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Gastkommentar: Autoproduktion in Deutschland ist kein Naturgesetz

VDA-Präsidentin Müller: Autoproduktion in Deutschland ist kein Naturgesetz

Vor dem Aktionstag der IG Metall fordert VDA-Präsidentin Hildegard Müller mehr Veränderungsbereitschaft von Gewerkschaften und Beschäftigten. Sie warnt vor hohen Arbeitskosten und wirft der Gewerkschaft Realitätsverweigerung vor.

Die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, hat vor dem bundesweiten Aktionstag der IG Metall scharfe Kritik an der Gewerkschaft und den Beschäftigten geübt. In einem Gastkommentar für das Handelsblatt schreibt Müller, es sei «kein Naturgesetz», dass deutsche Automobilkonzerne in Deutschland produzierten. Wer sich Veränderungen verweigere, leugne die Realität. Die IG Metall hatte zu Protesten aufgerufen, um gegen den Stellenabbau und die Verlagerung von Produktionskapazitäten ins Ausland zu demonstrieren.

Müller warnt in ihrem Beitrag vor den hohen Arbeitskosten am Standort Deutschland. Diese machten die Produktion im internationalen Vergleich zunehmend unrentabel. Die VDA-Präsidentin fordert daher mehr Veränderungsbereitschaft von den Gewerkschaften und den Beschäftigten. Nur wenn sich die Belegschaften und ihre Vertretungen auf neue Technologien und effizientere Produktionsprozesse einließen, könne die deutsche Autoindustrie langfristig wettbewerbsfähig bleiben. Andernfalls drohten weitere Verlagerungen und ein Verlust von Arbeitsplätzen.

Die IG Metall hatte den Aktionstag organisiert, um gegen den Umbau der Branche und den damit verbundenen Stellenabbau zu protestieren. In vielen Werken der deutschen Automobilhersteller und Zulieferer ist die Sorge um die Zukunft der Arbeitsplätze groß. Die Gewerkschaft verlangt von den Unternehmen und der Politik klare Perspektiven für den Standort Deutschland. Müller hingegen sieht die Beschäftigten und ihre Vertreter in der Pflicht, sich den veränderten Marktbedingungen anzupassen. Der Ton zwischen dem Verband und der Gewerkschaft ist rau.

Die Auseinandersetzung fällt in eine Zeit, in der die deutsche Automobilindustrie unter erheblichem Druck steht. Der Umstieg auf Elektromobilität, die Konkurrenz aus China und die schwache Konjunktur in Europa setzen den Herstellern zu. Viele Unternehmen haben bereits Stellen gestrichen oder Werke geschlossen. Die Politik diskutiert über Subventionen und Rahmenbedingungen, um die Branche zu stützen. Der VDA vertritt die Interessen der Hersteller und Zulieferer und plädiert für eine stärkere Marktorientierung.

Müller betont in ihrem Gastkommentar, dass die deutsche Automobilproduktion keine Selbstverständlichkeit sei. Sie müsse täglich neu erarbeitet werden. Die VDA-Präsidentin fordert von der IG Metall, sich nicht gegen notwendige Veränderungen zu stemmen. Wer die Realität leugne, gefährde am Ende die Arbeitsplätze, die er zu schützen vorgebe. Die Gewerkschaft weist diese Darstellung zurück und verlangt von den Unternehmen Investitionen in den Standort Deutschland.

Der Aktionstag der IG Metall soll ein Zeichen gegen den Stellenabbau setzen. In mehreren Städten sind Kundgebungen und Protestmärsche geplant. Die Gewerkschaft will damit den Druck auf die Arbeitgeber und die Politik erhöhen. Der VDA hatte bereits in der Vergangenheit vor zu hohen Kosten und einer Überregulierung gewarnt. Die Fronten zwischen Verband und Gewerkschaft sind verhärtet. Eine Lösung des Konflikts ist nicht in Sicht.

Die Zukunft der deutschen Automobilproduktion hängt von vielen Faktoren ab. Dazu gehören die Entwicklung der Absatzzahlen, die Verfügbarkeit von Rohstoffen und die politischen Rahmenbedingungen. Der VDA und die IG Metall vertreten unterschiedliche Interessen. Während der Verband auf Wettbewerbsfähigkeit und Flexibilität pocht, fordert die Gewerkschaft Sicherheit und Investitionen. Der Ausgang des Streits ist offen. Klar ist: Die deutsche Autoindustrie steht vor einem tiefgreifenden Wandel.

Dominik Zimmermann

Autor

Wirtschaftsanalyst

Dominik Zimmermann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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