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Dienstag, 15. September 2026

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BRICS-Gruppe: Der Gipfel der ungleichen Giganten

Xi Jinping dominiert BRICS-Gipfel in Neu Delhi

Der Besuch des chinesischen Staatschefs Xi Jinping prägt das Treffen der BRICS-Staaten in Indien. Gastgeber Indien setzt auf einen sanften Kurs, während die antiwestliche Rhetorik von anderer Seite kommt.

Der BRICS-Gipfel in Neu Delhi wird vom Besuch des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping dominiert. Das Treffen der Staatengruppe, zu der neben China und Gastgeber Indien auch Brasilien, Russland und Südafrika gehören, rückt damit die bilateralen Beziehungen zwischen den beiden bevölkerungsreichsten Ländern der Welt in den Mittelpunkt. Indien verfolgt nach Einschätzung von Beobachtern einen bewusst sanften BRICS-Kurs und vermeidet eine konfrontative Sprache gegenüber dem Westen.

Die BRICS-Staaten zeigen sich in einer gemeinsamen Erklärung tief besorgt über die Lage im Nahen Osten. Diese Positionierung steht im Kontrast zur zurückhaltenden Tonlage Indiens, das seine Rolle als Brückenbauer zwischen den Mitgliedern und dem Westen betont. Die antiwestliche Rhetorik innerhalb der Gruppe wird hingegen vor allem von anderen Mitgliedern getragen, nicht von der indischen Gastgeberregierung.

Der Gipfel in Neu Delhi ist das erste große Zusammentreffen der BRICS-Staaten seit der Erweiterung der Gruppe. Xi Jinpings Teilnahme verleiht dem Treffen zusätzliches Gewicht, da China neben Indien als bestimmende Macht innerhalb des Formats gilt. Beide Länder verfolgen unterschiedliche strategische Interessen, was die Abstimmung innerhalb der Gruppe erschwert. Indien bemüht sich, die BRICS als Plattform für wirtschaftliche Zusammenarbeit und globale Governance-Reformen zu positionieren, ohne sich in einen blockpolitischen Gegensatz zum Westen drängen zu lassen.

Die Erklärung zum Nahen Osten unterstreicht die wachsende Rolle der BRICS-Staaten bei internationalen Konflikten. Während die Gruppe gemeinsame Positionen zu globalen Krisen formuliert, bleiben die einzelnen Mitglieder in ihrer Außenpolitik eigenständig. Indien pflegt weiterhin enge Beziehungen zu westlichen Staaten und ist zugleich auf gute Verbindungen zu Russland und China angewiesen. Diese Balance prägt den indischen Ansatz beim Gipfel.

Für die Schweiz und Deutschland ist die Entwicklung von Bedeutung, da die BRICS-Staaten zunehmend Einfluss auf globale Wirtschafts- und Sicherheitsfragen nehmen. Die Europäische Union beobachtet die Ausrichtung der Gruppe mit Aufmerksamkeit, insbesondere im Hinblick auf Handel, Energie und technologische Zusammenarbeit. Eine geschlossene antiwestliche Front der BRICS ist bislang nicht erkennbar, doch die wachsende wirtschaftliche Bedeutung der Mitglieder verändert die Gewichte in internationalen Organisationen.

Der Gipfel in Neu Delhi endet ohne gemeinsame Abschlusserklärung zu allen strittigen Themen. Die Unterschiede zwischen den Mitgliedern bleiben bestehen, während der Besuch Xi Jinpings die zentrale Aufmerksamkeit auf sich zieht. Indien hat sein Ziel erreicht, den Gipfel als Plattform für Dialog und wirtschaftliche Kooperation zu präsentieren, ohne die eigene außenpolitische Linie aufzugeben.

Elena Mertens

Autor

Nachrichtenredakteurin

Elena Mertens berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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