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Montag, 31. August 2026

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Hitzesommer setzt Wäldern in Baden-Württemberg schwer zu

Der trockene und heiße Sommer hat den Wäldern in Baden-Württemberg deutlich zugesetzt. Fachleute von ForstBW und der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt berichten von Blattverlust, absterbenden Ästen und geschwächten Bäumen. Das volle Ausmaß der Schäden werde sich erst im Frühjahr zeigen.

Der heiße und regenarme Sommer hat den Wäldern in Baden-Württemberg schwer zugesetzt. Selbst Bäume, die bislang als klimastabil galten, zeigen nach Angaben von Fachleuten deutliche Schäden. „Den Wald hat's schwer getroffen“, sagte Waldbaureferent Alexander Abt von ForstBW in Tübingen. Das gesamte Ausmaß werde man wohl erst im Frühjahr sehen, wenn die Bäume wieder ausschlagen – oder eben nicht mehr.

Schon jetzt werfen viele Bäume Blätter ab oder bilden keine Früchte, um sich vor weiterem Flüssigkeitsverlust zu schützen. Äste sterben ab und brechen aus den Kronen. Geschwächte Pflanzen bieten zudem Insekten wie Borkenkäfer und Eichenprozessionsspinner leichtere Angriffsflächen. Auch das Landwirtschaftsministerium kann das Ausmaß der Schäden durch die Dürreperiode noch nicht beziffern. „Der aktuelle Stress wird sich erfahrungsgemäß auch auf die Folgejahre auswirken“, heißt es aus dem Ministerium.

Am stärksten betroffen sind alte Bäume, die in einem kühleren und regenreicheren Klima aufgewachsen sind und sich daran angepasst haben. „Junge Bestände erscheinen resilienter“, teilte ein Sprecher mit. Gerade klimaanpassungsfähige Mischbaumarten, die in den vergangenen Jahren vermehrt gepflanzt oder gefördert wurden und bereits einen ausreichenden Wurzelanschluss haben, bewähren sich demnach gut. Dazu gehören Elsbeere, Speierling, Vogelkirsche, Spitzahorn und Hainbuche.

Der Sommer sei „alarmierend trocken“ gewesen, sagt Andrea Hölscher, die das Forstliche Umweltmonitoring bei der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg verantwortet. So trocken wie im Mittel der letzten 15 Jahre nicht. Gerade an Waldrändern und Hängen hätten Bäume seit Mitte oder Ende Juli Verfärbungen gezeigt, wie man sie sonst aus dem Herbst kenne, sagte Sho Kawano aus der FVA-Abteilung Boden und Umwelt. Blätter von Rotbuche und Robinie zeigten zum einen typische Vergilbungen, zum anderen gebe es Verbrennungserscheinungen. Dann sei ein Baum nicht mehr zur Photosynthese fähig. Würden auch Leitungsbahnen beschädigt und könne kein Wasser mehr transportiert werden, sterbe der Baum womöglich ab. Auch das Wurzelwerk könne unter der Trockenheit leiden.

Die Reaktionen fielen unterschiedlich aus, sagte Kawano. Geschädigte Buchen könnten im nächsten Jahr kleinere Blätter oder Kronen ausbilden. In anderen Fällen würden die Schäden erst später sichtbar, machten die Fachleute deutlich. Das habe man auch nach den Hitzesommern 2003 und 2018 gesehen, sagte Hölscher. Anders als Laubbäume zeigten Nadelhölzer im Moment noch keine besonderen Auffälligkeiten, sagte Kawano. „Die Tanne leidet lange unerkannt“, sagte Abt. Richtig gut durch den Sommer gekommen sei im Grunde niemand. „Wer wirklich übel gelitten hat, sind Buche, Kirsche und Birke.“ Besser sei es Douglasie, Spitzahorn und Linde ergangen. Pauschal lasse sich das aber oft kaum sagen: „Es ist ein Glücksspiel geworden.“

Die einen Bäume seien hitzeresistenter, die anderen kämen besser mit Trockenheit klar. „Aber in Deutschland sind wir nochmal besonders gefordert“, sagte der Experte mit Blick auf Minusgrade im Winter. Daher brauche es eine Vielfalt an Arten und Genen. Als zukunftsfähige Baumarten gelten laut ForstBW beispielsweise Eiche oder Elsbeere. Instabiler seien hingegen etwa Fichten. Ein Aspekt sei auch, wie hoch Bäume wachsen sollen – denn umso höher müssten sie Wasser transportieren. Im Grunde seien die Sommer seit Jahren zu heiß, sagte Abt. Der Wald habe zu wenig Gelegenheit, sich zu erholen, wenngleich das Frühjahr recht nass war.

ForstBW verantwortet mehr als 324.000 Hektar Staatswald und damit ein Viertel der Waldfläche Baden-Württembergs. Nach Angaben der Landesforstverwaltung sind fast 40 Prozent des Bundeslands bewaldet. Von Mitte Juli bis Mitte August wurde der Waldzustand im Zuge der jährlichen Bestandsaufnahme erhoben. Zum ersten Mal seien auch junge Bäume unter Altbäumen auf Trockenschäden untersucht worden, teilte ein Ministeriumssprecher mit. Die Auswertung wird einige Monate dauern. Waldbesitzer werden in diesem Jahr insbesondere bei der Suche und Dokumentation von Borkenkäfer-Befallsherden als Präventionsmaßnahme sowie beim Transport und der Lagerung von Schadholz unterstützt. Forstliche Förderung gibt es auch bei der Wiederbewaldung nach Extremwettereignissen.

„Es ist damit zu rechnen, dass Wettersituationen wie 2026 künftig häufiger und auch intensiver auftreten können“, heißt es aus dem Ministerium. Der Umbau zu klimaresilienteren Mischwäldern lasse sich aber nicht kurzfristig lösen, sondern sei eine Generationenaufgabe. Einen Wald umzubauen dauere 100 bis 150 Jahre, macht auch Forst-Fachmann Abt deutlich. „Das braucht Zeit.“ Klar ist aus seiner Sicht, dass es Wald weiterhin geben wird – nur eben mit anderem Aussehen. „Die Menschen müssen sich eingestehen, dass der Wald sein Gesicht verändert.“

Dominik Zimmermann

Autor

Wirtschaftsanalyst

Dominik Zimmermann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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