Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat nach dem enttäuschenden Vorrundenaus bei der Weltmeisterschaft 2026 die Reißleine gezogen und sich von Bundestrainer Julian Nagelsmann getrennt. Als Nachfolger ist ein prominenter Name im Gespräch: Jürgen Klopp. Laut DFB-Kreisen hat sich der 58-Jährige grundsätzlich zur Übernahme des Nationaltrainerpostens bereit erklärt. Die Entscheidung fiel nach einer Krisensitzung der DFB-Spitze, die das Aus in der Gruppenphase gegen Paraguay als nicht hinnehmbar bewertete.
Klopp, der zuletzt den FC Liverpool trainierte und seit Anfang 2025 als Global Head of Soccer bei Red Bull tätig ist, gilt seit Wochen als Wunschkandidat des DFB. Der Verband sieht in ihm den idealen Nachfolger, um die Nationalmannschaft neu aufzustellen und nach dem frühen WM-Scheitern wieder in die Weltspitze zu führen. Allerdings steht Klopp noch bis 2028 bei Red Bull unter Vertrag, was die Verhandlungen erschwert. Oliver Mintzlaff, der als Vorstand bei Red Bull für die sportlichen Bereiche zuständig ist, muss letztlich über eine Freigabe entscheiden. Insider berichten, dass die Gespräche zwischen DFB und Red Bull bereits fortgeschritten sind und eine Einigung in den kommenden Tagen erwartet wird.
Das WM-Aus der deutschen Mannschaft hatte nicht nur sportliche Konsequenzen, sondern löste auch eine gesellschaftliche Debatte aus. Luis Bobga, Co-Chef der Grünen Jugend, sorgte mit einem Post auf sozialen Medien für Aufsehen. Er schrieb nach der Niederlage gegen Paraguay: „Wie viele Männer haben heute Nacht um halb 2 wohl rotzevoll die Wut auf Paraguay an ihren Frauen rausgelassen?“ Der Beitrag erntete heftige Kritik, doch Bobga verwies auf wissenschaftliche Studien, die einen Zusammenhang zwischen sportlichen Niederlagen und einem Anstieg häuslicher Gewalt belegen. Eine Untersuchung eines Forscherteams um Kirsty Forsdike von der La Trobe University in Australien kam zu dem Ergebnis, dass Tage mit großen Sportspielen signifikant mit mehr Vorfällen häuslicher Gewalt korrelieren. Die Studien, die vor allem aus Großbritannien, Kanada und den USA stammen, zeigen, dass der Alkoholkonsum an Spieltagen steigt und die Gewalt gegen Frauen zunimmt – selbst bei Siegen. In Deutschland erreichten die Fälle häuslicher Gewalt 2024 mit 265.942 gemeldeten Vorfällen einen neuen Höchststand, wobei in 70,4 Prozent der Fälle Frauen betroffen waren.
Julian Nagelsmann war nach dem WM-Aus massiv in die Kritik geraten. Der 38-Jährige, der erst 2023 das Amt übernommen hatte, scheiterte mit seiner Mannschaft bereits in der Vorrunde. Experten und Fans warfen ihm vor, in alte taktische Muster zurückgefallen zu sein und die Mannschaft nicht auf die entscheidenden Spiele eingestellt zu haben. Der DFB zog die Konsequenzen und löste den Vertrag mit Nagelsmann auf. Nun setzt der Verband auf Jürgen Klopp, der als einer der erfolgreichsten Trainer der Fußballgeschichte gilt. Klopp führte den FC Liverpool 2019 zum Champions-League-Sieg und 2020 zur englischen Meisterschaft. Seine emotionale Art und seine Fähigkeit, Mannschaften zu formen, machen ihn zum Hoffnungsträger für die Nationalelf.
Die Verhandlungen mit Red Bull sind jedoch nicht die einzige Hürde. Klopp müsste auch sein Gehalt anpassen, das bei Red Bull deutlich über dem liegt, was der DFB üblicherweise zahlt. Der Verband hofft auf eine finanzielle Einigung, möglicherweise durch Sponsoren oder eine Reduzierung von Klopps Bezügen. Sollte der Deal platzen, stünden Alternativen wie Hansi Flick oder Stefan Kuntz bereit, doch der DFB priorisiert Klopp als „Heilsbringer“, wie es in Verbandskreisen heißt. Die offizielle Bekanntgabe wird noch in dieser Woche erwartet, sofern die Vertragsdetails geklärt werden können.
Die gesellschaftliche Debatte um häusliche Gewalt im Zusammenhang mit Sportereignissen hat derweil neue Brisanz erhalten. Bobga forderte in einem weiteren Post: „Wenn Männer einmal so beherzt rechtlichen Schutz vor sexualisierter Gewalt, mehr Geld für Frauenhäuser und Outcallen von Tätern in ihrem Freundeskreis fordern würden wie jetzt den Rücktritt von Nagelsmann, stellt euch vor was für 'ne Welt wir hätten.“ Der DFB selbst hat sich zu den Äußerungen bislang nicht geäußert, konzentriert sich vielmehr auf die sportliche Neuausrichtung. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Jürgen Klopp tatsächlich das Ruder übernimmt und die Nationalmannschaft aus der Krise führt.
