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Montag, 31. August 2026

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Politologe Krause: Russland erpresst Deutschland mit Kernwaffen

Der Sicherheitsexperte Joachim Krause sieht Deutschland in der nuklearen Abschreckung unzureichend aufgestellt. Russland nutze Atomwaffendrohungen als offensives Mittel, während Deutschland keine eigenen Optionen habe und die USA unter Trump kein verlässlicher Partner seien.

Der Politologe Joachim Krause sieht Deutschland durch die nuklearen Drohungen Russlands in einer ernsten Lage. „Russland erpresst uns mit Kernwaffen“, sagt der Sicherheitsexperte. Der Kreml nutze die Angst der Deutschen vor einem Atomkrieg gezielt als Waffe. Zugleich sei die alte Schutzmacht USA unter Präsident Donald Trump für die Nato-Partner zu einem unsicheren Alliierten geworden. Krause zählt zu den führenden Sicherheitsexperten in Deutschland und hat das Buch „Die Deutschen und die Atombombe“ veröffentlicht.

Eine eigene deutsche Atombombe hält Krause für unrealistisch. Zwar wäre ein Arsenal vergleichbar mit dem Frankreichs oder Großbritanniens ein Element der Sicherheit, doch Deutschland fehle es an den nötigen Fähigkeiten. Der Ausstieg aus der zivilen Kernenergie habe dazu geführt, dass es heute an Einrichtungen, Experten und Spaltstoffen mangele. Selbst wenn Deutschland den Nichtverbreitungsvertrag kündigen würde, wären die Russen nach Einschätzung des Politologen darauf vorbereitet, ein solches Programm zu sabotieren. Eine Bundesregierung, die sich nicht einmal traue, die Wehrpflicht wieder einzuführen, werde diesen Schritt ohnehin nicht gehen.

Den Atomausstieg selbst bezeichnet Krause rückblickend als Fehler. Die zivile Nutzung der Atomkraft habe Deutschland bis etwa Mitte der Neunzigerjahre eine nukleare Latenz verschafft, also die Fähigkeit, binnen kurzer Zeit eine überschaubare Zahl von Atombomben zu bauen. Diese Fähigkeit sei vor allem wegen der nie in Betrieb genommenen MOX-Brennelementefabrik im hessischen Hanau verloren gegangen. Der frühere Grünen-Außenminister Joschka Fischer habe maßgeblich dazu beigetragen, dass die Anlage nicht ans Netz ging. Fischer fordere inzwischen eine „europäische Atombombe“, übersehe dabei aber, dass effektive Abschreckung ein ganzes Arsenal verschiedener Waffentypen samt Trägersystemen erfordere. Das werde sehr teuer und zeitaufwendig.

Die von der Bundesregierung unter Friedrich Merz angestrebte vertiefte Kooperation mit der Atommacht Frankreich hält Krause für sinnvoll, aber nicht ausreichend. Auf Trump sei als Anker der nuklearen Abschreckung kein Verlass, da er seine Alliierten beschimpfe und die Nähe zu Putin suche. Frankreich sei ein wichtiger Partner, weil es eine eigenständige Atomwaffenmacht sei. Präsident Emmanuel Macron habe angedeutet, über eine Ausdehnung der französischen Nukleargarantie auf Zeit nachzudenken. Das sei besser als nichts. Andere Optionen, etwa ein europäisches Atomwaffenprogramm mit skandinavischen und baltischen Staaten, Polen und Deutschland, scheiterten am selben Problem: Die zivile Nutzung der Atomkraft sei überall gering, die Expertise fehle.

Bei der konventionellen Rüstung bessere sich die Lage langsam, sagt Krause. Bei der Abschreckung gegen Atomwaffen stehe Deutschland jedoch „mit heruntergelassenen Hosen“ da. Russland habe sich in den vergangenen 15 Jahren eine Vielzahl nuklearer Optionen gesichert, über die Deutsche und Europäer nicht verfügten. Die Lage erinnere an 1977, als Bundeskanzler Helmut Schmidt auf eine Abschreckungslücke der Nato hinwies. Entscheidend sei ein Bewusstseinswandel: Atomwaffen seien heute nicht mehr ein Instrument der Kriegsverhinderung, sondern ein Mittel der offensiven Kriegsführung. Russland nutze Kernwaffendrohungen, um militärische Eroberungen abzusichern und Rückeroberungen zu verhindern.

Dominik Zimmermann

Autor

Wirtschaftsanalyst

Dominik Zimmermann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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