Russlands Militärausgaben steigen 2026 um 30 Prozent
Die russischen Militärausgaben sind im ersten Halbjahr 2026 um 30 Prozent auf 10,7 Billionen Rubel gestiegen. Ökonomen erwarten einen neuen Rekord von über neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts und warnen vor schwindenden Finanzreserven des Kreml.
Die finanziellen Reserven des Kreml schwinden, während die Ausgaben für das russische Militär im Jahr 2026 ungebremst weitersteigen. Wie Auswertungen des „Russian Budget Monitor“ des Ökonomen Janis Kluge von der Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP) zeigen, sind die Militärausgaben im ersten Halbjahr um 30 Prozent auf 10,7 Billionen Rubel gestiegen, umgerechnet etwa 107 Milliarden Euro. Damit entsprechen die Rüstungsausgaben allein bis Ende Juni 4,7 Prozent der für das Gesamtjahr erwarteten Wirtschaftsleistung Russlands.
Kluge erklärte, bis Dezember dürften die Rüstungsausgaben „mehr als neun Prozent des russischen Bruttoinlandsprodukts erreichen“, wenn sich die Entwicklung im gleichen Tempo fortsetze. Das wäre „ein neuer Rekord in der postsowjetischen Geschichte Russlands“. Der Anstieg kommt überraschend, denn Russlands Verteidigungsminister Andrej Beloussow hatte eigentlich angekündigt, die Militärausgaben für 2026 stabil zu halten oder zu senken. Auch der offizielle Haushaltsplan hatte eine Kürzung des Verteidigungsbudgets vorgesehen: Im Laufe des Jahres 2026 sollten die Ausgaben laut Kluge von 7,8 Prozent auf 6,4 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken.
Kluge bezeichnete dieses Ziel als „sehr ambitioniert“, das „selbst bei einem Waffenstillstand kaum zu erreichen gewesen wäre“. Dennoch sei es eine Überraschung, „dass der Anstieg der Ausgaben so drastisch ausfällt. Der Krieg entwickelt sich gerade für Putin grundsätzlich in die falsche Richtung.“ Die Wirtschaftsprobleme bedrohen laut dem Bericht zwar nicht die Fähigkeit Russlands, den Krieg gegen die Ukraine fortzuführen, doch die finanziellen Polster des Landes schwinden. Die verbliebenen Mittel des Nationalen russischen Wohlfahrtsfonds liegen laut Kluge bei nur noch 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Um aus der Situation herauszukommen, könnte Russland neue Schulden aufnehmen – allerdings zu hohen Zinsen. Damit steht Präsident Wladimir Putin laut Kluge vor einer grundlegenden Wahl: Entweder er hält am bisherigen Wirtschaftssystem fest, „das dem Regime fast drei Jahrzehnte gute Dienste geleistet hat“. Dafür müssten die Steuern deutlich steigen und schmerzhafte Einsparungen folgen. Oder der Kremlchef entscheidet sich, seine bisherige Wirtschaftspolitik dem Krieg zu opfern.
Die Entwicklung der russischen Staatsfinanzen wird auch in Deutschland und Europa aufmerksam beobachtet. Die hohen Rüstungsausgaben belasten die russische Wirtschaft zunehmend und könnten langfristig die Handlungsfähigkeit des Kreml einschränken. Zugleich zeigt der Anstieg, dass Russland trotz internationaler Sanktionen weiterhin erhebliche Mittel in den Krieg gegen die Ukraine investiert. Ökonomen sehen darin einen wachsenden Widerspruch zwischen den militärischen Ambitionen Moskaus und den wirtschaftlichen Realitäten des Landes.




