Schütze tötet sechs Menschen im Zentrum Krakaus
Ein bewaffneter Mann fuhr am Samstag mit dem Auto auf den Krakauer Marktplatz und eröffnete das Feuer. Sechs Menschen starben, mindestens fünfzehn wurden verletzt. Ministerpräsident Tusk spricht von einem Terrorakt.
Im Zentrum der polnischen Stadt Krakau hat ein Angreifer am Samstagnachmittag sechs Menschen erschossen und mindestens fünfzehn weitere verletzt. Der Täter fuhr mit einem Auto auf den Hauptmarkt, den großen Marktplatz der Altstadt, und schoss dort auf Passanten. Unter den Verletzten befinden sich auch Polizisten. Ministerpräsident Donald Tusk bezeichnete die Tat als Akt des Terrorismus.
Nach Angaben der Behörden fanden die Ermittler bei dem Verdächtigen in dessen Wohnung drei weitere Leichen. Vermutlich handelt es sich um Angehörige des Täters, zwei Frauen und einen Mann. Im Auto entdeckte die Polizei weitere Waffen sowie einen großen Vorrat an Munition. Der Verdächtige trug eine militärische Tarnkleidung. Auf dem Marktplatz starben vier Frauen und zwei Männer.
Bei dem Täter handelt es sich um einen 2002 geborenen polnischen Staatsbürger. Innenminister Marcin Kierwiński erklärte, der Mann habe sich für rechtsextreme Ideologien begeistert. Ob ein rechtsextremes Motiv tatsächlich hinter der Tat steckt, ist bislang nicht bestätigt. Die Hinweise deuten laut Behörden zwar in diese Richtung, die Ermittlungen dauern jedoch an.
Unter den sechs Toten auf dem Marktplatz nannte der Polizeichef einen Briten und drei Polen als Opfer. Zwei Tote waren zunächst nicht identifiziert. Der Innenminister teilte mit, dass fünf der Verletzten keine polnischen Staatsbürger sind. Die Nationalitäten der übrigen Opfer wurden nicht mitgeteilt. Gerade wegen der vielen Touristen, die sich auf dem Platz aufhalten, wächst damit die Zahl der betroffenen Länder.
Die Regierung hat zwei nationale Trauertage angeordnet, am Sonntag und am Montag. Tusk rief die politischen Kräfte dazu auf, die Tragödie nicht für politische Zwecke auszunutzen. Staatspräsident Karol Nawrocki erklärte, er stehe mit den Behörden in Kontakt und erwarte einen vollständigen Bericht. Auch ausländische Spitzenpolitiker sprachen ihr Beileid aus, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz und die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas.
Schusswaffenangriffe sind in Polen selten. Erst im Oktober hatte eine Serie von Messerattacken die Sicherheitsbehörden in Alarmbereitschaft versetzt. Gleichzeitig steigt die Zahl der Waffenscheine: Im vergangenen Jahr wurden über 50.000 neue Genehmigungen erteilt. Dass es in dieser Debatte um Waffenrecht geht, zeigt sich auch an der Frage, wie leicht Bürger an Waffen kommen. Krakau gehört mit rund 16,2 Millionen Besuchern pro Jahr zu den meistbesuchten Städten des Landes, weshalb der Hauptmarkt auch an einem Samstag stark frequentiert war.
Quelle: stern.de
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