Vatikan-Außenbeauftragter fordert von Lawrow ein Ende des Ukraine-Kriegs
Bei einem Treffen in Moskau hat Erzbischof Paul Richard Gallagher von Russlands Außenminister Sergej Lawrow ein Ende des Angriffskriegs gegen die Ukraine gefordert. Der Vatikan-Vertreter betonte, der Konflikt sei militärisch nicht zu lösen, und bot die Dienste von Papst Leo XIV. für Verhandlungen an.
Der Außenbeauftragte des Vatikans, Erzbischof Paul Richard Gallagher, hat bei einem Treffen mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow in Moskau ein Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gefordert. „Es muss klar sein: Dieser Krieg muss enden“, sagte Gallagher, während er neben Lawrow stand. Er beklagte die jüngste Ausweitung der Gewalt sowie die steigende Zahl getöteter Zivilisten in dem Konflikt. Der Heilige Stuhl verfolge die Entwicklung mit tiefer Besorgnis und bestehe auf die Einhaltung des Völkerrechts. Es brauche so schnell wie möglich Frieden.
Gallagher betonte, der Konflikt sei militärisch nicht zu lösen, sondern nur auf politisch-diplomatischem Weg. Der Geistliche forderte die Aufnahme „echter Verhandlungen“ mit internationaler Unterstützung und unterstrich, dass Papst Leo XIV. und der Vatikan bereit seien, ihre Dienste zur Verfügung zu stellen. Er appellierte an Kiew und Moskau, sich offen für einen Dialog zu zeigen. Je länger der Konflikt dauere, desto schwieriger werde es, zu einer Lösung und einer Aussöhnung zu kommen. Das Leiden von Millionen Menschen müsse aufhören.
Gallagher und Lawrow erklärten übereinstimmend, dass es trotz unterschiedlicher Ansichten in vielen Fragen auch Gemeinsamkeiten gebe. Moskau sei bereit, politische Konsultationen auf Ebene der Vizeaußenminister wieder aufzunehmen, sagte Lawrow. Die Position des Vatikans zum Ukraine-Konflikt lobte er als ausgewogen. Moskau schätze zudem die Lösung einiger schwieriger humanitärer Fragen durch den Heiligen Stuhl. Gallagher ist im Vatikan für internationale Beziehungen zuständig und wird oft als Außenminister des Vatikans bezeichnet. Zuletzt hatte er Russland im Herbst 2021 besucht. Die Ukraine hat der gebürtige Brite ebenfalls mehrfach besucht, zuletzt in diesem Sommer.
Unterdessen meldeten russische Streitkräfte Angriffe auf ein Frachtschiff und einen Tanker im Schwarzen Meer. Die Nachrichtenagentur Interfax berief sich dabei auf das Verteidigungsministerium in Moskau. Die Angaben ließen sich von der Nachrichtenagentur Reuters nicht unabhängig überprüfen. Zudem griff Russland einen ukrainischen Grenzübergang zu Moldau an und beschädigte ihn schwer. Der Auto-Kontrollpunkt Vynohradivka wurde offenbar mit Shahed-Drohnen getroffen, berichtete der ukrainische Grenzschutz. Der Grenzverkehr ist an dieser Stelle aktuell gesperrt, Moldau wurde informiert. Bereits in der vergangenen Woche war ein Grenzübergang zwischen der Ukraine und Moldau angegriffen worden; damals wurde der Kontrollpunkt Tabaky getroffen und für den Passagier- und Fahrzeugverkehr gesperrt.
Nach einem Drohnenangriff in der südrussischen Region Krasnodar ist Behördenangaben zufolge eine Ölraffinerie in Brand geraten. Durch herabfallende Trümmerteile seien in der Umgebung zwei Menschen getötet und zwei weitere verletzt worden, teilte Regionalgouverneur Wenjamin Kondratjew über den Kurznachrichtendienst Telegram mit. Die Raffinerie ist eine der größten Erdölverarbeitungsanlagen in Südrussland und verarbeitet jährlich rund 6,25 Millionen Tonnen Rohöl, etwa zwei Prozent der russischen Raffinerieproduktion. Bereits in der Vergangenheit hatte die Ukraine die Anlage angegriffen.
Die westlichen Unterstützer der Ukraine zeigten sich unterdessen unbeeindruckt von anhaltenden Drohungen Russlands. Die Ukraine müsse „in ihrem Kampf zur Verteidigung ihrer Souveränität, Freiheit und territorialen Unversehrtheit“ weiter unterstützt werden, teilten Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Andy Burnham in einer Mitteilung nach einer Videoschalte der sogenannten „Koalition der Willigen“ als Co-Gastgeber mit. Die Ukraine habe das „ureigene Recht“, sich gegen den russischen Angriffskrieg zu verteidigen, hieß es in der gemeinsamen Stellungnahme. „Unverantwortliche Drohungen seitens Russlands“ würden der Unterstützung der Ukraine durch die europäischen Länder keinen Abbruch tun. Man sei entschlossen, die militärische Unterstützung für die Ukraine zu erhöhen, als besonders dringliche Aufgabe die Flugabwehr zu stärken, die Zusammenarbeit mit ihrer Rüstungsindustrie zu verbessern und einschlägige Technologien zu teilen.
Die Regierung in London genehmigte den Antrag des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für den Bau von weitreichenden Marschflugkörpern mit britischer „Storm Shadow“-Technologie. In Moskau sorgte die Ankündigung für harsche Kritik: Kremlsprecher Dmitri Peskow warf London vor, mit den Plänen „methodisch und regelmäßig Öl ins Feuer“ des Kriegs zu gießen. Russland drohte demnach mit „einer Zerstörung der entsprechenden Objekte“. Großbritanniens Premier Burnham bezeichnete die russischen Drohungen hingegen als „unerhört“.




