Migrantische Gewerbetreibende in Magdeburg schließen aus Protest ihre Geschäfte
Rund 100 Gewerbetreibende mit Migrationsgeschichte in Magdeburg haben am Mittwoch ihre Geschäfte geschlossen. Mit dem „Migra-Streik“ protestieren sie gegen Rassismus und die Abschiebungspläne der AfD vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.
In Magdeburg haben am Mittwoch zahlreiche Gewerbetreibende mit Migrationsgeschichte ihre Geschäfte für mehrere Stunden geschlossen. Mit der Aktion, die als „Migra-Streik“ bezeichnet wird, wollen sie ein Zeichen gegen Rassismus und gesellschaftliche Ausgrenzung setzen. Nach Angaben des Flüchtlingsrats Sachsen-Anhalt, der die Protestaktion unterstützt, beteiligten sich rund 100 Inhaberinnen und Inhaber.
Die Geschäfte blieben zwischen 10 und 15 Uhr geschlossen. Für 13 Uhr war zudem eine Kundgebung vor dem Landtag in Magdeburg geplant. „Wir schließen heute unsere Türen, damit sich morgen nicht die Türen zu einer freien und demokratischen Gesellschaft schließen“, erklärte der Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt. Die Aktion wurde den Angaben zufolge von den Gewerbetreibenden selbst organisiert, der Flüchtlingsrat unterstützt sie.
Hintergrund des Protests sind nach Mitteilung des Flüchtlingsrats „Erfahrungen mit Rassismus und gesellschaftlicher Ausgrenzung sowie politische Debatten, in denen die Zugehörigkeit von Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Migrationsgeschichte zunehmend infrage gestellt wird“. Viele Beteiligte berichteten, dass sie zunehmend Angst vor Anfeindungen hätten, sagte Saaeid Saaeid vom Flüchtlingsrat im ARD-Hörfunk. Der Streik solle ein Weckruf an die Gesellschaft sein und ein Appell, sich das Wahlprogramm der AfD genau anzuschauen.
Die Aktion findet vor dem Hintergrund der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt statt, die am 6. September stattfindet. Rund 1,8 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. In Umfragen liegt die AfD, die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird, deutlich vorn. Laut dem aktuellen „Trendbarometer“ von RTL und n-tv kommt die Partei in einer Umfrage des Instituts Forsa auf 43 Prozent, die Linke folgt mit 16 Prozent.
Der Landesverfassungsschutz sieht die politische Agitation der AfD in Sachsen-Anhalt als gegen „essenzielle Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung“ gerichtet. Forderungen nach „massenhaften Abschiebungen und der Verdrängung von Menschen mit Migrationsgeschichte aus unserer Gesellschaft“ würden bei vielen Menschen „Angst und Verunsicherung“ auslösen, heißt es in der Erklärung des Flüchtlingsrats.
„Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der Herkunft nicht darüber entscheidet, wer dazugehört“, betonten die Organisatoren. „Menschenwürde, Gleichberechtigung und gesellschaftliche Zugehörigkeit sind nicht verhandelbar.“ Mit dem Protest wollen die Gewerbetreibenden auch ein Zeichen für eine demokratische Gesellschaft setzen und auf die Folgen rechtspopulistischer Wahlkampf rhetorik aufmerksam machen.




