Der frühere Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) steigt in die Privatwirtschaft ein. Ab dem 1. August wird er als Senior Advisor für die dänische Investmentgesellschaft Urban Partners tätig sein. Das gab das Unternehmen mit Hauptsitz in Kopenhagen bekannt. Habeck hatte sein Bundestagsmandat bereits zum 1. September 2025 niedergelegt und sich damit aus der aktiven Politik zurückgezogen.
Urban Partners ist ein auf Stadtentwicklung spezialisierter Investor mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 25 Milliarden Euro. In seiner neuen Funktion soll Habeck nach Angaben des Unternehmens vor allem die Forschungsaktivitäten vorantreiben – insbesondere in den Bereichen Stadtentwicklung und der Frage, wie privates Kapital den Ausbau von bezahlbarem Wohnraum in schnell wachsenden städtischen Gebieten unterstützen kann. Das Unternehmen betont, dass die Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor ein zentraler Bestandteil seiner Geschäftsstrategie sei.
Jens Stender, Co-Chef von Urban Partners, begründete die Entscheidung mit Habecks Erfahrung: „Dr. Habeck bringt unschätzbare Erfahrungen und eine beeindruckende Erfolgsbilanz im öffentlichen Dienst mit, die an der Schnittstelle von Nachhaltigkeit, Bezahlbarkeit und Privatwirtschaft liegen.“ Habeck selbst äußerte sich in einer Mitteilung des Unternehmens: „In unseren Städten entscheidet sich der Erfolg der großen Transformationen unserer Zeit. Wer Wohnraum, öffentlichen Raum und Infrastruktur verbessert, trägt gleichzeitig zum sozialen Zusammenhalt, zur Nachhaltigkeit und zur wirtschaftlichen Stärke bei.“ Er freue sich, bei Urban Partners seinen Beitrag zu leisten.
Der Schritt in die Privatwirtschaft erfolgt gut eineinhalb Jahre nach dem Bruch der Ampelkoalition. Habeck hatte sein Amt als Vizekanzler und Wirtschaftsminister im Zuge des Endes der Regierungskoalition verloren. Seither hat er sich bereits anderweitig engagiert: So nahm er eine Tätigkeit am Dänischen Institut für Internationale Studien auf. Zudem kündigte er an, Gastprofessuren an verschiedenen außereuropäischen Universitäten zu übernehmen und freiberuflich als Redner zu verschiedenen Anlässen aufzutreten.
Für Spitzenpolitiker gilt nach dem Ausscheiden aus dem Amt eine Anzeigepflicht von 18 Monaten, wenn sie eine Beschäftigung außerhalb des öffentlichen Dienstes aufnehmen wollen. Geplante Tätigkeiten können untersagt werden, etwa wenn sie öffentlichen Interessen schaden. Ob Habecks Beratertätigkeit bei Urban Partners einer solchen Prüfung unterzogen wird, ist bislang nicht bekannt. Das Unternehmen selbst zeigt sich jedoch überzeugt von der Zusammenarbeit und will mit Habeck auch seine Geschäfte in Deutschland vorantreiben.
Urban Partners beschäftigt in Deutschland rund 36 Mitarbeiter an den Standorten Frankfurt, München und Berlin. Zu den jüngsten Investitionen des Unternehmens zählen Logistikimmobilien in Ballungsräumen sowie Mehrfamilien-Mietwohnungen in Berlin, München und Hamburg. Mit Habecks Expertise erhofft sich das Unternehmen weitere Impulse für seine Aktivitäten auf dem deutschen Markt. Der Ex-Minister bringt nicht nur politische Erfahrung, sondern auch ein Netzwerk mit, das für einen Stadtentwicklungsinvestor von erheblichem Wert sein dürfte.
Habecks Wechsel in die Privatwirtschaft wird in politischen Kreisen aufmerksam verfolgt. Kritiker sehen darin einen typischen Fall des „Drehtür-Effekts“, bei dem ehemalige Spitzenpolitiker kurz nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt lukrative Positionen in der Wirtschaft annehmen. Befürworter hingegen betonen, dass Habecks Expertise in den Bereichen Nachhaltigkeit und Stadtentwicklung für ein Unternehmen wie Urban Partners durchaus relevant sei. Der Grünen-Politiker selbst hat stets betont, dass er sich auch nach seiner politischen Karriere weiterhin für gesellschaftlich relevante Themen einsetzen wolle.
Mit der neuen Position bei Urban Partners setzt Habeck einen weiteren Schritt in seine berufliche Zukunft nach der Politik. Die Kombination aus Forschung, Beratung und Vortragstätigkeit deutet darauf hin, dass er künftig eine Rolle als unabhängiger Experte und Vermittler zwischen öffentlichem Sektor und Privatwirtschaft anstrebt. Ob dies der Auftakt zu einer dauerhaften Karriere in der Privatwirtschaft ist oder ob Habeck zu einem späteren Zeitpunkt wieder in die Politik zurückkehren könnte, bleibt abzuwarten.
