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Среда, 05. Август 2026Deutschland · Europa · Welt
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Niedersachsen plant Erlass gegen Gewalt an Schulen und appelliert an Eltern

Kultusministerin Julia Willie Hamburg will mit mehr Personal, einem neuen Erlass und stärkerer Einbindung der Eltern gegen Gewalt an Schulen vorgehen. Die Zahl der Straftaten im Schulkontext bleibt trotz leichter Entspannung hoch.

Niedersachsen plant Erlass gegen Gewalt an Schulen und appelliert an Eltern
Neuer Erlass geplant: Gewalt an Schulen – Ministerin nimmt Eltern mit in Pflicht
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Gewalt an Schulen bleibt in Niedersachsen ein drängendes Problem. Kultusministerin Julia Willie Hamburg will deshalb nicht nur mehr Lehrkräfte und Sozialarbeiter einsetzen, sondern auch einen neuen Erlass zur Gewaltprävention vorlegen. Zugleich mahnt die Grünen-Politikerin Eltern, stärker Verantwortung zu übernehmen.

Nach ihrer Überzeugung lasse sich Gewalt eindämmen, wenn Kinder früh lernten, Konflikte gut zu bewältigen, sagte Hamburg. Das Land plane zusätzliches pädagogisches Personal. Zugleich bereite die Landesregierung einen neuen Erlass vor, der in Kürze kommen solle. Nötig sei dies auch wegen neuer Gewaltphänomene wie digitalem Mobbing und Cybergrooming. «Wenn man früh ansetzt mit den Kindern, kann man Gewalttaten oft verhindern», sagte die Ministerin.

Hintergrund sind Vorfälle an Schulen in Wolfsburg. Dort waren im vergangenen Schuljahr Sicherheitsdienste eingesetzt worden, was für Aufsehen sorgte. Hamburg nannte diesen Schritt eine drastische Maßnahme, die aber meist nicht dauerhaft benötigt werde. Man habe gute Erfahrungen gesammelt, etwa in Hannover: Schulen hätten zeitweise Sicherheitspersonal eingesetzt, gleichzeitig aber intensiv mit Eltern und Schülern gearbeitet, sodass der Dienst nach einiger Zeit nicht mehr gebraucht wurde.

Als Auslöser in Wolfsburg nannte die Ministerin vor allem die Zerstörung von Schuleigentum. Die Gründe, weshalb Schulen überhaupt Sicherheitsdienste benötigten, seien vielfältig. Häufig gebe es viele junge Menschen, die starke Unterstützung und Begleitung brauchten und im Elternhaus wenig Begleitung erführen. Deshalb setze das Land auf zusätzliche Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter.

Hamburg betonte zugleich die Rolle der Eltern. «Konflikte gut händeln zu können, sich streiten zu können, auch mal eine Diskussion auszuhalten, das sind Dinge, die man lernen muss», sagte die Vize-Regierungschefin. Wer das zu Hause nicht lerne, dem breche es in der Schule auf. «Viele Elternhäuser leben das auch nicht mehr in dem Maße vor, wie wir das vielleicht noch von früher kennen.»

Die polizeiliche Statistik zeige zuletzt eine leichte Entspannung, sagte Hamburg. Nach einem Anstieg nach der Corona-Pandemie hätten sich die Zahlen beruhigt, allerdings auf hohem Niveau. In Teilen gebe es eine neue Qualität von Gewaltfällen. Für das Jahr 2025 registrierte die Polizei knapp 5.000 Straftaten im Kontext Schule. Das waren 375 weniger als im Vorjahr, aber 790 mehr als vor zehn Jahren.

Besonders deutlich zugenommen haben im Zehnjahresvergleich Körperverletzungen mit 948 Fällen mehr. Auch Taten gegen die sexuelle Selbstbestimmung wurden häufiger registriert, ein Anstieg um 205 Fälle. Die erfassten Diebstähle gingen dagegen um 1.007 Fälle klar zurück. Das Landeskriminalamt sieht darin auch ein verändertes Anzeigeverhalten wegen höherer gesellschaftlicher Sensibilisierung und mehr Prävention.

Kinder und Jugendliche zählen laut Landeskriminalamt deutlich häufiger zu den Opfern als Erwachsene. Rund 87 Prozent aller im Schulkontext erfassten Opfer im Jahr 2025 waren minderjährig, etwa zwei Drittel der Opfer waren männlich. Im ersten Quartal 2026 blieb die Zahl der Gewalttaten im Schulkontext im unteren dreistelligen Bereich. Gegenüber dem ersten Quartal 2025 gab es demnach keine wesentlichen Veränderungen bei Fallzahlen, Tatverdächtigen und Opfern.

Der angekündigte Erlass zur Gewaltprävention soll auch digitale Gewalt ausdrücklich berücksichtigen. Digitales Mobbing oder Cybergrooming, also die digitale Ansprache von Minderjährigen mit dem Ziel des sexuellen Missbrauchs, gebe es an Schulen schon lange. Bisher fehlten dafür jedoch Definitionen. Mit dem neuen Erlass wolle das Land dafür eine Sprache und einen Tatbestand schaffen, sagte Hamburg. Zudem soll die Zusammenarbeit der Schulen mit Jugendhilfe, Justiz und Polizei neu geregelt werden. Auch Gewalt gegen Lehrkräfte wird demnach aufgegriffen.

Die oppositionelle CDU hatte Ende 2025 härtere Konsequenzen für gewalttätige Schülerinnen und Schüler gefordert. Fraktionschef Sebastian Lechner sprach sich im November für eine klare Null-Toleranz-Politik aus. In extremen Fällen sollten gewalttätige Jugendliche psychiatrisch untergebracht werden können, etwa nach dem dritten Schulverweis. Zudem brachte er eine Gesetzesänderung ins Gespräch, um wiederholt gewalttätige Jugendliche leichter in Haft zu nehmen.