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Dienstag, 22. September 2026

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Angela Merkel: Ex-Kanzlerin Merkel spricht über ihr Porträt

Merkel erklärt Farbwahl ihres Porträts für die Kanzlergalerie

Angela Merkel hat bei der Eröffnung einer Kunstausstellung im Bundestag über die Beweggründe für ihren blauen Blazer auf dem offiziellen Porträt gesprochen. Das Gemälde ist derzeit im Bode-Museum zu sehen und stößt auf großes Besucherinteresse.

Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei der Eröffnung einer Kunstausstellung im Bundestag Einblick in die Entstehung ihres offiziellen Porträts für die Kanzlergalerie gegeben. Die Wahl ihrer Kleidung auf dem Gemälde sei kein Zufall gewesen, sagte die 72-Jährige. Sie habe sich bewusst für einen blauen Blazer entschieden. «Von Rot habe ich mal abgesehen. Und das lasse ich der ersten sozialdemokratischen Bundeskanzlerin übrig», erklärte Merkel mit Blick auf mögliche Assoziationen zur SPD.

Blau sei eine Farbe, die Präsenz habe und etwas ausstrahle, erläuterte die ehemalige Regierungschefin. «Man kann von Meeresblau bis Stahlblau sich alles reindenken, also von der Strenge bis zur Lieblichkeit. Und ich hatte viele, viele blaue Töne in petto.» Ein weiterer Grund für die Farbwahl sei gewesen, dass sie auf internationalen Konferenzen mit ihren Blazern «in den etwas dunklen Reihen der Herren so ein Farbtupfer» gewesen sei. Sie habe sich immer gefreut, «wenn mehrere Farbtupfer in so einer G20-Runde auftauchten».

Das Ende Juni enthüllte Porträt des deutsch-französischen Künstlers Jérémie Queyras wird derzeit im Bode-Museum in Berlin gezeigt. Wegen des großen Interesses wurde die zunächst bis zum 4. Oktober geplante Ausstellung bis zum 3. Januar 2027 verlängert. Zusätzlich wird es am 4. Oktober einen Termin geben, an dem Merkel persönlich anwesend sein und Postkarten mit dem Gemälde signieren wird. Seit der Enthüllung des Bildes haben sich die Besuchszahlen des Museums nach Angaben des Hauses fast verdoppelt. Nach dem Ende der Ausstellung soll das Gemälde als Leihgabe an das Kanzleramt gehen und dort in die Porträt-Galerie der früheren Regierungschefs aufgenommen werden. Es zeigt Merkel mit blauem Blazer vor goldbraunem Hintergrund.

Merkel räumte ein, dass sie sich zunächst mit dem Gedanken, selbst zum Kunstwerk zu werden, etwas schwergetan habe. «Es ist komisch, wenn man langsam Geschichte wird», sagte sie der Wochenzeitung «Die Zeit». «Da häng ich dann eben.» Sie habe sich viel Zeit gelassen, bis sie sich malen ließ. Nach dem Ausscheiden aus dem Amt vor fünf Jahren habe sie zunächst anderes im Sinn gehabt. Sie schrieb ihre Autobiografie, die ebenfalls zum Hit wurde. Erst danach kümmerte sie sich um ihre Verewigung auf der Leinwand.

Bei der Veranstaltung im Bundestag ging es auch um zwei Werke aus der Kunstsammlung des Parlaments: ein Porträt des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer (CDU) von Oskar Kokoschka und ein Porträt des früheren Kanzlers Willy Brandt (SPD) von Andy Warhol. Merkel hatte das Adenauer-Bild seit 2002 in ihren Büros hängen – erst als Fraktionschefin, dann im Kanzleramt und nach dem Ausscheiden aus dem Amt. Sie habe «ihren» Adenauer gerne für die Ausstellung «herausgerückt», sagte sie. Es sei wichtig, dass das Bild einmal wieder einem breiteren Kreis zugänglich sei. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) machte bei einer Gesprächsrunde deutlich, dass Merkel keinen «nahezu adäquaten» Platzhalter für ihr Büro wollte. Merkel bestätigte: «Ich blicke nun auf eine weiße Wand anlässlich des 150. Geburtstages von Konrad Adenauer. Aber das ist ja so eine Art Fasteneinkehr, erhöht die Freude auf das Zukünftige, auf die zukünftige Rückkehr von meinem Begleiter.» Die Ausstellung «Kokoschkas Adenauer. Warhols Brandt» ist noch bis zum 10. Januar 2027 zu sehen.

In der Gesprächsrunde wurde Merkel auch zu Adenauer selbst befragt. Sie warb im Sinne des ersten Kanzlers der Bundesrepublik dafür, beim Begriff der Demokratie nicht zu kurz zu greifen. «Viele Menschen verstehen unter Demokratie einfach freie Wahlen. Das reicht aber bei Weitem nicht aus.» Dazu gehörten Minderheitenrechte, eine freie Presse, eine unabhängige Justiz sowie Kunst- und Wissenschaftsfreiheit. Die frühere CDU-Vorsitzende hob zudem das «christliche Menschenbild» hervor, das für sie immer sehr prägend gewesen sei. «Weil es einfach eine Freude darüber ausdrückt, dass Menschen verschieden sind. Demokratie darf niemals darauf hinarbeiten, dass Menschen uniformiert werden oder gleichgemacht werden.»

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Christoph Reichert

Autor

Politischer Korrespondent

Christoph Reichert berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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