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DFB-Nachwuchsreform: Klopp fordert mehr Bolzplatz im Training

Nach dem WM-Debakel will der DFB mit einer neuen Trainingsphilosophie die Talentförderung revolutionieren. Jürgen Klopp fordert mehr Individualität und Spielfreude im Jugendtraining, um wieder Weltklasse hervorzubringen.

DFB-Nachwuchsreform: Klopp fordert mehr Bolzplatz im Training
Deutscher Fußball-Nachwuchs: Klopp und der „Bolzplatz“ - Wie Talente wieder Spitze werden
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Der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp hat eine klare Forderung an die deutsche Nachwuchsarbeit: „Wir müssen den Bolzplatz ins Training packen, sonst wird nicht genug gekickt.“ Die Aussage, die auf der DFB-Seite prominent platziert ist, stammt vom Internationalen Trainerkongress 2024 und beschreibt einen Kerngedanken der neuen „Trainingsphilosophie Deutschland“. Mit dieser Strategie will der Deutsche Fußball-Bund nach drei enttäuschenden WM-Turnieren den Weg zurück in die Weltspitze finden.

Die Reform zielt darauf ab, wieder mehr außergewöhnliche Individualisten hervorzubringen. Laut DFB haben die zunehmende Taktisierung des Fußballs und gegnerorientierte Mannschaftstaktiken in den vergangenen Jahren die Entwicklung von Talenten gebremst. Die neue Philosophie setzt daher auf kleine Spielformen mit vielen Fußballaktionen, hoher Intensität und mutigem Handeln. Junge Spieler sollen Spielfreude, Entscheidungsverhalten und Individualität entwickeln. Durch die vielen direkten Duelle werden auch Zweikämpfe in den Vordergrund gestellt – ganz wie früher auf dem Bolzplatz.

DFB-Direktor Hannes Wolf, die Schlüsselfigur der Reform, betonte bereits in der Anfangsphase: „Wir haben an den Realitäten vorbeitrainiert. Deshalb haben wir auch Positionen verloren.“ Die Maßnahmen im Jugendbereich brauchen jedoch Zeit. Ein Musterbeispiel ist die Weltmeistermannschaft von 2014: Anderthalb Jahrzehnte zuvor, nach dem EM-Fiasko im Jahr 2000, war der Startschuss für die Nachwuchsleistungszentren gefallen. 14 Jahre später wurde Deutschland mit reihenweise NLZ-Absolventen Weltmeister. Danach jedoch, so DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig, habe man den Fehler gemacht, den Schalter nicht umgelegt zu haben.

Trotz der Erfolge der U17-Nationalmannschaft, die 2023 sowohl EM- als auch WM-Titel gewann, bleibt der Weg in den Profibereich hart. Finn Jeltsch vom VfB Stuttgart hat sich als Feldspieler bereits in der Bundesliga etabliert, Noah Darvich soll nach seiner Leihe zum Bundesliga-Aufsteiger SV Elversberg den nächsten Schritt machen. Viele Weltmeister von 2023 spielen jedoch noch in Regionalligen, zweiten Mannschaften oder pendeln zwischen Nachwuchs- und Profikader.

U21-Nationalcoach Antonio Di Salvo weist seit längerem auf ein zentrales Problem hin: Deutschland bringe zwar Talente hervor, scheitere aber daran, aus ihnen Top-Profis zu machen. Er verwies auf den fallenden Anteil junger deutscher Spieler in der Bundesliga und den gleichzeitigen Anstieg des Anteils ausländischer U23-Spieler. „Das muss sich ändern, wenn wir mit den Nationalteams wettbewerbsfähig bleiben wollen“, forderte Di Salvo. Bundesliga-Geschäftsführer Marc Lenz mahnte ebenfalls Besserungsbedarf an: Nur neun deutsche Clubs sind laut Liga unter den Top-100-Akademien in Europa, und die Anzahl der Talente in der Bundesliga sei „signifikant geringer“ als im Ausland.

Allerdings gibt es auch positive Entwicklungen: Während Deutschland 2021/22 bei den Einsatzzeiten heimischer U20- und U21-Spieler noch auf Platz fünf hinter Frankreich, England, Spanien und Italien lag, belegt es laut aktuellen Zahlen inzwischen Rang drei hinter Spanien und Frankreich. Oft wird die These vertreten, dass Profitrainern der Mut fehle, Toptalente einzusetzen. DFB-Direktor Wolf hält dagegen: „Wenn ein 19-Jähriger nicht mindestens so gut ist wie der 28-Jährige, dann wird ihn kein Trainer aufstellen.“ Deshalb müsse der 19-Jährige so gut ausgebildet werden, dass er besser als der 28-Jährige ist.

Ein Blick auf andere Nationen zeigt, was möglich ist: Frankreich profitiert von einer riesigen Talentbasis und gibt jungen Spielern früh Verantwortung im Männerfußball. Spanien setzt seit Jahrzehnten auf Technik und Spielintelligenz, England hat seine Nachwuchsausbildung mit dem EPPP (Elite Player Performance Plan) professionalisiert. Wolf warnt jedoch davor, sich zu sehr an anderen zu orientieren: „Ich finde es grundsätzlich schwierig, sich zu viel an anderen zu orientieren.“ Deutschland müsse bei seinen Rahmenbedingungen den eigenen Weg gehen.

Ein neuer U21-Wettbewerb soll den Übergang zwischen Nachwuchs- und Profifußball erleichtern, kann fehlende Bundesliga-Einsätze aber nicht ersetzen. „Orte zu schaffen, wo man spielen und sich entwickeln kann, das macht unglaublich Sinn“, sagte Wolf. Interessant: Er wandte sich bei seinen Worten im März auch an Klopp und gratulierte ihm bereits zu seiner neuen Aufgabe. Die Reformen werden sich letztlich nicht an Jugendtiteln messen lassen, sondern daran, wie viele Spieler in einigen Jahren Stammkräfte in Bundesliga und A-Nationalmannschaft sind.

Autor

Politischer Korrespondent

Christoph Reichert berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.