Schleswig-Holstein feiert 80 Jahre Landesgründung
Das nördlichste Bundesland Schleswig-Holstein begeht seinen 80. Geburtstag. Der Festakt erinnert an die Gründung 1946 unter schwierigen Nachkriegsbedingungen. Das Land blickt auf eine bewegte Geschichte zwischen zwei Meeren, Grenzregion zu Dänemark und wirtschaftlichem Wandel zurück.
Schleswig-Holstein feiert seinen 80. Geburtstag. Im August 1946 wurden die rechtlichen Grundlagen für die Gründung des nördlichsten Bundeslandes geschaffen. Am Dienstag, dem 25. August, wird dies mit einem Festakt gewürdigt. Die Geschichte des Landes gilt als kompliziert, der historische Wahlspruch „Up ewig ungedeelt“ verbindet jedoch Holstein im Süden und Schleswig im Norden bis heute fest miteinander.
Die Gründung erfolgte unter denkbar schwierigen Bedingungen: Kiel und Lübeck waren im Bombenkrieg verwüstet, die Einwohnerzahl hatte sich durch Flüchtlinge fast verdoppelt. Die Menschen mussten sich zusammenraufen und ihre alte oder neue Heimat aufbauen. Dass es auch heute noch Aufholbedarf gibt, zeigt die Wirtschaftsleistung pro Kopf. Mit rund 42.700 Euro im Jahr 2024 lag das Land ein gutes Stück unter dem deutschen Durchschnitt von etwa 50.800 Euro.
Schleswig-Holstein ist seit Jahrhunderten eng mit Dänemark verflochten. 1920 wurde die Grenze zwischen Deutschland und Dänemark nördlich von Flensburg und südlich von Tønder neu gezogen. Ihr Verlauf wurde auf Grundlage des Versailler Friedensvertrags durch Volksentscheide in zwei Abstimmungszonen festgelegt. Etwa 15.000 Menschen, die sich der deutschen Minderheit angehörig fühlen, leben nördlich der Grenze, etwa 50.000 Menschen in Schleswig-Holstein zählen sich zur dänischen Minderheit. Beide Minderheiten unterhalten unter anderem Parteien, Schulen, Kindergärten und andere Einrichtungen. Die deutsch-dänische Grenzregion entwickelte sich zum Musterbeispiel friedlichen Zusammenlebens. Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) vertritt die dänische Minderheit und die Volksgruppe der Friesen im Landtag und ist von der Fünf-Prozent-Klausel befreit.
Wegen der Spannungen mit Russland beginnt die Bundeswehr nach Jahrzehnten der Abrüstung damit, alte Liegenschaften im Land zu reaktivieren und neue Stützpunkte einzurichten. Im Kalten Krieg galt Schleswig-Holstein wegen seiner strategisch wichtigen Lage zwischen Nord- und Ostsee sowie Nord- und Mitteleuropa als unversenkbarer Flugzeugträger der Nato. Nicht nur die Bundeswehr war mit starken Verbänden vertreten, auch die Verbündeten nutzten das Land regelmäßig für Übungen. Kiel und Eckernförde sind weiterhin wichtige Marinestützpunkte unter anderem für Minenjäger und U-Boote.
Nur Schleswig-Holstein grenzt an zwei Meere: Nordsee und Ostsee. Die Gesamtküstenlänge beträgt nach Angaben des Landes 1.110 Kilometer, davon 569 Kilometer Nordseeküste und Tideelbe sowie 541 Kilometer Ostseeküste. Der Nord-Ostseekanal verbindet bei Brunsbüttel die Elbe und damit die Nordsee mit der Kieler Förde und der Ostsee und zählt zu den meistbefahrenen künstlichen Wasserstraßen der Welt. Neben Inseln wie Fehmarn in der Ostsee sowie Sylt, Amrum, Föhr, Pellworm, Nordstrand und Helgoland in der Nordsee gibt es zehn Halligen. Diese ragen nur wenig aus dem Meer heraus und werden bei Sturmflut regelmäßig überflutet. Beim sogenannten Landunter ragen dann nur noch die Warften aus dem Wasser, künstliche Erdhügel, auf denen die Gebäude stehen. Zudem gibt es rund 300 Seen, etwa 30.000 Kilometer Bäche und Flüsse sowie ein flächendeckendes Grundwasservorkommen.
In den vergangenen 80 Jahren hat sich Schleswig-Holstein von einem Agrarland zu einem starken Industrie- und Dienstleistungsland entwickelt. In der Gesundheitswirtschaft ragt das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein mit rund 17.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an den Standorten Kiel und Lübeck hervor. Zu den bekanntesten Unternehmen der Privatwirtschaft gehören TKMS und Dräger. Auch die europäische Zentrale von Casio und die Zentrale von Tesa befinden sich im nördlichsten Bundesland.
Der Tourismus ist besonders stark ausgeprägt. 2025 zählte das Statistikamt knapp 9,7 Millionen Gästeankünfte und fast 38,6 Millionen Übernachtungen in Betrieben mit mindestens zehn Betten. Damit lag das relativ kleine Land auf Platz fünf der Bundesländer. Der ganz überwiegende Teil der Gäste kommt aus dem Inland, besonders aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Bundesweit größte Bekanntheit dürfte die Insel Sylt haben, die spätestens seit den 60er Jahren von einem Hauch von Exklusivität umweht ist. Auch St. Peter-Ording, Timmendorfer Strand, Travemünde und Fehmarn sowie Ferienzentren wie Damp und Weißenhäuser Strand sind beliebte Reiseziele. Mit Helgoland verfügt das Land über das einzige Eiland weit draußen in der Nordsee.




