Habeck bei Miosga: Keine neue Partei, Rückkehr in die Politik derzeit ausgeschlossen
Robert Habeck war am Sonntagabend einziger Gast bei Caren Miosga in der ARD. Der frühere Vizekanzler sprach über die AfD-Erfolge, Migration und die Ukraine-Hilfe und dementierte Gerüchte über eine Parteigründung mit Volker Wissing.
Robert Habeck hat Spekulationen über eine gemeinsame Parteigründung mit dem früheren Bundesminister Volker Wissing zurückgewiesen. In der ARD-Talkshow von Caren Miosga sagte der ehemalige Grünen-Vorsitzende am Sonntagabend, an dem Gerücht sei «nichts dran». Eine neue Partei würde das Parteiensystem nur weiter zerfasern. Zuvor hatten die Journalisten Robin Alexander und Dagmar Rosenfeld in ihrem Podcast «Machtwechsel» über entsprechende Überlegungen berichtet. Habeck zufolge hat er selbst davon gehört, nach eigener Aussage ungefähr hundertmal.
Der frühere Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister war an diesem Abend der einzige Talkgast der Sendung. Das Thema lautete «Zerbricht die politische Ordnung, Herr Habeck?» und nahm Bezug auf die Wahlerfolge der AfD in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Habeck, der Ende August 2025 auch sein Bundestagsmandat niedergelegt hatte, lebt und arbeitet inzwischen in Kopenhagen, unter anderem als Professor of Practice an der Copenhagen Business School. Ein Jahr Abstand zum politischen Betrieb, so der Eindruck des Abends, scheint ihm gutgetan zu haben.
Die AfD-Erfolge bezeichnete Habeck als absehbar. Überrascht habe ihn vor allem, dass alle überrascht gewesen seien. «Die demokratische Mitte in vielen Demokratien wird dünner», sagte er. Das gelte unabhängig davon, wer regiere und wie streng die Migrationspolitik ausfalle. Auf die Frage nach seiner eigenen Mitschuld am Aufstieg der AfD verwies Habeck auf Zugewinne der Partei sowohl während der Ampel-Koalition als auch unter CDU-Chef Friedrich Merz. «Ich war Teil des Rumgestreites», räumte er ein.
Als eine Hauptursache für das Erstarken des Rechtspopulismus benannte Habeck wirtschaftliche Abstiegsängste. Viele Menschen sorgten sich, dass das Versprechen auf ein besseres Leben nicht mehr eingelöst werde. «Und daraus kommt der Zorn», sagte er. Um den rechten Populismus zurückzudrängen, brauche es eine bessere wirtschaftliche Perspektive und das Gefühl, dass die Lasten des Wandels gerecht verteilt seien. Dieses Motiv zog sich durch weite Teile des Gesprächs: Habeck nannte es die «soziale Frage» und führte sie auch bei den Themen Migration und Ukraine-Hilfe an. Wer selbst fürchte, seinen Lebensunterhalt nicht mehr bezahlen zu können, schaue anders auf die Milliarden für Waffen und Verteidigung.
Für Gesprächsstoff sorgte auch die Erinnerung an ein Interview nach seinem Rückzug aus der Politik. Darin hatte Habeck dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder «fetischhaftes Wurstgefresse» attestiert und die CDU-Politikerin Julia Klöckner als Fehlbesetzung bezeichnet. Miosga fragte, ob er damals verbittert gewesen sei. Habeck grinste und antwortete, das sei «das erste Interview der Freiheit» gewesen. Kurz darauf ergänzte er: «Dann war ich kein Politiker und konnte mal die Wahrheit sagen.» Ob er als Politiker aus seiner Sicht nicht die Wahrheit sagen konnte, blieb offen. Reue über die Äußerungen klang jedenfalls nicht durch; er bezeichnete den Moment als guten Moment für sich.
Im weiteren Verlauf der Sendung ging es um Israel, die Ukraine und die Arktis. Die Diskussion zog sich bis nach Mitternacht. Erst kurz vor Schluss fragte Miosga nach Habecks persönlicher Zukunft. Der verwies auf sein neues Buch. Auf die Nachfrage, was danach komme, sagte er: «Schreibe ich vielleicht das nächste.» Eine Rückkehr in die Politik strebe er derzeit nicht an, eine Parteigründung erst recht nicht. Für diese Auskunft mussten Zuschauer lange wach bleiben.
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