Nach dem Scheitern der umstrittenen WM-Investorenpläne reißt die Kritik an FIFA-Präsident Gianni Infantino nicht ab. Javier Tebas, Chef der spanischen Profiligen, hat den obersten Fußballfunktionär zum Rücktritt aufgefordert. Zugleich forderte Tebas eine neue Führung an der Spitze des Weltfußballverbands. Der Druck auf Infantino wächst damit weiter.
Der Spanier reagierte damit auf den Stopp der Investorenpläne für kommende Weltmeisterschaften. Die Auseinandersetzung zwischen der spanischen Liga und der FIFA ist damit an einem neuen Punkt angekommen. Die FIFA hatte das Vorhaben zuvor nach massiver Kritik aufgegeben. Für Tebas ist das offenbar ein weiterer Beleg dafür, dass die derzeitige Führung des Weltverbands nicht tragfähig ist. Er sieht offenbar in Infantino das zentrale Hindernis für einen Neuanfang.
Auch der Fußballverband Concacaf, zuständig für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik, übt Druck auf Infantino aus. Concacaf wirft dem FIFA-Präsidenten « eine Reihe von Fehltritten » vor. Damit kommt die Kritik nicht allein aus Europa, sondern auch aus einem Verband aus Nord- und Mittelamerika. Der Rückhalt für Infantino bröckelt offenbar an mehreren Stellen.
Hintergrund der neuen Eskalation sind die umstrittenen Pläne für die Finanzierung von Weltmeisterschaften. Sie haben im internationalen Fußball für erhebliche Unruhe gesorgt. Die Kritik an dem Vorhaben war zuletzt immer lauter geworden. Gegen das Vorhaben hatte es massiven Widerstand gegeben; zahlreiche Kritiker sprachen sich öffentlich dagegen aus. Die FIFA und Präsident Infantino gaben die Pläne nach der anhaltenden Kritik schließlich auf. Das Aus der Investorenpläne ist ein herber Rückschlag für den Weltverband.
Für Infantino ist das Scheitern der Pläne ein persönlicher Rückschlag. Nachdem er die Investorenpläne vorangetrieben hatte, musste er den Rückzug mitansehen. Die Rücktrittsforderung von Tebas dürfte die ohnehin angespannte Stimmung weiter anheizen. Sie kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Weltverband um verlorenes Vertrauen kämpft. Die kommenden Wochen werden zeigen, wie groß der Rückhalt für Infantino tatsächlich noch ist.
Tebas steht mit seiner Kritik nicht allein. Die Kritik an Infantino dauert schon länger an und hat durch das Scheitern der WM-Pläne neuen Auftrieb bekommen. In mehreren Verbänden wird offenbar grundsätzlich über die Ausrichtung der FIFA diskutiert. Wie groß der Rückhalt für den Präsidenten tatsächlich noch ist, lässt sich derzeit schwer einschätzen. Fest steht lediglich, dass die Forderung nach einem Rücktritt nun offen ausgesprochen ist. Ob Infantino darauf reagieren wird, bleibt abzuwarten.
Zunächst bleibt der Weltverband gefordert, das gescheiterte Investorenprojekt aufzuarbeiten und klare Antworten zu liefern. Entscheidend dürfte sein, ob weitere Verbände der Kritik folgen. Sollte der Druck weiter wachsen, könnte die Frage von Infantinos Zukunft zu einer der wichtigsten Personaldebatten im Weltfußball werden.
Mit Concacaf hat sich bereits ein Kontinentalverband offen kritisch geäußert. Ob weitere Konföderationen und nationale Verbände dem Beispiel folgen, ist bislang offen. Die Rücktrittsforderung von Tebas könnte sich als Auftakt einer breiteren Bewegung erweisen. Vieles wird davon abhängen, wie der Weltverband mit der Kritik umgeht und ob er aus dem gescheiterten Projekt Konsequenzen zieht.
