Alternativer Nobelpreis 2026 ehrt Frauen im Kampf gegen Machtstrukturen
Der Right Livelihood Award zeichnet in diesem Jahr die US-KI-Forscherin Timnit Gebru, die pakistanische Anwältin Jalila Haider, das Rural Women's Assembly im südlichen Afrika und die Georgian Young Lawyers' Association aus. Die Stiftung würdigt damit Widerstand gegen Diskriminierung und Machtkonzentration.
Der Right Livelihood Award, bekannt als Alternativer Nobelpreis, geht in diesem Jahr an vier Preisträgerinnen und Preisträger, die sich gegen tief verwurzelte Machtstrukturen und Diskriminierung einsetzen. Ausgezeichnet werden die US-amerikanische Informatikerin Timnit Gebru, die pakistanische Menschenrechtsanwältin Jalila Haider, das Netzwerk Rural Women's Assembly im südlichen Afrika und die georgische Anwaltsorganisation Georgian Young Lawyers' Association. Die Bekanntgabe erfolgte in Stockholm durch die Right-Livelihood-Stiftung.
Die Stiftung würdigte das verbindende Motiv der Geehrten: den Widerstand gegen Systeme, die Menschen an den Rand drängen, und die Überzeugung, dass der Mensch wieder in den Mittelpunkt gehört. Stiftungsdirektor Ole von Uexküll sagte, alle Preisträger zeigten, dass die Anliegen, für die sie stehen, und die Menschen, für die sie einstehen, nicht machtlos seien. «Macht muss nicht auf Hierarchie und Gewalt begründet sein. Sondern Macht ist auch die Fähigkeit, zusammenzuhalten, zusammenzuarbeiten, allen eine Stimme zu geben», so von Uexküll. Die Preisträger stünden für grundlegende menschliche Werte wie Kooperation, Freiheit und Frieden mit der Natur.
Timnit Gebru wird für ihren Einsatz gegen unkontrollierte KI-Macht geehrt. Sie leitete bei Google ein Team für ethische Fragen der Künstlichen Intelligenz und warnte früh vor den Gefahren großer Sprachmodelle. Heute zeigt sie Alternativen auf, kritisiert den Bau riesiger Rechenzentren, die fehlende Offenlegung von Algorithmen und belegt, wie KI-Modelle Ungleichheiten reproduzieren und verfestigen. Die Stiftung hebt hervor, dass Gebru aufzeigt, welche Schäden KI-Systeme bereits heute im Alltag diskriminierter und marginalisierter Gruppen verursachen. Gebru selbst sagte, sie hoffe, die Auszeichnung zeige anderen Wissenschaftlerinnen und Ingenieuren, dass Wissenschaft Menschenrechte einbeziehen könne.
Die pakistanische Anwältin Jalila Haider setzt sich in der Region Baluchistan für die Rechte der Hazara-Gemeinschaft ein. In einem Umfeld, das von Ausgrenzung und Unterdrückung gegen Frauen, ethnische Minderheiten und die LGBTQ+-Gemeinschaft geprägt ist, gilt sie als eine der wichtigsten Kämpferinnen für Menschenrechte in Pakistan. Als erste Frau ihrer Volksgruppe wurde sie Rechtsanwältin. Von Uexküll nannte sie ein unglaubliches Beispiel dafür, wie der Kampf gegen Diskriminierung funktionieren könne, und betonte, ihr Weg zeige, wie sich Menschen und Minderheiten selbst aus Unterdrückung befreien können.
Das Rural Women's Assembly (RWA) vertritt mehr als 178.000 Kleinbäuerinnen in elf Ländern des südlichen Afrikas. Die Frauen wollen selbst über ihr Land, ihr Saatgut und ihre Körper bestimmen. Sie wehren sich gegen sexuelle Gewalt und fordern die Rechte von Frauen als Landbesitzerinnen ein. Die Stiftung würdigte sie als Beispiel dafür, wie Menschen, die von einem System marginalisiert werden, kollektive Macht aufbauen und ihre Interessen einfordern können. RWA-Regionalkoordinatorin Mercia Andrews sagte, eine einzelne Stimme könne keinen Berg versetzen. Es sei die beharrliche, vereinte Kraft Tausender Frauen im ländlichen Raum, die etwas, das als unverrückbar galt, ins Wanken bringe.
Die 1994 gegründete Georgian Young Lawyers' Association wird ebenfalls ausgezeichnet. Die Organisation setzt sich unter der Führung von Tamar Oniani für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Georgien ein. Damit würdigt die Stiftung auch zivilgesellschaftliches Engagement in einem Land, in dem demokratische Institutionen unter Druck stehen.
Der Right Livelihood Award wird seit 1980 vergeben und gilt als Alternative zu den Nobelpreisen. Er ehrt Personen und Organisationen, die praktische Lösungen für globale Probleme entwickeln. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt auf Frauen und von Frauen geführten Organisationen, die sich gegen mächtige Konzerne und Regierungen stellen und für eine Umverteilung der Macht kämpfen. Die Preisverleihung findet traditionell im Dezember in Stockholm statt.
5




