Schwesig und Holm liefern sich hitziges TV-Duell vor Landtagswahl
Vier Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern treffen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und AfD-Herausforderer Leif-Erik Holm im NDR-Fernsehen aufeinander. Schwesig attackiert, Holm wehrt sich – und weicht der Koalitionsfrage aus.
Vier Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern haben Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und ihr Herausforderer Leif-Erik Holm (AfD) im NDR-Fernsehen ein letztes direktes Duell ausgetragen. In der einstündigen Sendung am Mittwochabend ging Schwesig ihren Kontrahenten mehrfach scharf an und warf der AfD vor, wirtschaftsfeindlich zu sein, den sozialen Zusammenhalt zu gefährden und Frauenrechte zu bedrohen. Holm, Bundestagsabgeordneter und AfD-Kandidat für das Ministerpräsidentenamt, hatte Mühe, den Angriffen etwas entgegenzusetzen.
Schwesig beschuldigte Holm mehrfach, die Wähler zu täuschen, und bezeichnete die AfD als schädlich für das Land. Holm konterte, Schwesig polarisiere und schüre Ängste. Ihre Behauptungen über die AfD wies er wiederholt als «Quatsch» zurück. Zudem warf er ihr vor, das Land finanziell heruntergewirtschaftet zu haben. Den Vorwurf, die AfD habe Kandidaten mit rechtsextremer Vergangenheit in ihren Reihen, tat er als «Jugendsünden» ab.
In den Fragen der Moderatoren Susanne Stichler und Thilo Tautz wurden die unterschiedlichen Positionen beider Kandidaten zu Bildung, Wirtschaft, Energie und Migration deutlich. Als Holm die von der AfD angestrebte Rundfunkreform mit angeblicher Desinformation und Unausgewogenheit des NDR begründete, musste Schwesig kaum eingreifen: Die Moderatoren hielten sofort dagegen.
Ein weiterer Streitpunkt war Holms Doppelstrategie. Der AfD-Politiker ist zwar Kandidat für das Ministerpräsidentenamt, steht aber nicht auf der Landesliste seiner Partei. Stattdessen tritt er nur als Direktkandidat im Wahlkreis Schwerin I an. Spitzenkandidat der AfD-Landesliste ist Enrico Schult, Holms Co-Sprecher. Holm erklärte, er sei direktgewählter Bundestagsabgeordneter und wolle dieses Mandat nach gut einem Jahr nicht gleich wieder abgeben. Sollte er das Direktmandat gewinnen, wolle er vom Bundestag in den Landtag wechseln. Andernfalls bleibe er in Berlin. Moderator Tautz hakte nach, warum er «diese halben Sachen» mache. Holm entgegnete, er und Schult seien ein Team.
Schwesig nutzte die ungewöhnliche Aufstellung für Kritik: Holm habe sich im Gegensatz zu ihr ein sicheres, gut bezahltes «Rückfahrticket in den Bundestag» gesichert. Man wisse daher nicht, ob er bleibe, wenn man ihn wähle. Holm warf ein, er habe gerade das Gegenteil gesagt. Schwesig betonte, bei ihr könne man sich sicher sein. Wer beide Stimmen der SPD gebe, bekomme Schwesig.
Ungemütlich wurde es für Schwesig, als Moderatorin Stichler wissen wollte, ob sie als «Leuchtturm» der SPD im Wahlkampf ein Stoppschild für die Kollegen aus Berlin aufgestellt habe. Damit spielte die Journalistin auf die zunehmende Kritik an, die Schwesig zuletzt auch an der Berliner Koalition und damit an der eigenen Partei geübt hatte. Schwesig betonte, sie wolle Ministerpräsidentin bleiben und werbe für ihre Inhalte.
Da laut Umfragen weder die SPD noch die AfD Aussicht auf eine absolute Mehrheit hat, sollten sich beide zum Schluss zu möglichen Koalitionspartnern äußern. Beide wichen aus. Schwesig will gegebenenfalls «mit allen Demokraten sprechen», Holm mit allen, die bereit seien, «für das Land zu arbeiten». Er sei «gegen die Ausschließeritis».
Eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage des Instituts Insa für die «Bild»-Zeitung sieht die AfD mit 37 Prozent knapp vor der SPD mit 35 Prozent. Die mitregierende Linke kommt auf zehn Prozent, die CDU auf sieben Prozent, die Grünen auf fünf Prozent. Rechnerisch hätte eine Koalition aus SPD, Linkspartei und Grünen eine Mehrheit.




