Politikwissenschaftler warnt nach AfD-Sieg vor Folgen für Unternehmen in Sachsen-Anhalt
Nach dem deutlichen Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt sieht Politikwissenschaftler Knut Bergmann erhebliche Risiken für die Wirtschaft im Land. Viele Unternehmenschefs hielten sich aus Angst vor öffentlicher Kritik mit Warnungen zur Demokratie zurück. Der Unternehmer Theo Müller bezeichnet den AfD-Erfolg unterdessen als «Glücksfall» und fordert eine Regierungsbeteiligung der Partei.
Der Politikwissenschaftler Knut Bergmann warnt nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt vor spürbaren Konsequenzen für die Unternehmen im Land. «Für Unternehmen in Sachsen-Anhalt kann es richtig bitter werden», sagte Bergmann in einem Interview. Viele Unternehmenschefs hielten sich in der öffentlichen Debatte zurück, obwohl sie die Demokratie unter Druck sähen. Für diese Zurückhaltung gebe es mehrere Gründe, so der Experte.
Die AfD hatte die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag mit 43,8 Prozent der Stimmen deutlich gewonnen und stellt mit 39 Abgeordneten die größte Fraktion im Landtag. Das Ergebnis wird als Zäsur für die politische Landschaft in Deutschland gewertet. Während Politikwissenschaftler Bergmann vor wirtschaftlichen Folgen warnt, sieht der Unternehmer Theo Müller in dem Ausgang einen «Glücksfall». Der 86-jährige Mehrheitseigner der Unternehmensgruppe Theo Müller, der in einer Villa am Zürichsee lebt, sagte der «Welt am Sonntag», die Bürger von Sachsen-Anhalt hätten ein Signal an das ganze Land gesendet: «Mit der bisherigen Politik kann es so nicht weitergehen.»
Müller, der nach eigenen Angaben mit der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel befreundet ist, erklärte, er habe ihr sofort gratuliert. Auf die Frage, ob er ihr das Kanzleramt zutraue, antwortete er: «Logisch.» Zugleich forderte er Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf, die SPD aus der Regierung zu entlassen und stattdessen mit wechselnden Mehrheiten zu regieren. Für seine Reformvorschläge komme aus seiner Sicht ohnehin nur ein Partner infrage: «Da bliebe nur die AfD übrig.» Sein Wunschszenario beschrieb er mit den Worten: «Schwarz und Blau. Dann wäre Deutschland bald saniert.»
Der Unternehmer, der selbst CSU-Mitglied ist, sprach sich zudem gegen einen Austritt Deutschlands aus der EU oder dem Euro aus. Für die deutsche Wirtschaft forderte er ein Schuldenverbot sowie den Abbau von Subventionen. Die Energiewende, die er als «Wende ins Nichts» bezeichnete, solle beendet werden. Außerdem sprach er sich für ein Ende der Entwicklungshilfe und der deutschen Unterstützung für die Ukraine aus. Den Krieg nannte er «nicht unser Krieg» und verwies auf die Atomwaffen Russlands. «Wir sollten uns aus diesem Krieg heraushalten», sagte Müller.
Die Debatte über den AfD-Begriff «Remigration» bezeichnete Müller als überzogen. Er habe das Parteiprogramm gelesen, sagte er. «Remigration» bedeute demnach nur, dass Menschen ohne Aufenthaltsrecht das Land verlassen müssten, während Berechtigte bleiben dürften. Kritiker befürchten, dass von einer millionenfachen Rückführung auch Deutsche mit Migrationshintergrund betroffen sein könnten. Müller relativierte das mit Verweis auf die Gerichte. Zur Wortwahl junger AfD-Vertreter sagte er: «Die Jugend redet manchmal leichtsinnig daher. Da muss man Nachsicht üben.»
Müllers Nähe zur AfD ist nicht neu. Bereits 2023 hatte er von einem gemeinsamen Abendessen mit Weidel in Cannes berichtet und erklärt, sich regelmäßig mit der AfD-Chefin auszutauschen. Zugleich betonte er wiederholt, die Partei nicht mit Spenden zu unterstützen, und distanzierte sich von rechtsextremen Positionen einzelner AfD-Mitglieder. «Ich bin selbst Immigrant», sagte er der «Neuen Zürcher Zeitung». Die anhaltende Kritik an seiner Nähe zur AfD ficht ihn eigenen Angaben zufolge wirtschaftlich nicht an. 2025 sei das bislang beste Jahr seines Unternehmens gewesen, 2026 werde es voraussichtlich noch übertreffen.
Während Müller den AfD-Sieg feiert, warnt Politikwissenschaftler Bergmann vor den Folgen für den Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt. Die Zurückhaltung vieler Unternehmenschefs in der öffentlichen Debatte sei ein Warnsignal. Ob sich die Befürchtungen bewahrheiten, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.




