Die kolumbianischen Behörden haben ein Haus des ehemaligen Nationaltorwarts René Higuita beschlagnahmt. Das Anwesen des früheren Fußballstars soll in den 1990er Jahren mit Geldern des berüchtigten Drogenbosses Pablo Escobar finanziert worden sein. Die Maßnahme ist Teil einer seit Jahren laufenden juristischen Aufarbeitung der Verstrickungen zwischen dem kolumbianischen Fußball und dem Medellín-Kartell.
René Higuita, der in den 1980er und 1990er Jahren als einer der spektakulärsten Torhüter der Welt galt, geriet bereits mehrfach wegen seiner Verbindungen zu Escobar in die Schlagzeilen. Der Torwart, der für seine waghalsigen Ausflüge aus dem Strafraum und den sogenannten «Skorpion-Kick» berühmt wurde, bestritt zwischen 1987 und 1999 insgesamt 68 Länderspiele für Kolumbien. Seine Karriere war jedoch immer wieder von Kontroversen überschattet.
Die Beschlagnahmung des Hauses erfolgte im Rahmen eines Verfahrens, bei dem die kolumbianische Staatsanwaltschaft Vermögenswerte einzieht, die mit Drogengeldern erworben wurden. Die Behörden gehen davon aus, dass Escobar, der Kopf des Medellín-Kartells, Higuitas Immobilie finanzierte, um sich die Loyalität des populären Sportlers zu sichern. Escobar, der 1993 bei einem Polizeieinsatz getötet wurde, hatte in den 1990er Jahren enge Beziehungen zu mehreren kolumbianischen Fußballgrößen aufgebaut.
Higuita selbst hat die Vorwürfe in der Vergangenheit stets bestritten oder heruntergespielt. Er räumte jedoch ein, Escobar gekannt zu haben, und bezeichnete ihn als «Freund». Der Torwart war bereits 1993 wegen angeblicher Verbindungen zum Drogenmilieu und Entführung eines mutmaßlichen Kartellmitglieds für mehrere Monate inhaftiert worden. Nach seiner Freilassung kehrte er auf den Fußballplatz zurück und spielte unter anderem für Atlético Nacional, Real Valladolid und den FC São Paulo.
Die Konfiszierung des Hauses ist ein weiteres Kapitel in der komplexen Geschichte des kolumbianischen Fußballs, der in den 1980er und 1990er Jahren tief in den Drogenkrieg verwickelt war. Escobar und andere Kartellbosse investierten damals massiv in Vereine, um Geld zu waschen und sich gesellschaftlichen Einfluss zu sichern. Higuita war nicht der einzige Spieler, der in diesem Umfeld agierte. Auch andere Nationalspieler wie Carlos Valderrama oder Faustino Asprilla standen zeitweise im Fokus der Ermittlungen, blieben jedoch von größeren rechtlichen Konsequenzen verschont.
Die Beschlagnahmung des Anwesens sendet ein starkes Signal, dass die kolumbianische Justiz auch Jahrzehnte später noch Vermögenswerte aus dem Drogenhandel einzieht. Für Higuita, der heute als Torwarttrainer und Fußballbotschafter arbeitet, bedeutet dies einen weiteren Rückschlag. Sein Haus, das lange als Symbol seines sportlichen Erfolgs galt, ist nun Eigentum des Staates und soll möglicherweise für soziale Zwecke genutzt werden.
Der Fall zeigt, wie tief die Verstrickungen zwischen organisierter Kriminalität und dem Profifußball in Kolumbien reichten. Escobar, der zeitweise zu den reichsten Männern der Welt zählte, nutzte den Sport nicht nur zur Geldwäsche, sondern auch zur Imagepflege. Higuita, der mit seinen spektakulären Paraden und seinem exzentrischen Stil weltweit bekannt wurde, geriet dabei in ein moralisches und rechtliches Dilemma, das ihn bis heute verfolgt.
Die kolumbianische Gesellschaft blickt gespalten auf die Entwicklung. Während viele die konsequente Verfolgung von Drogengeldern begrüßen, zeigen andere Verständnis für Higuita, der in einer schwierigen Zeit zwischen sportlichem Ruhm und kriminellem Umfeld navigieren musste. Die Behörden betonen jedoch, dass die Herkunft der Gelder eindeutig sei und die Konfiszierung rechtmäßig erfolge.
Für Higuita, der 2024 seinen 58. Geburtstag feierte, ist die Beschlagnahmung ein bitterer Moment. Der Mann, der einst mit dem «Skorpion-Kick» Fußballgeschichte schrieb, sieht sich nun mit den Konsequenzen seiner Vergangenheit konfrontiert. Die kolumbianische Justiz macht deutlich, dass auch prominente Persönlichkeiten nicht über dem Gesetz stehen, wenn es um die Aufarbeitung der Drogenvergangenheit des Landes geht.
