Berlin: SPD-Spitzenkandidat Krach weist Bereicherungsvorwürfe zurück
Eineinhalb Wochen vor der Abgeordnetenhauswahl in Berlin ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover gegen SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach. Auf einer Pressekonferenz wies er die Vorwürfe entschieden zurück und kündigte an, den Wahlkampf fortzusetzen.
Der Spitzenkandidat der Berliner SPD für die Abgeordnetenhauswahl, Steffen Krach, hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe der Bereicherung entschieden zurückgewiesen. Auf einer Pressekonferenz versicherte er, niemals privat Geld angenommen zu haben. «Ich habe in keinster Weise irgendeine Summe von diesem Bieter, weder privat noch als SPD-Landesvorsitzender, jemals angenommen», sagte der 47-Jährige. Der Vorwurf treffe ihn besonders hart, da er sich stets für Transparenz und Offenheit eingesetzt habe.
Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen Krach. Nach Angaben der Behörde durchsuchten Ermittler am Mittwoch drei Objekte in Hannover und Berlin. Betroffen waren nach Angaben der Region Hannover Büroräume Krachs in Hannover. In Berlin wurden nach einem Bericht des «Tagesspiegel» seine Schöneberger Wohnung und die SPD-Landesparteizentrale in Wedding durchsucht. Krach schilderte, die Ermittler hätten morgens an seiner Wohnung geklingelt, als er gerade mit der Innensenatorin telefonierte. Sein Handy sei beschlagnahmt worden. Seine Kinder im Alter von vier und zwölf Jahren sowie seine Frau seien zu dem Zeitpunkt zu Hause gewesen. «Das macht was mit einem», sagte er.
Die Vorwürfe stehen laut Krach im Zusammenhang mit dem Verkauf eines Standorts des Klinikums der Region Hannover. Krach war als Regionspräsident in Hannover Aufsichtsratsvorsitzender dieses Klinikums. Er habe vorgeschlagen, dort ein regionales Gesundheitszentrum zu etablieren, was auch umgesetzt worden sei. Es habe ein Vergabeverfahren gegeben, bei dem ein Bieter den Zuschlag erhalten habe und ein anderer nicht. «Es scheint jetzt im Raum zu stehen, dass ich mich in irgendeiner Form habe beeinflussen lassen. Diese Unterstellung möchte ich definitiv als haltlos zurückweisen», sagte Krach. Die Staatsanwaltschaft Hannover wollte sich zunächst nicht zu den konkreten Vorwürfen äußern und verwies auf ermittlungstaktische Gründe. Es gelte die Unschuldsvermutung, hieß es von der Behörde.
Eine zentrale Rolle in den Ermittlungen spielt offenbar eine Spende. Die Berliner SPD teilte mit, dass es «über den Jahreswechsel den Versuch einer Spende an die SPD Berlin in Höhe von 9.900 Euro» gegeben habe. «Auf Weisung unseres Spitzenkandidaten wurde umgehend entschieden, diese Spende abzuweisen», erklärte Schatzmeister Fabian Fischer. Demnach überwies am 29. Dezember 2025 ein Unternehmer 9.900 Euro auf das Konto der SPD Berlin. Krach soll am 7. Januar von der SPD-Landesgeschäftsführung informiert worden sein und die Rücküberweisung am Tag danach angeordnet haben. Das Geld sei am 9. Januar an den Absender zurücküberwiesen worden. Ein Sprecher der Berliner SPD bestätigte die Angaben. Krach sagte, er habe damals sofort gesagt, dass er die Spende vom damals unterlegenen Bieter definitiv nicht annehmen könne.
Spenden an Parteien können problematisch sein, wenn sie mit der Erwartung einer Einflussnahme auf politische Entscheidungen verknüpft sind. Parteimitglieder, die Spenden an die Partei empfangen, müssen diese unverzüglich an ein für Finanzangelegenheiten zuständiges Vorstandsmitglied weiterleiten. Spenden von einer Person oder einem Unternehmen, deren Gesamtwert im Jahr mehr als 10.000 Euro beträgt, müssen im Rechenschaftsbericht mit dem Namen des Spenders verzeichnet werden.
Krach war im Sommer 2025 aus Hannover nach Berlin gewechselt, um Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September zu werden. Von seiner bisherigen Tätigkeit als Regionspräsident ließ er sich beurlauben. Trotz der laufenden Ermittlungen will er den Wahlkampf fortsetzen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover wirbeln den Berliner Wahlkampf eineinhalb Wochen vor der Wahl durcheinander.




