger ihre Traumhochzeit nicht vorgestellt: Der Tortentopper sieht aus wie von einem fünfjährigen Kind gebastelt, ihre Trauzeugin hat abgesagt, und dann landet auch noch ihr Vater tot und mit dem Gesicht voraus in der Probe-Hochzeitstorte. Der größte Schock erwartet die zukünftige Braut und ihre Mutter jedoch an der Beerdigung: Denn Gerd Giesinger hatte über Jahre eine heimliche zweite Familie. Sandras prollig-herzliche Halbschwester Sandy passt so gar nicht in das Schicki-Micki-Familienbild der Giesingers. Auch ihre Mutter Gabi hat wenig Mühe, ihre Nebenbuhlerin Monika zu verkraulen. Dafür hätte sie wohl gar nicht erst Gerds Asche vor der Bestattung aus der Urne entwenden müssen. Schließlich gibt es da noch Gerd verschollenes Testament mit unbekanntem Inhalt.
ARTE zeigt in seiner Mediathek ab Montag, 6. Juli, die neuseeländische Serie «After the Party». Die Serie stellt die Frage, was es mit den Angehörigen der mutmaßlichen Täter macht, die eine geliebte Person auf frischer Tat ertappen. «Die Zahl der Sexualdelikte steigt» – Schlagzeilen wie diese waren nicht nur in Deutschland schon oft zu lesen. Die Serie beleuchtet die psychologischen und sozialen Folgen für die Familienmitglieder, die mit den Taten konfrontiert werden.
