Klimagipfel COP31 in Antalya startet mit Blick auf stockende Klimaziele
Ab dem 9. November verhandeln in der Türkei Zehntausende Delegierte über den Klimaschutz. Das Pariser Abkommen soll die Erwärmung auf 1,5 Grad begrenzen, doch die bisherige Politik steuert auf etwa 2,8 Grad zu.
In Antalya beginnt am 9. November die Weltklimakonferenz COP31, die zwei Wochen dauern soll. Erwartet werden Zehntausende Delegierte aus aller Welt. Im Mittelpunkt steht das Pariser Klimaabkommen, das seit zehn Jahren in Kraft ist und von rund 200 Staaten getragen wird. Sein Ziel ist es, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.
Davon ist die Weltgemeinschaft derzeit weit entfernt. Nach einer Prognose der Vereinten Nationen führt die gegenwärtige Politik zu einer Erwärmung von etwa 2,8 Grad. Der Ausstoß von Treibhausgasen ist zuletzt weiter gestiegen. Der Klimaforscher Johan Rockström vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung warnt, der Weg führe in eine kaum beherrschbare Zukunft, doch das Zeitfenster sei noch offen. Niklas Höhne vom Beratungsinstitut NewClimate spricht von einem nötigen Notfallmodus. Politisch sei dafür derzeit jedoch kaum Bereitschaft erkennbar.
Von der Konferenz erwarten Beobachter eher kleine Schritte. Als Erfolg gilt bereits ein Signal in Richtung eines Ausstiegs aus den fossilen Energien. Greenpeace-Chef Martin Kaiser forderte eine starke Allianz, um einem sogenannten Papiertiger-Effekt entgegenzuwirken, bei dem gute Beschlüsse auf dem Papier bleiben.
Ungewöhnlich ist die Führung des Gipfels. Die Türkei stellt mit Murat Kurum den COP-Präsidenten, Australien mit Chris Bowen den Verhandlungspräsidenten. Eine solche zweigeteilte Präsidentschaft gilt als neu, weshalb Abstimmungsprobleme befürchtet werden. Die Türkei schlägt vor, den Anteil der Elektrifizierung bis 2035 von 20 auf 35 Prozent zu steigern. Deutschland unterstützt diesen Vorstoß, während Kritik laut wird, weil der Strom dabei nicht zwingend erneuerbar sein muss. Zugleich verschärft sich nach Angaben von Amnesty International die Menschenrechtslage in dem Gastgeberland.
Auch Deutschland steht unter Druck. Der Expertenrat für Klimafragen rechnet damit, dass die Klimaziele für 2030 und 2040 verfehlt werden. Bei der Klimafinanzierung für den Globalen Süden stehen 4,7 Milliarden Euro zu Buche, versprochen waren 6 Milliarden Euro. Bundeskanzler Friedrich Merz wird auf dem Gipfel nicht erwartet, die Gründe dafür sind unklar. Fridays for Future kündigt für den 13. November einen Klimastreik an 70 Orten an.
Weitere Schwergewichte prägen die Verhandlungen. China ist der größte Emittent von Treibhausgasen und baut erneuerbare Energien stark aus, setzt zugleich aber weiter auf Kohle. Saudi-Arabien hat in der Vergangenheit ehrgeizige Beschlüsse verhindert. Die USA sind unter Präsident Donald Trump aus dem Pariser Abkommen ausgetreten.
Zugleich gibt es Hoffnungsschimmer. Die Märkte entwickeln sich nach Einschätzung vieler Beobachter schneller als die Politik, Wind- und Solarenergie gelten vielerorts als günstigste Option. Auch demokratische Erfolge könnten eine positive Dynamik auslösen. Ob der Gipfel in Antalya diese Entwicklung in verbindliche Schritte übersetzt, bleibt abzuwarten.
Quelle: zeit.de
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