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AfD Mecklenburg-Vorpommern: Die Angst vor dem zweiten Platz

AfD in Mecklenburg-Vorpommern bangt um Platz eins

Die AfD hatte in Mecklenburg-Vorpommern fest mit dem ersten Platz gerechnet. Doch Ministerpräsidentin Manuela Schwesig holt in den Umfragen auf, und Spitzenkandidat Leif-Erik Holm steht intern unter Druck.

Die AfD in Mecklenburg-Vorpommern muss kurz vor der Landtagswahl um ihren Anspruch bangen, stärkste Kraft zu werden. Monatelang lag der Landesverband in Umfragen deutlich vorn und übersprang die 30-Prozent-Marke, zeitweise wurden bis zu 38 Prozent gemessen. Doch wenige Tage vor dem Wahlsonntag wächst in der Partei die Sorge, dass die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig den ersten Platz noch erobern könnte.

Für Spitzenkandidat Leif-Erik Holm könnte das Folgen haben. Der 56-Jährige führt den Landesverband seit 13 Jahren fast ohne Unterbrechung. Sein Wahlkampf lief lange im Schatten von Sachsen-Anhalt, wo die AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund den bislang erfolgreichsten Wahlkampf der Parteigeschichte absolvierte. Intern wurde die Hoffnung formuliert, die AfD im Norden könne den Aufwind nutzen und nachlegen. Parteiintern galten die Erwartungen an Mecklenburg-Vorpommern als ähnlich hoch wie an Sachsen-Anhalt.

Doch die Realität sieht anders aus. Bei einer als «Wahlkampffinale» beworbenen Veranstaltung in Waren an der Müritz blieben mehr als ein Drittel der Plätze leer; nur rund 50 Besucher kamen. Als Gast war der Brandenburger AfD-Chef René Springer angekündigt. Eine Besucherin sagte am Ende, sie habe sich eigentlich für ein Abendessen mit Manuela Schwesig interessiert, sei aber nicht eingelassen worden. Holm lachte – der Eindruck war dennoch ungünstig.

Schwesig hat eine Aufholjagd gestartet, mit der in der AfD kaum jemand gerechnet hatte. Sie ist stark in den sozialen Medien und greift Holm in Fernsehdebatten hart an. Landesweit plakatiert sie mit dem Slogan «Die Frau gegen Blau». Holm wiederum wirft ihr in den TV-Studios und auf seinen Veranstaltungen Lügen vor und nennt sie in Anlehnung an eine Beleidigung für den Kanzler «Pinacchia-Manu». Ein Unterstützer Holms bezeichnet Schwesig als «den Siegmund dieses Wahlkampfs» – also als diejenige mit dem deutlich stärkeren Wahlkampf.

Holm selbst gilt parteiintern nicht als guter Populist. Er wirkt nicht wütend, wird fast nie laut und übertreibt selten. Große Versprechen schränkt er rasch wieder ein. Als Hauptthema setzt er auf Bildung – ungewöhnlich für einen AfD-Politiker, zumindest für einen erfolgreichen. Hinzu kommt der Vergleich mit Ulrich Siegmund, der wie ein Damoklesschwert über Holm hängt. Siegmunds Team in Sachsen-Anhalt lieferte laut Parteieinschätzung ein Gesamtpaket aus maximaler Motivation, hoher Professionalisierung, treibenden Inhalten und neuen Kommunikationswegen. Dieser Wahlkampf gilt bereits als neuer Goldstandard der AfD.

In der Partei wird eingeräumt, dass ein Spitzenkandidat wie Siegmund ein seltener Glücksfall sei. Er habe die Ausstrahlung eines «Volkstribuns», der die Massen mitreiße. Für Holm bedeutet das einen schweren Stand. Selbst wenn die AfD ihr Ergebnis von 2021 mindestens verdoppeln dürfte, wird eine Alleinregierung in Schwerin inzwischen ausgeschlossen – und womöglich auch der erste Platz. In der Partei spricht man deshalb lieber über das schwache Abschneiden der CDU, die in Umfragen nur bei sieben Prozent liegt. Die Hoffnung richtet sich darauf, dass von einem möglichen Wahlergebnis wenigstens Erschütterungen bis nach Berlin ausgehen.

Franziska Thielmann

Autor

Reporterin

Franziska Thielmann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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