Zum Inhalt springen
Среда, 29. Июль 2026Deutschland · Europa · Welt
Grenzah

Nachrichten über Grenzen hinweg — präzise, nah und im Zusammenhang.

Politik

Mordermittlungen nach Tod der Brexit-Politikerin Ann Widdecombe

Die frühere britische Abgeordnete und Brexit-Befürworterin Ann Widdecombe wurde tot in ihrem Haus in Devon aufgefunden. Die Polizei ermittelt wegen Mordes und fahndet nach einem flüchtigen Tatverdächtigen.

Mordermittlungen nach Tod der Brexit-Politikerin Ann Widdecombe
Mutmaßlicher Täter flüchtig: Mordermittlungen nach mysteriösem Tod von Brexit-Politikerin
Grenzah AudioBereit
0:00 / 0:00

Die britische Polizei hat Mordermittlungen nach dem gewaltsamen Tod der früheren Abgeordneten und Brexit-Befürworterin Ann Widdecombe eingeleitet. Die 78-Jährige war am Donnerstag tot in ihrem Haus in Haytor in der Grafschaft Devon aufgefunden worden, mit schwersten Verletzungen. Ein 26-jähriger weißer Brite steht unter dringendem Tatverdacht und ist flüchtig, wie die Polizei am Freitagabend mitteilte.

Die Ermittler gehen nach derzeitigem Stand nicht von einem terroristischen oder politisch motivierten Hintergrund aus. „Das ist ein extrem tragischer Vorfall. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen und Freunden“, sagte Police Assistant Chief Constable Matt Longman von der Devon and Cornwall Police auf einer Pressekonferenz. Man setze alle verfügbaren Mittel ein, um die Umstände aufzuklären. Die Mordermittlungen befänden sich noch in einem frühen Stadium, schritten aber mit hohem Tempo voran, ergänzte Detective Chief Inspector Ilona Rosson.

Ann Widdecombe war eine der bekanntesten Figuren der britischen Brexit-Bewegung. Sie saß jahrelang für die Konservativen im britischen Unterhaus und wechselte später als überzeugte EU-Austrittsbefürworterin ins Europäische Parlament, wo sie für die Brexit-Partei von Nigel Farage tätig war. Die zum Katholizismus konvertierte Politikerin vertrat ultrakonservative Ansichten: Sie forderte die Wiedereinführung der Todesstrafe, lehnte die gleichgeschlechtliche Ehe ab und sprach sich gegen die Selbstbestimmung von Transpersonen über ihr Geschlecht aus.

Über die Politik hinaus war Widdecombe auch im britischen Unterhaltungsfernsehen präsent. Sie trat unter anderem in der Tanzshow „Strictly Come Dancing“ und bei „Celebrity Big Brother“ auf, was ihr über die politische Szene hinaus Bekanntheit verschaffte. Ihr Tod hat in Großbritannien Bestürzung ausgelöst. Innenministerin Shabana Mahmood bezeichnete die Umstände als „äußerst erschütternd“ und bot die Unterstützung ihres Hauses bei den Ermittlungen an. In einem Beitrag auf der Plattform X rief sie die Bevölkerung dazu auf, Spekulationen zu vermeiden.

Premierminister Keir Starmer zeigte sich ebenfalls tief betroffen. Er sprach von einer „sehr schockierenden Nachricht“ und würdigte Widdecombes langjährigen Dienst in der Politik. Die Labour-Regierung steht in Kontakt mit den örtlichen Behörden, um die Ermittlungen zu unterstützen. Die Polizei bittet die Öffentlichkeit um Hinweise, die zur Ergreifung des flüchtigen Tatverdächtigen führen könnten. Die genauen Tatumstände sind noch unklar, die Ermittler arbeiten mit Hochdruck an der Aufklärung des Falls.

Widdecombes politische Karriere erstreckte sich über mehrere Jahrzehnte. Sie war von 1987 bis 2010 Abgeordnete für die Konservative Partei und bekleidete unter anderem das Amt der Staatsministerin für Gefängnisse. Nach ihrem Ausscheiden aus dem Unterhaus engagierte sie sich weiterhin in der EU-skeptischen Bewegung und zog 2019 für die Brexit-Partei ins Europäische Parlament ein. Ihre harte Haltung in sozialen und rechtlichen Fragen machte sie zu einer polarisierenden Figur, die sowohl Bewunderung als auch Kritik auf sich zog.

Die Nachricht von ihrem Tod hat in den sozialen Medien und in der britischen Presse breite Resonanz gefunden. Viele ehemalige Kollegen und politische Gegner würdigten ihr Engagement, auch wenn sie ihre Positionen nicht teilten. Die Polizei hat eine Sonderkommission eingerichtet, die den Fall bearbeitet. Die Fahndung nach dem Tatverdächtigen läuft auf Hochtouren, die Behörden warnen die Bevölkerung, sich dem Gesuchten nicht zu nähern, sondern sofort die Polizei zu verständigen.

Autor

Reporterin

Franziska Thielmann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.