Russland baut Drohnen-Startnetz aus – NATO-Ostflanke rückt in Reichweite
Neue und ausgebaute Startplätze erhöhen vor allem Russlands Schlagkraft gegen die Ukraine. Zugleich wächst das potenzielle Risiko für den östlichen NATO-Raum.
Russland hat nach Auswertungen kommerzieller Satellitenbilder sein Netz für den Start weitreichender Angriffsdrohnen im Westen des Landes deutlich ausgebaut. Die Infrastruktur wird bereits gegen die Ukraine genutzt, erweitert aber zugleich die Möglichkeiten Moskaus gegenüber der östlichen NATO-Flanke.
Berichte von The War Zone und dem Institute for the Study of War verweisen auf mindestens zehn Standorte nahe der Grenzen zur Ukraine und zu Belarus, an denen neue oder erweiterte Startanlagen entstanden sind. Insgesamt wurden Dutzende Startschienen identifiziert. Nach öffentlich zugänglichen Tracking-Daten waren sieben der zehn Standorte bereits mit Angriffen auf die Ukraine verbunden.
Damit ist die unmittelbare Funktion der Anlagen klarer als manche zugespitzte Behauptung. Die These, die Standorte könnten ausschließlich für Angriffe auf NATO-Staaten genutzt werden, lässt sich nicht belegen. ISW geht vielmehr davon aus, dass Russland seine Fähigkeit erhöhen will, größere und räumlich verteilte Drohnenwellen gegen ukrainische Ziele zu starten.
Für Deutschland und die Schweiz-nahe Region ist dennoch entscheidend, was diese Infrastruktur zusätzlich ermöglicht. Langstreckenfähige Systeme aus dem westlichen Russland können im Fall einer Eskalation mehr NATO-Gebiet erreichen. Das ist ein Fähigkeitszuwachs, aber kein Beweis für einen Beschluss zu einem Angriff. Ein NATO-Vertreter erklärte, das Bündnis beobachte Russlands Fähigkeiten zu weitreichenden Schlägen und den Einsatz von Drohnen genau.
Hinzu kommen Warnungen vor hybriden Szenarien. Reuters berichtete, dass Polen und die baltischen Staaten den Schutz kritischer Infrastruktur verstärken, nachdem verbündete Nachrichtendienste vor möglichen russischen Provokationen gewarnt hatten. Genannt wurden auch inszenierte Drohnenangriffe, bei denen ukrainische oder erbeutete Systeme zur Verschleierung der Urheberschaft eingesetzt werden könnten. Eine Freigabe oder unmittelbar bevorstehende Operation wurde damit nicht belegt; der Kreml wies die Warnungen als Panikmache zurück.
Auch US-Geheimdienstbewertungen, über die CNN berichtete, beschreiben eher ein mittelfristiges Risiko: Wladimir Putin könnte in den kommenden Jahren versuchen, den Zusammenhalt der NATO mit einer begrenzten Aktion zu testen. Als mögliche Formen werden Cyberangriffe oder ein kleiner militärischer Vorstoß genannt. Ein konkreter bevorstehender Angriff auf Polen wird daraus nicht abgeleitet.
NATO reagiert deshalb mit Vorsorge. Nach jüngsten russischen Luftraumverletzungen in Polen und Rumänien erklärte das Bündnis, die integrierte Luft- und Raketenabwehr zwischen Ostsee und Schwarzem Meer weiter zu verstärken. Für den deutschsprachigen Raum bedeutet das vor allem: Die russische Drohneninfrastruktur verändert die Sicherheitsplanung Europas, auch wenn ihr heutiger Schwerpunkt weiterhin der Krieg gegen die Ukraine ist.




