Die Bundesregierung hat auf neue Hinweise reagiert, wonach die chinesische Armee aktiv russische Soldaten ausbildet. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ bestellte das Auswärtige Amt von Außenminister Johann Wadephul (CDU) den chinesischen Botschafter in Berlin ein. Ein Insider aus dem Ministerium bezeichnete die offene Unterstützung Chinas als „sehr besorgniserregend“, da Russland grundsätzlich die größte Bedrohung der euro-atlantischen Sicherheit darstelle. Die Einbestellung gilt als Mittel des deutlichen diplomatischen Protests, ist aber noch keine formelle Vorladung.
China hat sich im Angriffskrieg des russischen Staatschefs Wladimir Putin gegen die Ukraine offiziell für neutral erklärt. Allerdings ist bekannt, dass die Volksrepublik Russland durch die Lieferung sensibler Güter für die Rüstungsindustrie unterstützt. Bei seinem Treffen mit US-Präsident Donald Trump im Mai soll Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping angedeutet haben, dass Putin seinen Krieg in der Ukraine noch bereuen werde. Die Bundesregierung mache in allen Gesprächen mit der chinesischen Seite sehr deutlich, „wie stark uns Chinas Unterstützung für Russland besorgt“, sagte Wadephul. Auch Bundeskanzler Merz habe das Thema bei seinem Besuch in China im Februar gegenüber Xi Jinping angesprochen. Zudem werde das Thema intensiv mit den europäischen Partnern besprochen.
Parallel zu den diplomatischen Spannungen verschärft sich die wirtschaftliche Lage in Russland. Die ukrainischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur machen Russland immer mehr zu schaffen. Wegen Knappheiten soll Russland nun Kerosin aus Japan importieren, wie drei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Demnach sollen mindestens 200.000 Barrel Kerosin in der ersten Julihälfte im japanischen Chiba verladen und zunächst nach Südkorea verschifft werden. An dem komplexen Geschäft seien mehrere Händler beteiligt. Damit reagiert Russland offenbar auf eine schwere Treibstoffkrise als Folge von ukrainischen Drohnenangriffen auf russische Ölraffinerien und Depots.
Die Regierung in Moskau hat bereits Beschränkungen für den Kauf von Treibstoff verhängt, während Landwirte warnten, die Ernte sei gefährdet. Die Schwarzmeer-Hafenstadt Noworossijsk, der größte russische Öl-Exporthafen am Schwarzen Meer, hat den Benzinverkauf an Privatpersonen ausgesetzt. Die Behörden teilten mit, dass Benzin nur noch über Tankkarten an städtische Dienste und Unternehmen ausgegeben werde. Die ökonomische Reaktion auf die Energieprobleme führt auch zu einem Richtungsstreit im Umfeld des russischen Staatschefs Wladimir Putin.
Unterdessen haben sich die Nato-Staaten auf dem Gipfel in Ankara auf ein neues Versprechen für milliardenschwere Militärhilfen für die Ukraine geeinigt. Vertreter der 32 Bündnisstaaten verständigten sich in den abschließenden Beratungen über die geplante Gipfelerklärung darauf, die Ukraine in den kommenden beiden Jahren mit je 70 Milliarden Euro zu unterstützen. Davon trägt die EU jährlich 30 Milliarden Euro. Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni hatte zuvor eine langfristige Festschreibung der Hilfen bis 2027 blockiert. Die Staats- und Regierungschefs der Nato-Staaten treffen sich am 7. und 8. Juli in Ankara.
Die Ukraine hat nach eigenen Angaben innerhalb von 48 Stunden zwölf Umspannwerke und eine Gasverteilungsstation in russisch besetzten Gebieten lahmgelegt. Die Operation der Streitkräfte für unbemannte Systeme griff Energieanlagen auf der besetzten Krim sowie in Teilen der ebenfalls von Russland besetzten Gebiete Donezk, Luhansk und Saporischschja an. Zehn der durch die Operation ausgeschalteten Kraftwerke standen demnach auf der Krim. Die Operation ist Teil einer ukrainischen Kampagne, die darauf abzielt, die Halbinsel vom russischen Festland zu isolieren und so wichtige militärische Nachschubwege abzuschneiden. Übergeordnetes Ziel ist, Russland zum Kriegsende zu zwingen.
Nach dem schweren russischen Luftangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew am Donnerstag ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 30 gestiegen. Drei weitere Leichen seien aus den Trümmern geborgen worden, teilte der ukrainische Katastrophenschutz mit. Zudem wurden den Behörden zufolge mehr als 90 Menschen verletzt. Laut dem Leiter der Kiewer Militärverwaltung, Tymur Tkatschenko, suchen Rettungskräfte in den Trümmern weiter nach Vermissten, weshalb die Opferzahl noch steigen könnte. Russland hatte in den frühen Morgenstunden am Donnerstag Hunderte Drohnen und Dutzende Raketen auf Kiew abgefeuert. Dabei wurden rund 130 Gebäude beschädigt. Es war der folgenschwerste Angriff auf die ukrainische Hauptstadt in diesem Jahr.
