Grenzah

Mittwoch, 2. September 2026

© 2026 Grenzah

Teil der GruppeMosaic Media

Entwickelt vonSponge — digital & design

Prien: Kita-Gesetz als "Gamechanger" für frühe Bildung

Prien: Kita-Gesetz als «Gamechanger» für frühe Bildung

Das Bundeskabinett berät über ein neues Kita-Gesetz. Familienministerin Karin Prien will mit Milliardenhilfen Sprachdefizite bei Vierjährigen früher erkennen und Kitas in schwierigen Lagen stärker fördern.

Das Bundeskabinett berät heute über ein neues Gesetz zur Verbesserung der frühkindlichen Bildung. Familienministerin Karin Prien (CDU) kündigte weitreichende Veränderungen an: Künftig soll jedes Kind in Deutschland spätestens im Alter von vier Jahren auf seinen Sprach- und Entwicklungsstand hin diagnostiziert werden. Auf dieser Grundlage sollen Kinder mit Förderbedarf gezielt unterstützt werden, bevor sie eingeschult werden.

Das sogenannte Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz sieht vor, dass der Bund von 2027 bis 2034 insgesamt rund 9,25 Milliarden Euro bereitstellt. Damit sollen insbesondere Kitas in schwierigen Lagen besser ausgestattet werden, etwa mit zusätzlichen Erzieherinnen und Sozialarbeitern. „Wo mehr Unterstützungsbedarf ist, müssen auch mehr Ressourcen hineinfließen“, sagte Prien der Deutschen Presse-Agentur. Ziel sei es, die großen Ungleichheiten im deutschen Bildungssystem abzumildern, denn die Bildungslaufbahn hänge hierzulande stärker als in anderen Ländern von Einkommen, Bildungsstand und sozialen Umständen der Herkunftsfamilie ab.

Prien bezeichnete die frühe Förderung im Kindergartenalter als „Gamechanger“. Man schaue, was ein Kind bereits könne und welche Kompetenzen es noch erwerben sollte, bevor es in die Schule komme. „Das lässt sich in einem so frühen Alter noch korrigieren“, betonte die Ministerin. Wer besonderen Förderbedarf habe, auch schon im Alter von vier und fünf Jahren, solle diese Kompetenzen vor Schulbeginn erwerben.

Das Gesetz setzt an drei Punkten an: mehr Kinder in öffentliche Betreuung bringen, fehlende Sprachkenntnisse möglichst früh feststellen und etwaige Probleme durch gezielte Hilfen ausgleichen. Die Tests, bei denen neben Sprachkenntnissen auch Bewegung und Entwicklungsstand ermittelt werden, sollen auch Vierjährige durchlaufen, die keine Kita besuchen. Erstmals sollen diese Überprüfungen nach bundesweit einheitlichen Standards erfolgen.

Alle Kitas sollen etwas mehr Geld und Zeit für die neuen Tests und die Förderung erhalten. Ein besonderes Augenmerk liegt jedoch auf Einrichtungen mit vielen Kindern, die in schwierigen Lebensumständen aufwachsen. Je nach Größe der Einrichtung sollen zusätzliche Fachkraftstunden finanziert werden: Bei 80 Kindern mindestens 20 Stunden pro Woche, bei mehr als 80 Kindern mindestens 40 Stunden und bei mehr als 120 Kindern mindestens 60 Stunden. Diese besondere Förderung soll in mindestens zehn Prozent der Kitas jedes Bundeslandes verfügbar sein. Als Kriterium gilt, ob dort viele Kinder in finanzieller Bedürftigkeit leben, ob die Familiensprache nicht Deutsch ist oder ob die sprachliche Entwicklung auffällig ist. Kitas und Schulen sollen künftig Daten über Ergebnisse der Sprach- und Entwicklungstests austauschen können.

Der Paritätische Gesamtverband fordert ergänzend einen „Sozialindex“ in der Kita-Finanzierung, also besonders viele Ressourcen dort, wo Armut, Migration und Inklusionsbedarf die Lage erschweren. Eine Umfrage des Verbands unter 3.267 Kitas zeichnet ein düsteres Bild der aktuellen Lage: Rechnerisch fehlten bundesweit 107.000 pädagogische Beschäftigte, obwohl mehr als 550.000 Kita-Plätze ungenutzt seien. In Sachsen etwa gingen in jedem zweiten Team mehr Fachkräfte, als neue hinzukämen. Ähnlich angespannt sei die Situation in Berlin, Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

65,3 Prozent der Fachkräfte gaben an, mit dem vorhandenen Personalschlüssel den Bedürfnissen der Kinder nicht gerecht werden zu können. Neun von zehn Einrichtungen berichten von starker psychischer Beanspruchung des Personals. In 43,5 Prozent der Kitas sei innerhalb eines Jahres mindestens eine Fachkraft aus psychischen Gründen gegangen.

Dominik Zimmermann

Autor

Wirtschaftsanalyst

Dominik Zimmermann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

Weiter im RessortPolitik