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Politik

Thorsten Frei neuer Fraktionsvorsitzender der Union

Der bisherige Kanzleramtschef Thorsten Frei ist mit 91,9 Prozent zum Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gewählt worden. Er folgt auf Jens Spahn und übernimmt das Amt auf einem holprigen Umweg.

Thorsten Frei neuer Fraktionsvorsitzender der Union
Thorsten Frei: Auf holprigen Umwegen an die Fraktionsspitze
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Thorsten Frei ist zum neuen Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gewählt worden. Der bisherige Kanzleramtschef erhielt in einer Sondersitzung der Abgeordneten von CDU und CSU 91,9 Prozent der Stimmen. Er löst damit Jens Spahn ab, der zuvor seinen Rücktritt erklärt hatte. Die Wahl war Teil der Kabinettsumbildung von Bundeskanzler Friedrich Merz.

Frei hatte das Amt bereits nach der Bundestagswahl im vergangenen Jahr in Aussicht, doch Merz entschied sich anders: Statt Frei an die Spitze der Fraktion zu setzen, machte er ihn zum Chef des Kanzleramts. Den Fraktionsvorsitz übertrug er überraschend dem als deutlich unbequemer geltenden Spahn. Für viele in der Union war das eine Enttäuschung – nicht zuletzt, weil Frei als enger Vertrauter des Kanzlers galt.

Der 52-jährige Vater von drei Kindern stammt aus Säckingen im Schwarzwald an der Grenze zur Schweiz. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften arbeitete er als Rechtsanwalt und Regierungsrat, bevor er 2004 zum Oberbürgermeister der Kreisstadt Donaueschingen gewählt wurde. Seit 2013 sitzt er im Bundestag und wurde 2021 unter Fraktionschef Friedrich Merz Parlamentarischer Geschäftsführer. In dieser Rolle lernte er die Arbeit der Fraktion von Grund auf kennen.

Freis Zeit im Kanzleramt stand unter keinem guten Stern. Gleich zu Beginn ließ er die erste Sitzung des Koalitionsausschusses aus, um an einer Veranstaltung in seinem Wahlkreis teilzunehmen. Später wurde ihm aus Union, SPD und auch aus den Ländern eine teils chaotische Amtsführung vorgeworfen. Bei der Erarbeitung des großen Reformpakets übernahmen die Fraktionsspitzen die Führung – die geräuschlose Einigung galt vor allem als ihr Verdienst. Zuletzt besserte sich Freis Ansehen allerdings, und Merz stellte sich stets hinter ihn. Ohne Spahns Rücktritt hätte Frei seinen Posten wohl behalten.

Nun kehrt Frei in vertrautes Terrain zurück. Ein entscheidender Vorteil: Er muss sich nicht einarbeiten, kennt alle Themen und die wichtigsten Akteure bestens. Für die weitere Koalitionsarbeit, die durch das Reformpaket nach 15 Monaten in geregeltere Bahnen gelenkt wurde, ist dies ein Gewinn. Sein guter Draht zum Kanzler dürfte hilfreich sein. Doch in seiner neuen Rolle muss Frei Merz nun anders gegenübertreten. In der Fraktion gibt es seit längerem Unmut über Merz‘ Führungsstil – nicht erst seit dem Ärger über die Personalrochade. Spahn hat die Fraktion zu einem selbstbewussten Machtzentrum neben dem Kanzleramt gemacht. Die Abgeordneten werden sich diesen Anspruch auch unter einem neuen Vorsitzenden nicht nehmen lassen. Freis Aufgabe wird es sein, die notwendige Loyalität zum Kanzler mit dem eigenen Gewicht der Fraktion zu verbinden. Die hohe Zustimmung von 91,9 Prozent ist als Vertrauensvorschuss zu werten. Jetzt muss er liefern.