Wer nach Trump kommt, entscheidet sich früher als 2028
Die US-Zwischenwahlen werden zum ersten Belastungstest für Vance, Rubio und ein offenes demokratisches Feld. Für Europa geht es dabei um mehr als amerikanische Innenpolitik.
Am 3. November wählen die USA keinen Präsidenten. Trotzdem könnte dieser Tag entscheidend dafür werden, wer 2028 überhaupt glaubwürdig um das Weiße Haus kämpfen kann.
Bei den Midterms stehen das gesamte Repräsentantenhaus und die Senatssitze der Klasse II zur Wahl. Gleichzeitig beginnt innerhalb der Republikanischen Partei zwangsläufig die Nachfolgedebatte. Nach dem 22. Verfassungszusatz kann Donald Trump unter der geltenden Verfassung nicht ein drittes Mal zum Präsidenten gewählt werden.
Eine ausführliche Analyse von Cronkite trennt deshalb zwei Fragen: Wer kann die Nominierung seiner Partei gewinnen, und wer kann danach eine nationale Wahl gewinnen? Im ersten Rennen hat Vizepräsident JD Vance derzeit den klarsten Weg.
Im republikanischen Durchschnitt von RealClearPolling liegt Vance bei 40,4 Prozent, Außenminister Marco Rubio bei 22,6 Prozent. Vance kann sich auf seine Position, die Nähe zu Trump und die Kontinuität der heutigen republikanischen Koalition stützen. Rubio besitzt dagegen ein anderes Argument: In einigen frühen Duellen gegen mögliche Demokraten schneidet er breiter ab.
Das Emerson-Polling vom August zeigt diese Spannung. Pete Buttigieg, Gavin Newsom und Jon Ossoff liegen in den getesteten Paarungen sowohl vor Vance als auch vor Rubio. Kamala Harris liegt vor Vance, verliert aber gegen Rubio. Solche Umfragen zwei Jahre vor der Wahl sind keine Prognosen. Sie zeigen jedoch, wo die strategischen Schwächen liegen.
Für Vance werden die Midterms daher zu einem Test der Übertragbarkeit von Trumps politischem Modell. Behaupten die Republikaner ihre Macht trotz eines schwierigen Umfelds, kann er argumentieren, dass die Koalition auch ohne Trump auf dem Stimmzettel funktioniert. Verlieren sie deutlich, wächst das Interesse an einem Kandidaten, der neue Wählergruppen erreicht.
Die Demokraten haben keinen vergleichbaren Erben. Harris führt den nationalen Durchschnitt an, Newsom folgt, Buttigieg liegt dahinter. In New Hampshire sieht das Bild anders aus: Dort liegt Buttigieg vorn. Gleichzeitig versucht er in South Carolina, seine frühere Schwäche bei schwarzen Wählern zu korrigieren.
Noch wichtiger können echte Wahlergebnisse sein. Jon Ossoff verteidigt seinen Senatssitz in Georgia, Josh Shapiro tritt als Gouverneur von Pennsylvania erneut an. Shapiro liegt in einer neuen Umfrage 55 zu 39 Prozent vorn. Ein klarer Sieg in Pennsylvania wäre für einen möglichen Präsidentschaftskandidaten ein starkes Signal, weil der Staat bei nationalen Wahlen regelmäßig zu den entscheidenden Schlachtfeldern zählt.
Für Deutschland, die Schweiz und Europa ist die Frage unmittelbar relevant. Vance und Rubio stehen innerhalb derselben Regierung für unterschiedliche Akzente bei Außenpolitik, Allianzen und amerikanischer Machtprojektion. Auch die demokratischen Kandidaten würden Washingtons Verhältnis zu Europa unterschiedlich gewichten.
Deshalb beginnt die nächste US-Präsidentschaftswahl nicht erst mit den Vorwahlen. Sie beginnt dort, wo Politiker zeigen müssen, dass ihre Koalitionen reale Wähler in umkämpften Staaten erreichen. Genau diese Beweise liefert November 2026.




