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Politik

Alice Weidel distanziert sich von AfD-Wahlprogramm in Sachsen-Anhalt zu Familien

Die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel hat sich von einer Passage des Wahlprogramms ihrer Partei für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt distanziert, die nicht-traditionelle Familienformen abwertet. Weidel betonte, gleichgeschlechtliche Beziehungen seien gleichwertig zu behandeln.

Alice Weidel distanziert sich von AfD-Wahlprogramm in Sachsen-Anhalt zu Familien
Alice Weidel kritisiert AfD-Wahlprogramm aus Sachsen-Anhalt zu Familien
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Die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel hat sich öffentlich von einem Teil des Wahlprogramms ihrer Partei für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt distanziert. In einem Interview mit RTL/ntv erklärte Weidel, sie sei mit einer Passage nicht einverstanden, die sich gegen sogenannte nicht-traditionelle Familien richtet. „Da gehe ich nicht mit“, sagte die Politikerin, die selbst in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft mit ihrer Partnerin Sarah Bossard lebt und gemeinsam mit ihr zwei Söhne großzieht. Sie begründete ihre Haltung mit den Worten: „Weil ich deutlich gesellschaftlich liberaler aufgestellt bin, weil ich es auch lebe. Ich lebe es.“

Das Wahlprogramm der AfD für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, die im September stattfindet, enthält einen Abschnitt, der die traditionelle Familie als Leitbild hervorhebt. Darin heißt es wörtlich: „Nur aus der Verbindung von Mann und Frau gehen Kinder und damit kommende Generationen hervor.“ Eine „intakte Familie bestehend aus Mutter, Vater und Kindern“ sei „erwiesenermaßen die beste Voraussetzung für eine gute und gesunde Kindesentwicklung“. An anderer Stelle des Programms ist von „nicht-normalen Geschlechtsidentitäten“ oder „abseitigen sexuellen Vorlieben“ die Rede. Diese Formulierungen stoßen innerhalb und außerhalb der Partei auf Kritik.

Weidel betonte in dem Interview, dass die gesellschaftliche Realität sich längst verändert habe. „Wir leben mittlerweile in einer ganz anderen Realität“, sagte sie. Auf persönlicher Ebene fügte sie hinzu: „Meine Kinder haben die beste Erziehung, die besten Voraussetzungen.“ Ihr Fazit fiel deutlich aus: „Gleichgeschlechtliche Beziehungen sind gleichwertig zu behandeln.“ Die Ko-Vorsitzende der AfD räumte ein, dass man sich als Politiker für die „traditionelle Familie“ als „gesellschaftliches Zielbild“ einsetzen könne, forderte jedoch, andere Lebensformen als gleichwertig zu betrachten. „Und daran wollen wir auch nichts ändern“, stellte sie klar.

Die Äußerungen Weidels fallen in eine Zeit interner Spannungen in der AfD. Die Partei hatte kürzlich auf ihrem Bundesparteitag in Erfurt ihre Führungsspitze bestätigt: Weidel und Tino Chrupalla wurden mit deutlicher Mehrheit als Vorsitzende wiedergewählt. Der Parteitag war von massiven Protesten begleitet, bei denen nach Angaben der Polizei bis zu 31.000 Menschen demonstrierten. Die Proteste verliefen weitgehend friedlich, es gab jedoch vereinzelte Zwischenfälle, darunter Durchbruchsversuche von Demonstranten und Angriffe auf Journalisten. Die Polizei setzte in einigen Fällen Pfefferspray und körperliche Gewalt ein, um die Lage unter Kontrolle zu halten.

Die Diskussion um das Familienbild der AfD ist nicht neu. Bereits in der Vergangenheit hatte die Partei mit konservativen Positionen zu Ehe und Familie für Kontroversen gesorgt. Weidels persönliche Lebenssituation – sie lebt offen lesbisch – steht dabei in einem gewissen Widerspruch zu den traditionellen Familienvorstellungen, die Teile der Partei propagieren. Die AfD-Vorsitzende versucht nun, diesen Widerspruch aufzulösen, indem sie zwischen persönlicher Überzeugung und politischem Zielbild unterscheidet. Ob diese Position innerhalb der Partei mehrheitsfähig ist, bleibt abzuwarten.

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gilt als wichtiger Stimmungstest für die AfD. Die Partei hofft, ihr Ergebnis von 2016 (24,3 Prozent) zu wiederholen oder sogar zu übertreffen. Das umstrittene Wahlprogramm könnte dabei sowohl mobilisierend als auch abschreckend wirken. Weidels öffentliche Distanzierung könnte als Versuch gesehen werden, die Partei moderater erscheinen zu lassen, ohne die Kernwählerschaft zu verprellen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob dieser Spagat gelingt.

Autor

Nachrichtenredakteurin

Elena Mertens berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.