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Politik

Spaniens Regierungschef Sánchez in Ceuta von wütenden Bürgern beschimpft

Nach dem Massenzustrom von Migranten in die spanische Exklave Ceuta hat Ministerpräsident Pedro Sánchez die Stadt besucht. Wütende Bürger empfingen ihn mit Beschimpfungen. Madrid setzt Militär zur Grenzsicherung ein; Italien fordert Spaniens Ausschluss aus dem Schengen-Raum.

Spaniens Regierungschef Sánchez in Ceuta von wütenden Bürgern beschimpft
Nordafrika - Zehntausende Migranten erreichen spanische Exklave Ceuta - Regierungschef Sanchez spricht von "Angriff"
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Nach dem beispiellosen Ansturm von Migranten auf die spanische Exklave Ceuta ist Ministerpräsident Pedro Sánchez in der nordafrikanischen Stadt eingetroffen und dort von wütenden Bürgern beschimpft worden. Die Lage in der Enklave an der Meerenge von Gibraltar gilt als angespannt; Tausende Menschen harren in der Stadt aus. Sánchez sprach angesichts der Ereignisse von einem «Angriff» auf die spanische Grenze.

Nach Schätzungen der spanischen Behörden sind binnen weniger Tage rund 60.000 Migranten von Marokko aus über die Grenze nach Ceuta gelangt. Zuvor hatten Medien unter Berufung auf die Regierung in Madrid teils von fast 49.000 Ankömmlingen berichtet. Mindestens 19 Menschen kamen den Behördenangaben zufolge bei dem Versuch ums Leben, schwimmend von Marokko aus das Gebiet der Europäischen Union zu erreichen. Viele weitere erreichten die Küste, viele kehrten in den folgenden Stunden auch wieder nach Marokko zurück.

Der ungewöhnliche Massenzustrom hatte in der spanischen Hauptstadt eine schwere Krise ausgelöst. Erstmals seit dem großen Ansturm vom Mai 2021 setzt Madrid wieder Militär zur Unterstützung der Grenzsicherung ein. In der Nacht auf Freitag übernachteten Hunderte junge Migranten auf den Straßen von Ceuta, wie spanische Medien berichteten. Auch am Freitagmorgen kamen demnach weiterhin Hunderte über die Grenze, allerdings kehrten viele zugleich nach Marokko zurück; die Lage habe sich etwas entspannt, hieß es.

Die Bilder aus Ceuta wecken Erinnerungen an die Ereignisse vor fünf Jahren. Im Mai 2021 waren innerhalb von 36 Stunden mehr als 8000 Menschen von Marokko aus in die Exklave gestürmt. Ceuta ist zusammen mit der Schwester-Exklave Melilla eines der letzten spanischen Territorien auf dem afrikanischen Kontinent. Beide Städte werden von Marokko beansprucht, das 1956 seine Unabhängigkeit erlangte. In der Nähe der Grenzanlagen warten regelmäßig Tausende Menschen, überwiegend aus Ländern südlich der Sahara, auf eine Gelegenheit, in das zur Europäischen Union gehörende Gebiet zu gelangen.

Der Besuch von Sánchez in Ceuta stieß in der Bevölkerung auf offene Wut. Der Regierungschef wurde beim Eintreffen von aufgebrachten Bürgern beschimpft; er war angereist, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. Viele Einwohner fordern mehr Schutz für die Exklave und reagieren mit Unverständnis auf den Massenzustrom. Die Stadt befand sich nach Angaben mehrerer Medien im Ausnahmezustand.

Der Ansturm hat auch innerhalb der Europäischen Union politische Spannungen ausgelöst. Die rechtsgerichtete Regierung in Rom forderte den Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum. Madrid wies das Ansinnen als «unangemessen» zurück und verlangte Solidarität der übrigen EU-Staaten.

Die genaue Zahl der Ankömmlinge blieb zunächst unklar; je nach Zählung war von rund 60.000 oder fast 49.000 Menschen die Rede. Der staatliche Rundfunksender Radio Nacional hatte eine Schätzung von der Regierung in Madrid erhalten, die Zeitung «El Periódico» berief sich auf einen Sprecher der Polizeieinheit Guardia Civil.