Menschen in Kanada und Mexiko bewerten China einer weltweiten Umfrage zufolge positiver als die Vereinigten Staaten. In Kanada ist das zum ersten Mal seit fast zwei Jahrzehnten der Fall, wie aus einer Erhebung des Pew Research Center aus dem Frühjahr 2026 hervorgeht. Auch in Mexiko fällt das Bild der Befragten zugunsten Chinas aus.
Der Stimmungswandel hat eine Vorgeschichte, die bis in die erste Amtszeit von US-Präsident Donald Trump zurückreicht. In Mexiko hatten sich Menschen bereits in mehreren früheren Umfragen positiver über China als über die USA geäußert. Nun kommt Kanada hinzu, wo die Bevölkerung den Vereinigten Staaten in der neuen Erhebung ebenfalls erstmals seit rund zwanzig Jahren weniger Zuspruch gibt als der Volksrepublik. Damit zeigt sich in beiden Nachbarländern eine vergleichbare Entwicklung, auch wenn sie in Mexiko früher eingesetzt hat als in Kanada.
Die Umfrage zeigt darüber hinaus, dass Kanadier und Mexikaner dem chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping in internationalen Angelegenheiten mehr Vertrauen entgegenbringen als US-Präsident Donald Trump. Allerdings bleibt das Vertrauen in beide Politiker insgesamt vergleichsweise gering. Das Ergebnis ist also weniger ein klares Bekenntnis zu Peking als vielmehr Ausdruck einer wachsenden Skepsis gegenüber der amerikanischen Führung.
Besonders aufschlussreich ist der Vergleich mit dem Jahr 2025. Damals hatten die Befragten in beiden Ländern die Vereinigten Staaten sowohl als wichtigsten Verbündeten als auch als größte Bedrohung für ihr eigenes Land bezeichnet. Die neuen Zahlen aus dem Frühjahr 2026 deuten darauf hin, dass sich dieses zwiespältige Verhältnis weiter in eine kritische Richtung entwickelt hat. Die Wahrnehmung Chinas hat sich in den unmittelbaren Nachbarländern der USA demnach nachhaltig verbessert. Aus einer klar auf Washington ausgerichteten Haltung wird zunehmend eine differenziertere Sicht auf die beiden Großmächte.
Für Washington sind die Ergebnisse aus mehreren Gründen bedeutsam. Kanada und Mexiko gehören zu den engsten Partnern der USA in Nordamerika; wirtschaftlich und sicherheitspolitisch sind die Beziehungen zu beiden Ländern von zentraler Bedeutung. Wenn die Bevölkerung beider Staaten China inzwischen positiver bewertet als die USA, dürfte dies in den US-Regierungsbehörden genau beobachtet werden. Das Pew Research Center hat die Befragung weltweit durchgeführt, die Zahlen für Kanada und Mexiko sind Teil dieser internationalen Erhebung.
Die Erhebung liefert damit ein aktuelles Stimmungsbild aus zwei Ländern, deren Verhältnis zu den USA für die Stabilität in Nordamerika zentral ist. Sie macht zugleich deutlich, dass die öffentliche Wahrnehmung Chinas in der Region nicht mehr allein von wirtschaftlichen Beziehungen bestimmt wird. Wie sich die Bewertungen in den kommenden Monaten entwickeln, wird auch von der weiteren Außen- und Handelspolitik Washingtons abhängen.
