Zum Inhalt springen
Среда, 29. Июль 2026Deutschland · Europa · Welt
Grenzah

Nachrichten über Grenzen hinweg — präzise, nah und im Zusammenhang.

Sport

Bundespolizei registriert mehr Gewaltdelikte trotz rückläufiger Gesamtkriminalität

Die Bundespolizei verzeichnet in ihrem Jahresbericht 2025 einen Anstieg der Gewaltdelikte um 4,2 Prozent auf rund 35.400 Fälle, während die Gesamtzahl der Straftaten um 5,8 Prozent sank. Besonders besorgniserregend ist die Zunahme von Angriffen auf Einsatzkräfte um 7,4 Prozent.

Bundespolizei registriert mehr Gewaltdelikte trotz rückläufiger Gesamtkriminalität
Bundespolizei-Bilanz: Weniger Straftaten - mehr Gewalt
Grenzah AudioBereit
0:00 / 0:00

Die Bundespolizei hat im vergangenen Jahr eine gegenläufige Entwicklung bei der Kriminalitätsentwicklung festgestellt: Während die Gesamtzahl der registrierten Straftaten im Zuständigkeitsbereich der Behörde zurückging, stieg die Gewaltkriminalität deutlich an. Wie aus dem aktuellen Jahresbericht der Bundespolizei für 2025 hervorgeht, erhöhte sich die Zahl der Gewaltdelikte im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 Prozent auf rund 35.400 Fälle. Dieser Anstieg betrifft vor allem Bahnhöfe, Flughäfen und Grenzbereiche, also die Orte, an denen die Bundespolizei für die Sicherheit zuständig ist.

Zur Gewaltkriminalität zählen nach der Eingangsstatistik der Bundespolizei sämtliche Körperverletzungs- und Raubdelikte, Straftaten gegen das Leben, Widerstand gegen die Staatsgewalt sowie Straftaten gegen die persönliche Freiheit und Taten gegen die öffentliche Ordnung. Sexualdelikte werden in dieser Statistik separat erfasst. Bei den Gewaltdelikten mit bekannten Tatverdächtigen lag der Anteil deutscher Staatsangehöriger bei 53 Prozent. Ein Messer wurde bei 3,9 Prozent aller Gewaltdelikte mitgeführt, was auf eine zunehmende Gefährdungslage im öffentlichen Raum hindeutet.

Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei den Angriffen auf Einsatzkräfte der Bundespolizei. Die Zahl solcher Übergriffe stieg um 7,4 Prozent auf 3.185 betroffene Polizistinnen und Polizisten. Die Angriffe reichen von Faustschlägen und Tritten bis hin zu Bissen und Spuck-Attacken. Verletzt wurden den Angaben zufolge 818 Polizeibeamte, was einem Anstieg um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. 53 Prozent derjenigen, die Einsatzkräfte angriffen, standen laut Bundespolizei unter dem Einfluss berauschender Mittel, was die Problematik der Gewalt im Zusammenhang mit Drogenkonsum unterstreicht.

Der Rückgang der Gesamtkriminalität um 5,8 Prozent auf rund 604.700 Straftaten ist nach Angaben der Bundespolizei vor allem auf weniger Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz zurückzuführen. Seit dem 16. September 2024 gibt es an allen deutschen Landesgrenzen Kontrollen bei Einreisen, die im Mai 2025 noch einmal intensiviert wurden. Seither werden auch Asylsuchende zurückgewiesen, abgesehen von Ausnahmen etwa für Kranke und Schwangere. Die Zahl der Menschen, die in Deutschland erstmals Asyl beantragen, ist seit 2023 deutlich gesunken.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat in Aussicht gestellt, die deutschen Binnengrenzkontrollen zu lockern, falls die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (Geas) wie erhofft funktioniert. Kern der Reform, deren Regeln seit dem 12. Juni gelten, ist eine Registrierungspflicht für alle Asylsuchenden an den Außengrenzen sowie schnelle Asylverfahren für Menschen aus Staaten mit geringer Anerkennungswahrscheinlichkeit. Die Kontrollen an den deutschen Landgrenzen gelten aktuell bis September 2026.

Bundespolizeipräsident Dieter Romann bewertet die Grenzkontrollen positiv. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagte er: «Die flexiblen und smarten Grenzkontrollen haben auch 2025 ihre Wirkung gezeigt.» Ob und wie lange sie fortgesetzt würden, hänge auch vom Gelingen und der Wirkung der Geas-Reform ab. In den ersten Wochen nach Inkrafttreten der Reform stellte die Bundespolizei zwar etliche unerlaubte Einreisen von Menschen fest, die an den Außengrenzen nicht registriert worden waren. Es sei jedoch gut möglich, dass diese Menschen bereits vor dem 12. Juni in die EU gekommen waren.

Die Bundespolizei nennt in ihrem Jahresbericht mehrere Faktoren für den Rückgang der irregulären Migration nach Deutschland. Neben der «Signalwirkung der veränderten Zurückweisungspraxis in Deutschland» sei dies vor allem auf einen Rückgang der Migration aus wichtigen Herkunftsländern wie Afghanistan, Syrien, der Türkei und der Ukraine zurückzuführen. Diese Entwicklung zeigt, dass sowohl nationale Maßnahmen als auch internationale Faktoren die Migrationsbewegungen beeinflussen.

Ein weiteres Problemfeld bleibt die Rückführung ausreisepflichtiger Personen. Von den 58.795 geplanten Rückführungen im vergangenen Jahr scheiterten 34.848, davon mehr als 33.000 bereits vor der Übergabe der Ausreisepflichtigen durch die Länder an die Bundespolizei. Während der Übernahme scheiterten 464 Rückführungen, etwa wegen ungültiger Heimreisedokumente oder aus medizinischen Gründen. In 1.353 Fällen wurden Rückführungen nach Übernahme durch die Bundespolizei abgesagt, vor allem weil Transportunternehmen die Beförderung verweigerten, sich der Zielstaat querstellte, der Abzuschiebende passiven Widerstand leistete oder ein Verwaltungsgerichtsbeschluss in letzter Minute erging.

Die Personalstärke der Bundespolizei stieg auch 2025 an, und zwar um 0,7 Prozent auf 55.369 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Stichtag 31. Dezember. Neue Aufgaben kamen etwa bei der Drohnenabwehr hinzu. Die Zahl der Einsatzstunden sank laut Jahresbericht im gleichen Zeitraum um rund 6,4 Prozent, während die Einsatzstunden für Grenzschutzaufgaben um 5,2 Prozent zunahmen. In seinem Grußwort zum Jahresbericht dankte Dobrindt den Bundespolizistinnen und Polizisten für ihren Einsatz an den Grenzen. Dieser trage dazu bei, «dass wir das Migrationsgeschehen neu ordnen konnten». Durch die Maßnahmen seien seit Mai 2025 «über 32.000 illegale Einreisen unmittelbar verhindert, Schleuserkriminalität eingedämmt und das Asylsystem entlastet worden».

Autor

Reporterin

Franziska Thielmann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.