Der italienische Formel-1-Pilot Kimi Antonelli hat sich beim Großen Preis von Großbritannien in Silverstone die Pole Position gesichert und damit die Hoffnungen der britischen Fans auf einen Heimsieg von Rekordchampion Lewis Hamilton vorerst zunichtegemacht. Der erst 19-jährige WM-Spitzenreiter fuhr im Qualifying eine Bestzeit von 1:28,111 Minuten und verwies Charles Leclerc im Ferrari auf den zweiten Platz. Hamilton, der den Grand Prix in Silverstone bereits neunmal gewinnen konnte, landete im zweiten Ferrari auf Rang drei.
„Kimi fuhr wieder in einer eigenen Liga. Dass er es auf einer Runde hinbringt, ist beeindruckend“, lobte Mercedes-Teamchef Toto Wolff seinen Schützling nach der fünften Pole Position der Saison. Antonelli selbst zeigte sich nach der Qualifikation erleichtert, obwohl er zunächst gestresst war: „Ich war etwas gestresst, weil ich im letzten Lauf nie gerne als Erster rausfahre. Aber die letzte Runde war sehr sauber. Es hat alles gepasst, obwohl es wegen des Windes schwierig war.“
Der junge Italiener, der bereits den Sprint am Samstag gewonnen hatte, will mit der starken Ausgangsposition seine Mini-Durststrecke von zwei Grand Prix ohne Sieg beenden. Allerdings erwartet ihn im Rennen am Sonntag harte Gegenwehr: „Das wird sicher nicht einfach, ich habe zwei Ferraris hinter mir, und die werden sicher zusammenarbeiten“, sagte Antonelli mit Blick auf die rot lackierten Boliden von Leclerc und Hamilton.
Für die britischen Fans gab es bereits in der ersten K.o.-Runde der Qualifikation einen Schreckmoment, als George Russell in Kurve sieben ins Kiesbett schlitterte und leicht die Streckenbegrenzung touchierte. Der WM-Dritte konnte seinen Wagen jedoch selbstständig in die Garage steuern und die Zeitenjagd wieder aufnehmen. „Das war merkwürdig“, kommentierte Russell den Zwischenfall, da er an dieser Stelle noch nie blockierende Räder erlebt habe. Mercedes-Teamchef Wolff schaute in der Box verblüfft, Konzernchef Ola Källenius schüttelte den Kopf. Russell schaffte es dennoch locker in den letzten K.o.-Abschnitt, wechselte vorher aber noch seine Sitzschale. Auf den letzten Kilometern der Qualifikation hatte jedoch auch er keine Chance gegen seinen Teamkollegen Antonelli.
Während Mercedes und Ferrari um die Spitzenplätze kämpften, erlebte Red-Bull-Star Max Verstappen ein enttäuschendes Qualifying. Der Niederländer, der eine Woche zuvor in Österreich noch einen hervorragenden zweiten Platz erzielt hatte, musste sich mit dem siebten Rang begnügen. „Wir waren viel zu langsam“, befand Verstappen zerknirscht. 16,5 Sekunden fehlten ihm auf die Spitze. Zudem klagte der 28-Jährige über technische Probleme: „Der Motor reagiert nicht normal“, sagte er und äußerte zum Ende des zweiten K.o.-Abschnitts frustriert: „Was für ein Desaster, unglaublich.“
Der deutsche Pilot Nico Hülkenberg konnte im Qualifying nicht überzeugen. Nach Rang 13 im Sprint kam der Audi-Pilot auch in der Qualifikation nicht über Position 13 hinaus und wurde von seinem brasilianischen Teamkollegen Gabriel Bortoleto geschlagen, der den elften Platz belegte. Hülkenberg hatte bereits im Sprint keine Chance gegen die Spitze.
Im Sprint am Samstag hatte Antonelli seine Klasse bereits unter Beweis gestellt. In der achten von 17 Runden über 100 Kilometer zog der Italiener an Pole-Mann Hamilton vorbei und gewann mit 2,7 Sekunden Vorsprung auf den Briten das erste Sprint-Rennen seiner noch jungen Formel-1-Karriere. McLaren-Geschäftsführer Zak Brown zollte dem Duo Respekt: „Sie waren in ihrer eigenen Liga.“ Weltmeister Lando Norris als Dritter war im McLaren 9,7 Sekunden langsamer als Antonelli.
Der Große Preis von Großbritannien in Silverstone gilt als eines der traditionsreichsten Rennen im Formel-1-Kalender. Die Strecke in der englischen Grafschaft Northamptonshire war 1950 Schauplatz des ersten offiziellen Formel-1-Rennens der Geschichte. Für Antonelli bietet sich die Chance, seinen Vorsprung in der WM-Wertung weiter auszubauen und gleichzeitig seinen ersten Grand-Prix-Sieg in dieser Saison zu feiern. Das Rennen am Sonntag beginnt um 16.00 Uhr und wird live bei Sky übertragen.
