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Grünen-Chef Banaszak warnt vor einseitiger Männlichkeitsdebatte

Grünen-Chef Felix Banaszak äußert sich zurückhaltend zu einem Manifest seiner Partei über Männlichkeit. Er betont, dass Fitness allein kein neues Männerbild mache und warnt vor der Bestätigung von Klischees. Die Debatte zeigt das Ringen der Grünen um junge männliche Wähler.

Grünen-Chef Banaszak warnt vor einseitiger Männlichkeitsdebatte
Grünen-Chef Banaszak: "Fitness alleine macht noch keinen neuen Mann"
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Grünen-Chef Felix Banaszak hat sich zurückhaltend zu einem internen Vorstoß mehrerer Parteimitglieder geäußert, die über das Thema Fitness neue Wählerschichten ansprechen wollen. „Fitness alleine macht noch keinen neuen Mann“, sagte Banaszak t-online. Er freue sich zwar über jeden Impuls in der Debatte um Männlichkeit, teile aber nicht jeden Ansatz. Der Co-Vorsitzende, der dem linken Flügel der Grünen zugerechnet wird, reagierte damit auf ein Manifest zum Thema Männlichkeit, über das der „Spiegel“ berichtet hatte.

In dem Papier, das von 13 Grünen unterzeichnet wurde, darunter Co-Parteichefin Franziska Brantner und die frühere Parteivorsitzende Ricarda Lang, geht es um die Auseinandersetzung mit Rollenbildern und die gezielte Ansprache jüngerer Männer. Banaszak zählt nicht zu den Unterzeichnern. Der „Spiegel“ hatte zudem über zwei Bundestagsabgeordnete berichtet, die über Krafttraining und Fitness neue Wähler gewinnen und das Image der Grünen verändern wollen. Banaszak betonte dagegen, dass für ihn „eine Erweiterung von Männerbildern“ zentral sei, nicht aber die „Bestätigung von Klischees“. Fürsorge und Verantwortung seien kein Widerspruch zu Fitness, so der Grünen-Chef.

Die Debatte findet vor dem Hintergrund statt, dass die Grünen bei jungen Männern vergleichsweise schlecht ankommen. Bei der Bundestagswahl 2025 konnte vor allem die AfD bei dieser Gruppe punkten, während die Grünen häufiger von Frauen gewählt werden. Die Bundeszentrale für politische Bildung stellt diese Geschlechterlücke seit 2002 bei allen Bundestagswahlen fest. In ihr spiegele sich auch die feministische Ausrichtung der Partei, die den Kampf für Gleichberechtigung von Anfang an auf ihre Fahnen geschrieben habe. Banaszak selbst versucht seit einiger Zeit, gezielt auf jüngere Männer zuzugehen, etwa durch Interviews im „Playboy“ oder Auftritte im Talk-Format des Livestreamers Staiy, der ein vorwiegend männliches Publikum anspricht.

Der Grünen-Chef stellte in dem Gespräch die Frage, warum so viele junge Männer auf Orientierungssuche anfällig für rechtsautoritäre Männlichkeitsbilder seien. Er forderte progressive Kräfte auf, positive Gegenbilder zu schaffen. Viele Männer seien auf der Suche nach einem Rollenbild, das nicht länger auf Gewalt und Dominanz beruhe, sondern für Gleichberechtigung und Respekt stehe. „Auch grüne Männer sind da in einer Suchbewegung“, so Banaszak. Er betonte, er sei gerne und stolzer Vorsitzender einer feministischen Partei. Feminismus sei nicht Männerhass, sondern der Kampf gegen patriarchale Verhältnisse, unter denen in erster Linie Frauen litten, aber auch Männer, die sich den herrschenden Geschlechterrollen nicht unterwerfen wollten oder könnten.

Co-Parteichefin Franziska Brantner äußerte sich am Montag ebenfalls zu dem Männlichkeits-Manifest. Sie bezeichnete es als einen Beitrag zu einer Debatte, die viele umtreibe. Es brauche eine Öffnung in der Partei, auch von Rollenbildern. Brantner betonte, es sei am Ende das Wichtigste, dass Männer sich anständig verhielten, auch gegenüber Frauen – dass sie „eben keine Arschlöcher“ seien. Sie unterstrich den Anspruch der Partei, weder das „Gym, die Muckibude noch die Deutschlandflagge den Rechten“ zu überlassen. Die Grünen, die nach dem Aus der Ampel-Regierung in der Opposition sind, versuchen ihr Image als nischige Verbotspartei loszuwerden. Die Parteichefs betonen regelmäßig, dass sie „raus aus der Bubble“ wollten, um neue Wählerschichten zu erreichen. Man wolle den Menschen zeigen, dass Grüne auch Auto fahren, Urlaub machen oder mal eine Wurst essen, sagte Banaszak vor anderthalb Wochen beim Ostkongress seiner Partei in Sassnitz auf Rügen.

Die Debatte zeigt auch die innerparteilichen Spannungen zwischen den Flügeln. Während der Realo-Flügel um Brantner auf eine stärkere Anpassung an traditionelle Männlichkeitsbilder setzt, warnt der linke Flügel um Banaszak vor einer Bestätigung von Klischees. Dass es für die Grünen nicht immer leicht ist, alle Flügel unter einen Hut zu bringen, haben auch Äußerungen des Co-Vorsitzenden der Grünen Jugend, Luis Bobga, gezeigt. Bobga hatte vergangene Woche nach dem deutschen WM-Aus mit Posts im Netz für Aufregung gesorgt, in denen er sich zu Gewalt gegen Frauen äußerte. Die Grünen stehen damit vor der Herausforderung, einerseits ihre feministische Grundausrichtung zu bewahren und andererseits junge Männer nicht zu verlieren, die sich von traditionellen Rollenbildern angesprochen fühlen.

Autor

Nachrichtenredakteurin

Elena Mertens berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.