Alexander Zverev hat mit einer dominanten Leistung gegen seinen Angstgegner Taylor Fritz erstmals das Halbfinale von Wimbledon erreicht. Der deutsche Spitzenspieler gewann das Viertelfinale am Mittwoch überraschend klar mit 6:4, 6:4, 6:2 und verwandelte nach 1:56 Stunden seinen ersten Matchball. „Es klingt großartig“, sagte Zverev nach dem Match. „Ich hoffe, noch zwei Matches zu spielen. Ich bin extrem glücklich, im Halbfinale zu sein. Ich habe ein fantastisches Match gespielt.“
Der French-Open-Gewinner von 2024 beendete mit diesem Sieg eine schmerzhafte Serie: Sieben Partien in Folge hatte Zverev zuvor gegen den US-Amerikaner verloren. Besonders schmerzhaft war die Niederlage vor zwei Jahren, als Zverev in Wimbledon trotz einer 2:0-Satzführung noch an Fritz gescheitert war. Eine Knieverletzung hatte ihn damals eingeschränkt und eine Negativspirale gegen den Weltranglistensiebten eingeleitet. Diesmal ließ der 28-jährige Fritz zu Beginn des zweiten Satzes den Physiotherapeuten rufen und sich am Knie behandeln. Schon seit September des vergangenen Jahres plagen den US-Amerikaner Knieprobleme.
Zverev zeigte sich von Beginn an konzentriert und ließ einen kurzen nervösen Start schnell hinter sich. Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius suchten die Zuschauer im All England Club Schattenplätze, während Zverev die Hitze zu genießen schien. „Wenn ich die Vorhand nicht 76 Meilen pro Stunde schlage, sondern mit 84 Meilen pro Stunde schlage, der Aufschlag mit 133 Meilen pro Stunde kommt, die Rückhand mit 80 Meilen pro Stunde kommt, werde ich das Match gewinnen“, hatte der Weltranglistendritte vor dem Spiel mit Blick auf seine Form gesagt. „Es ist relativ simpel.“ Und er ließ seinen Worten Taten folgen.
Zum 2:1 nahm Zverev dem Kalifornier den Aufschlag ab. Dieses eine Break genügte für den ersten Satzgewinn. Als er zum Satz aufschlug, wackelte Zverev zwar kurz, löste die komplizierte Situation aber mit erstklassigen Aufschlägen bravourös. Im zweiten Satz war Zverev emotional, animierte das Publikum und feierte einen gelungenen Punktgewinn mit einem lauten Schrei. Mit einem weiteren Break zum 5:4 stellte er die Vorentscheidung im zweiten Durchgang her. Auch den dritten Satz dominierte der Deutsche und zog souverän ins Halbfinale ein.
Fritz hatte in der Wimbledon-Vorbereitung mit Finalteilnahmen in Stuttgart und Halle geglänzt und dabei auch Zverev besiegt. In Halle hatte der Hamburger jedoch erhebliche Probleme mit seiner Diabetes-Erkrankung. Diesmal präsentierte sich Zverev in bestechender Form und ließ dem US-Amerikaner keine Chance. „Es ist ein Traum, der wahr wird, endlich gut in Wimbledon zu spielen“, kommentierte der Sieger.
Im Halbfinale am Freitag trifft Zverev auf den britischen Außenseiter Arthur Fery, einen weithin unbekannten Stanford-Absolventen. Da der spanische Topstar Carlos Alcaraz wie in Paris verletzt fehlt, ist Zverev hinter Vorjahreschampion Jannik Sinner aus Italien an Position zwei gesetzt. Er wird seiner Rolle bislang gerecht. Insgesamt ist es Zverevs zwölftes Halbfinale bei einem Grand-Slam-Turnier. In Wimbledon reiht sich der Paris-Champion als fünfter Deutscher in die Liste der deutschen Wimbledon-Halbfinalisten im Männer-Einzel ein – neben Boris Becker, Michael Stich, Rainer Schüttler und Tommy Haas. Erstmals seit 2009 erreicht damit wieder ein deutscher Tennisprofi die Runde der letzten vier in Wimbledon.
Zverev kann nun den größten Erfolg seiner Karriere anstreben. Mit zwei weiteren Siegen würde er sich den Wimbledon-Titel sichern. Die Zuversicht ist nach dem klaren Erfolg gegen Fritz groß. „Es ist relativ simpel“, hatte Zverev schon vor dem Match gesagt – und es auf dem Platz eindrucksvoll bewiesen.
