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Sonntag, 20. September 2026

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Gesundheit: Wenn das Herz stillsteht: Mit bloßen Händen Leben retten

Woche der Wiederbelebung: Laien können bei Herzstillstand Leben retten

Jährlich erleiden bis zu 140.000 Menschen in Deutschland einen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb des Krankenhauses. Nur gut jeder Zehnte überlebt. Experten fordern mehr Laienreanimation und verpflichtenden Unterricht in Schulen.

Wenn ein Mensch plötzlich zusammenbricht und bewusstlos wird, zählt jede Sekunde. Bis zu 140.000 Menschen erleiden in Deutschland jedes Jahr außerhalb eines Krankenhauses einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Doch nur gut jeder Zehnte überlebt. Das könnte sich ändern, wenn mehr Laien sofort mit der Herzdruckmassage beginnen. Darauf macht die am Montag beginnende Woche der Wiederbelebung aufmerksam.

„Wenn Sie bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand auf den Rettungsdienst warten, ist das fast immer das Todesurteil für den betroffenen Patienten“, betont Bernd Böttiger, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Rats für Wiederbelebung. Nach wenigen Sekunden ohne Herzschlag wird der Betroffene bewusstlos. Bereits nach drei bis fünf Minuten beginnt das Gehirn unwiederbringlich abzusterben. Der Rettungsdienst ist jedoch oft erst nach zehn bis fünfzehn Minuten vor Ort, auf dem Land häufiger noch später. Deshalb kommt es entscheidend darauf an, dass Angehörige, Freunde oder Kollegen in der Zwischenzeit eingreifen.

Die Symptome eines Herz-Kreislauf-Stillstands sind eindeutig: Bewusstlosigkeit und das Fehlen einer normalen Atmung. Auch eine unregelmäßige Atmung oder Schnappatmung gilt als abnorm. Bricht ein Mensch leblos zusammen, gilt der Grundsatz: Prüfen. Rufen. Drücken. „Wenn jemand umfällt, gehen Sie hin, gucken, schütteln ihn und sprechen ihn laut an“, erläutert Böttiger, Professor für Intensivmedizin, der die Leitlinien federführend mitentwickelt hat. Reagiert die Person nicht, muss sofort die 112 gerufen werden. Danach folgt die Herzdruckmassage: Mit beiden Handballen auf der Mitte des Brustkorbs wird der Oberkörper fünf bis sechs Zentimeter tief eingedrückt, und zwar zweimal pro Sekunde. Das entspricht dem Rhythmus von Liedern wie „Stayin' Alive“ oder „Atemlos durch die Nacht“.

Früher wurde noch geraten, die Atmung zu prüfen oder den Puls zu fühlen. „Aber das dauert zu lang“, sagt Böttiger. Auch die Mund-zu-Mund-Beatmung und das Holen eines Defibrillators rauben kostbare Zeit. „Jede Sekunde Verzögerung der Herzdruckmassage verschlechtert das Überleben.“

Zwei Drittel der Betroffenen sind Männer, das Durchschnittsalter liegt bei etwas über 65 Jahren. Meist liegt eine Herzerkrankung wie ein Herzinfarkt oder eine Herzrhythmusstörung vor. 70 Prozent der Vorfälle ereignen sich in den eigenen vier Wänden. Bei knapp der Hälfte sind andere Menschen in der Nähe, die sofort mit der Wiederbelebung beginnen könnten. „Aber nur in 55,4 Prozent der Fälle wird eine Reanimation durch Laien begonnen“, erklärt das Bundesgesundheitsministerium. Dabei würde sofortiges Reanimieren die Überlebenschancen verdoppeln bis verdreifachen. „10.000 Menschenleben könnten jedes Jahr zusätzlich gerettet werden, wenn sich mehr Menschen eine sofortige Herzdruckmassage zutrauen würden“, so das Ministerium.

Obwohl es meist ältere Menschen im familiären Umfeld trifft, kennen sich nur 23 Prozent der über 60-Jährigen mit Wiederbelebung aus. Das ergab eine repräsentative Umfrage der ADAC Stiftung. Auch bei vielen Jüngeren liegt der letzte Erste-Hilfe-Kurs lange zurück, teils bis zum Führerschein. Das schürt Unsicherheit. „Mit der Aussicht auf telefonische Anleitung durch die Leitstelle steigt die Reanimationsbereitschaft der Befragten von 64 auf 83 Prozent“, erläutert die ADAC Stiftung. Doch obwohl die sogenannte Telefonreanimation in anderen Ländern seit Jahren gängig ist, gibt es sie in Deutschland noch nicht überall. Sie soll nun im Rahmen der Notfallreform gesetzlich verankert werden.

Um das Wissen über die lebensrettenden Handgriffe in der Bevölkerung zu verbreiten, setzt der Deutsche Rat für Wiederbelebung auch auf den Nachwuchs. Er fordert ebenso wie Hilfsorganisationen und die Weltgesundheitsorganisation, dass alle Schülerinnen und Schüler ab der siebten Klasse jährlich zwei Stunden Reanimation im Unterricht üben. Mehr als vier Fünftel der von der ADAC Stiftung Befragten begrüßen das. Bislang haben jedoch nur sechs Bundesländer Wiederbelebung verpflichtend in den Lehrplan aufgenommen: Hessen, Saarland, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Selbst dort hapert es nicht selten an der Umsetzung und besonders an der jährlichen Wiederholung.

Wie wichtig Routine ist, zeigt das Beispiel von Rebekka K. Die damals 32-Jährige kämpfte an einem Sommertag im Nürnberger Stadtpark um das Leben eines fremden Mannes. „Da habe ich auf der Wiese einen Mann hinfallen sehen – nicht alt, vielleicht 60 Jahre. Der ist einfach umgefallen“, schildert sie. Während andere panisch reagierten, begann sie mit der Herzdruckmassage. Der Mann überlebte. Solche Geschichten machen Mut – und zeigen, dass jeder zum Lebensretter werden kann.

Franziska Thielmann

Autor

Reporterin

Franziska Thielmann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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