Der US-amerikanische Fahrdienstleister Uber übernimmt den deutschen Essenslieferdienst Delivery Hero. Das im MDax notierte Unternehmen bestätigte am Mittwoch, dass es sich mit dem US-Konzern zusammenschließt. Die Transaktion hat ein Volumen von rund 12,7 Milliarden Euro und zählt zu den größten Übernahmen in der deutschen Startup- und Technologiebranche der letzten Jahre.
Uber bietet nach eigenen Angaben 41,50 Euro je Aktie von Delivery Hero. Damit liegt der Angebotspreis deutlich über dem aktuellen Börsenkurs des Unternehmens, der zuletzt bei rund 35 Euro notierte. Ein Großaktionär von Delivery Hero hat dem Angebot bereits zugestimmt, wie das Unternehmen mitteilte. Damit ist eine wichtige Hürde für den Abschluss der Übernahme genommen.
Delivery Hero wurde 2011 in Berlin gegründet und hat sich zu einem der weltweit führenden Anbieter von Online-Essensbestellungen und Lieferdiensten entwickelt. Das Unternehmen ist in mehr als 40 Ländern aktiv, darunter in Europa, Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten. Bekannte Marken des Konzerns sind unter anderem Foodpanda, Talabat und PedidosYa. Delivery Hero beschäftigt weltweit mehrere Zehntausend Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Umsatz von mehr als zehn Milliarden Euro.
Für Uber ist die Übernahme ein strategischer Schritt, um sein Geschäft mit Essenslieferungen weiter auszubauen. Der Konzern betreibt bereits den Lieferdienst Uber Eats, der in zahlreichen Ländern präsent ist. Mit der Integration von Delivery Hero könnte Uber seine Marktposition in wichtigen Regionen wie Asien und dem Nahen Osten stärken und gleichzeitig Synergien in der Logistik und Technologie nutzen. Analysten bewerten den Deal als konsequenten Schritt in der Konsolidierung des globalen Liefermarktes.
Die Übernahme steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Kartellbehörden in mehreren Ländern. Experten rechnen jedoch damit, dass die Wettbewerbshüter grünes Licht geben könnten, da Uber und Delivery Hero in vielen Märkten nicht direkt konkurrieren. In Deutschland etwa ist Uber Eats weniger stark vertreten als Delivery Hero mit seiner Marke Lieferando. Dennoch könnte die Übernahme zu einer weiteren Marktkonzentration führen, was Kritiker auf den Plan ruft.
Verbraucherschützer und Wettbewerbsverbände haben bereits Bedenken geäußert. Sie befürchten, dass die Übernahme zu höheren Preisen und schlechteren Konditionen für Restaurants und Kunden führen könnte. Der deutsche Liefermarkt ist in den vergangenen Jahren bereits stark konsolidiert worden. Neben Delivery Hero und Uber Eats sind dort vor allem lokale Anbieter und kleinere Ketten aktiv. Die geplante Fusion könnte den Wettbewerb weiter einschränken.
Die Aktionäre von Delivery Hero sollen im Rahmen der Übernahme eine Barabfindung erhalten. Das Unternehmen wird nach Abschluss der Transaktion von der Börse genommen. Delivery-Hero-Gründer und Vorstandschef Niklas Östberg erklärte, der Zusammenschluss mit Uber biete die Möglichkeit, das Geschäft noch schneller und effizienter weiterzuentwickeln. Man sei überzeugt, dass die Kombination der beiden Unternehmen langfristig Vorteile für Kunden, Partner und Mitarbeiter bringe.
Uber selbst hat in den vergangenen Jahren verstärkt in das Liefergeschäft investiert. Der Konzern aus San Francisco erzielte zuletzt einen Umsatz von mehr als 30 Milliarden US-Dollar, wobei der Bereich Essenslieferungen einen wachsenden Anteil ausmacht. Mit der Übernahme von Delivery Hero dürfte Uber seine Position als einer der größten Lieferdienstleister der Welt weiter festigen. Die Transaktion soll voraussichtlich im Laufe des nächsten Jahres abgeschlossen werden.
Die Nachricht von der Übernahme sorgte an der Börse für deutliche Kursbewegungen. Die Aktie von Delivery Hero legte zeitweise um mehr als 20 Prozent zu, während die Uber-Aktie leicht nachgab. Analysten werteten den Schritt als positiv für beide Unternehmen, da er langfristig Wachstumspotenziale erschließe. Die genauen finanziellen Details der Transaktion sowie die erwarteten Synergien sollen in den kommenden Wochen veröffentlicht werden.
Insgesamt zeigt die Übernahme, dass die Konsolidierung im globalen Liefermarkt weiter voranschreitet. Nach der Fusion von Just Eat Takeaway und Grubhub sowie der Übernahme von Postmates durch Uber ist dies ein weiterer großer Deal in der Branche. Experten gehen davon aus, dass in den kommenden Jahren weitere Zusammenschlüsse folgen könnten, da die Unternehmen nach Skaleneffekten und effizienteren Strukturen suchen.
