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Krankheiten: Clusterkopfschmerz: Wenn der Alltag zur Qual wird

Clusterkopfschmerz: Wenn der Alltag zur Qual wird

Clusterkopfschmerz gilt als schlimmste Form des Kopfschmerzes. Ein 24-jähriger Mechatroniker aus Dresden berichtet von seinen Anfällen, eine Expertin erklärt Ursachen, Diagnose und Therapiemöglichkeiten.

Als würde dickflüssiges Magma mit hohem Druck durch eine Leitung gepumpt: So beschreibt Laurin Eckert die Schmerzen, die seinen Alltag immer wieder zerreißen. Der 24-Jährige leidet an Clusterkopfschmerzen, einer Erkrankung, die als wohl schlimmste Art des Kopfschmerzes gilt. Für chronisch Betroffene kann sie zur Hölle werden und nicht selten zu schweren Depressionen führen.

Bei Eckert tritt der Schmerz in Phasen auf. Betroffene beschreiben ihn als brennend, bohrend oder reißend, stets ist nur eine Kopfseite betroffen. Einzelne Anfälle können mehrmals am Tag auftreten und bis zu drei Stunden dauern, oft ziehen sich die Phasen über Wochen hin. „Es fühlt sich an, als wenn man mit sehr hohem Druck dickflüssiges Magma durch eine Leitung pumpt. Es beginnt langsam anzuschwellen und wird dann immer stärker. Das Auge tränt und die Nase läuft“, schildert der Mechatroniker, bei dem die rechte Kopfseite betroffen ist. Er versuche dann, ruhig zu bleiben und dem Gefühl nicht nachzugeben, losrennen, stöhnen oder schreien zu wollen.

Eckert stammt aus Fulda in Hessen, den es der Arbeit wegen nach Dresden verschlagen hat. Dort ist er Patient von Gudrun Goßrau, Professorin und Leiterin des Kopfschmerzzentrums am Universitätsklinikum der sächsischen Landeshauptstadt. Die Neurologin und Schmerztherapeutin unterscheidet in der Fachwelt zwischen primären und sekundären Kopfschmerzerkrankungen. Sekundär seien jene, bei denen der Schmerz Ausdruck einer anderen Erkrankung sei, etwa einer Hirnblutung. Bei den primären Formen sei der Kopfschmerz selbst die Erkrankung. Am häufigsten seien Spannungskopfschmerzen und Migräne.

„Der Clusterkopfschmerz ist seltener, schränkt den Patienten aber sehr ein, weil die Schmerzintensität extrem ist. Es gibt Untersuchungen, nach denen dieser Schmerz noch vor dem Schmerzempfinden bei einer Geburt oder der Entzündung der Bauchspeicheldrüse kommt“, erläutert die Ärztin. Während von Migräne etwa 10 bis 15 Prozent der Menschen betroffen seien, liege die Prävalenz bei Clusterkopfschmerz deutlich darunter, bei 0,1 bis 0,2 Prozent. Eine weitere Besonderheit: Männer sind dreimal häufiger betroffen als Frauen, bei Migräne ist es genau umgekehrt. Manche Menschen leiden sogar unter beidem.

Weil Clusterkopfschmerzen eine seltene Erkrankung sind, dauert die spezifische Diagnose in der Regel länger, sagt Goßrau. Deshalb gibt es seit einigen Jahren in Deutschland den „Kopfschmerztag“, um Kolleginnen und Kollegen sowie die Bevölkerung zu sensibilisieren. Er wird an diesem Samstag, dem 5. September, begangen. „Es geht darum, das Bewusstsein zu schärfen“, betont die Neurologin. Clusterkopfschmerzen würden inzwischen viel häufiger diagnostiziert als früher, auch wenn der Wert von knapp 8.000 Erkrankungen im Jahr 2023 in Sachsen noch nicht der Prävalenz entspreche. Goßrau bringt die Häufung der Diagnosen auch damit in Verbindung, dass sich Betroffene im Internet informieren und den Hausarzt so auf die richtige Spur bringen. Laurin Eckert hatte in dieser Beziehung Glück: Als der extreme Kopfschmerz erstmals 2019 auftrat, stellte sein Hausarzt die Diagnose recht schnell.

Die Ursachen für Clusterkopfschmerz sind bislang nicht restlos geklärt. „Man weiß auf jeden Fall, dass die Gehirnstruktur Hypothalamus eine wichtige Rolle für die Auslösung der Kopfschmerzattacken spielt“, sagt die Medizinerin. Die Schaltzentrale im Zwischenhirn verbindet als Steuerungsorgan verschiedene Hirnregionen. Bekannt sei auch, dass einige Neurotransmitter eine wichtige Rolle spielten, ähnlich wie bei der Migräne. Gleiches gelte für Lebensgewohnheiten: Alkoholgenuss könne ein typischer Trigger sein, aber auch Nikotin und Stress. Der Name der Erkrankung – Cluster steht im Englischen für Ballung – weist darauf hin, dass die Schmerzen in Perioden mit symptomfreien Zeiten dazwischen auftreten. Bei vielen Patienten geschehe das gehäuft im Frühjahr und Herbst. Besonders häufig betroffen sind junge Erwachsene und Menschen im späteren Erwachsenenalter, bei kleinen Kindern trete die Erkrankung so gut wie nie auf.

Auch wenn Clusterkopfschmerzen als unheilbar gelten, können Therapien Linderung verschaffen. In den 1990er Jahren kamen in Deutschland Triptane auf den Markt, die bei Migräne und Clusterkopfschmerzen zuverlässig wirken. „Insbesondere wenn man Sumatriptan als Spritze gibt, hört die wirklich schreckliche Schmerzattacke ziemlich zügig auf. Das ist eine Akut-Therapie“, so Goßrau. Bei etwa zwei Drittel der Patienten wirke zudem die Verabreichung von hochdosiertem Sauerstoff über eine Gesichtsmaske, nötig seien mindestens zwölf Liter pro Minute. Dann könne die Attacke binnen 15 Minuten enden. Mehr Cluster-Patienten wie Eckert haben einen episodischen Verlauf. Beim chronischen Verlauf höre der Schmerz für Betroffene im Grunde gar nicht mehr auf. „Sie haben in ihrem Leben vielleicht nur wenige Wochen Pause, aber ansonsten eigentlich ständig diese Attacken. Das ist sehr belastend, weil man ihnen nur mit Spritzen oder Sauerstoff begegnen kann.“

Dominik Zimmermann

Autor

Wirtschaftsanalyst

Dominik Zimmermann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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