Selenskyj hofft nach US-Zwischenwahl auf mehr Hilfe aus Washington
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat im Interview mit Jan Böhmermann auf die US-Zwischenwahlen geblickt. Er erhofft sich davon mehr finanzielle Unterstützung und Waffen aus den Vereinigten Staaten.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hofft, dass die Demokraten nach den US-Zwischenwahlen mehr finanzielle Hilfe und Waffen für sein Land durchsetzen können. Im Gespräch mit Jan Böhmermann für das ZDF Magazin Royale sagte er, eine veränderte Machtbalance in Washington könne zugleich den Druck auf Wladimir Putin erhöhen. Das vollständige Interview ist im ZDF-Streamingportal und auf YouTube abrufbar. Ausgestrahlt wurde es am Freitag um 23 Uhr, der Sender hatte die Sendung vorab angekündigt. Ein achtminütiger Teaser lief bereits zuvor.
Im Mittelpunkt des Gesprächs stand der Ausgang der US-Zwischenwahlen. Dabei gewannen die Demokraten sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat wieder die Mehrheit. Selenskyj verbindet damit die Hoffnung, dass der US-Kongress seine Unterstützung für die Ukraine ausweitet. Offen bleibt jedoch, ob sich das Wahlergebnis tatsächlich in konkrete neue Hilfsgelder und Waffenlieferungen übersetzt. Berichte aus anderen Quellen nennen zudem die parallele Hoffnung auf einen stärkeren Druck der USA auf Russland. Der Ausgang der Wahl wird in der Ukraine damit nicht nur als innenpolitisches Ereignis der Vereinigten Staaten betrachtet, sondern als möglicher Wendepunkt für die militärische und finanzielle Lage des Landes.
Ein weiteres Thema war der Milliardär Elon Musk. Selenskyj erinnerte daran, dass die Ukraine zu Beginn des Krieges auf die Satellitenkommunikation des Unternehmens SpaceX angewiesen war, und zeigte sich dafür dankbar. Gleichzeitig äußerte er sich kritisch zu Musks Haltung zum Krieg, die ihm nicht gefalle. Damit verbindet sich die Frage, welche Rolle private Technologieunternehmen in einem Konflikt spielen, in dem Kommunikationsinfrastruktur früh zu einem militärisch bedeutsamen Faktor wurde.
Selenskyj war 2019 zum ukrainischen Präsidenten gewählt worden. Bekannt wurde er zuvor als Schauspieler und Komiker. In der Serie «Diener des Volkes» spielte er einen Geschichtslehrer, der unerwartet zum Staatsoberhaupt wird. Dass ein früherer Unterhaltungskünstler heute als Kriegspräsident international auftritt, ist ein Umstand, den das Gespräch mit Böhmermann, einem Satiriker, besonders aufgreift.
Ob das Interview über die politische Lage hinaus neue Zusagen aus den Vereinigten Staaten bringt, ist derzeit nicht absehbar. Parallel gibt es Meldungen über einen ukrainischen Drohnenangriff in der Region Belgorod, bei dem drei Menschen getötet wurden. Solche Berichte zeigen, dass der Krieg auch jenseits der Verhandlungen in Washington und Berlin unvermindert fortdauert und die Lage vor Ort angespannt bleibt.
Quelle: stern.de
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