RB Leipzig steht in der Sommerpause vor einer anspruchsvollen Kaderplanung. Sportdirektor Jürgen Haenni hat nun deutlich gemacht, dass Transfererlöse für den Bundesligisten eine zentrale Rolle spielen. In einer Medienrunde betonte der 48-jährige Schweizer, dass der Verein wirtschaftlich solide aufgestellt sein müsse, um langfristig konkurrenzfähig zu bleiben. Dabei sei es unvermeidlich, dass auch Leistungsträger den Klub verlassen, wenn entsprechende Angebote eingehen.
Die Aussagen von Haenni fallen in eine Phase, in der Leipzigs Kader mehrere Baustellen aufweist. Nach dem Abgang von Schlüsselspielern wie Dani Olmo und Xavi Simons in den vergangenen Transferperioden steht die sportliche Leitung vor der Herausforderung, die Mannschaft neu auszurichten. Gleichzeitig drängen Talente aus dem eigenen Nachwuchs nach, die Spielzeit auf hohem Niveau benötigen. Haenni betonte, dass der Verein eine klare Philosophie verfolge: Junge Spieler entwickeln, sie in der Bundesliga und international etablieren und dann zu marktgerechten Preisen abgeben, um die wirtschaftliche Basis zu stärken.
Der Sportdirektor verwies darauf, dass Leipzig in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen habe, Abgänge sportlich kompensieren zu können. «Wir haben ein klares Scouting-System und eine gute Infrastruktur, um neue Talente zu integrieren», sagte Haenni. Gleichzeitig räumte er ein, dass die Transfererlöse nicht nur für die Kaderplanung, sondern auch für die Einhaltung des Financial Fairplay und der Lizenzauflagen der Deutschen Fußball Liga (DFL) wichtig seien. Ohne regelmäßige Einnahmen aus Spielerverkäufen sei es schwierig, die hohen Gehaltskosten und Ablösesummen für Neuzugänge zu stemmen.
In der laufenden Transferperiode hat Leipzig bereits mehrere Abgänge zu verzeichnen. Unter anderem verließ Mittelfeldspieler Ilaix Moriba den Klub, und auch über einen Wechsel von Angreifer Yussuf Poulsen wird spekuliert. Haenni bestätigte, dass es konkrete Anfragen für einige Spieler gebe, nannte aber keine Namen. «Wir werden nicht jeden Spieler abgeben, aber wenn ein Angebot kommt, das für alle Seiten passt, müssen wir darüber nachdenken», erklärte er. Die Einnahmen sollen teilweise in die Verpflichtung junger Talente fließen, die das Profil des Vereins langfristig prägen sollen.
Die wirtschaftliche Strategie von RB Leipzig steht im Kontext der gesamten Bundesliga. Viele Klubs sind auf Transfererlöse angewiesen, um ihre Bilanzen auszugleichen. Leipzig, das in den vergangenen Jahren regelmäßig in der Champions League spielte, hat sich als Verkäuferverein etabliert, der Spieler mit hohem Potenzial an größere europäische Klubs abgibt. Beispiele wie Josko Gvardiol, der für eine Rekordsumme zu Manchester City wechselte, oder Christopher Nkunku, der zu Chelsea ging, zeigen, dass dieses Modell funktioniert. Haenni betonte jedoch, dass der Verein nicht nur auf Verkäufe angewiesen sei, sondern auch sportliche Ambitionen habe. «Wir wollen jedes Jahr um die Champions-League-Plätze mitspielen und im DFB-Pokal weit kommen», sagte er.
Die kommenden Wochen werden zeigen, wie sich das Personalpuzzle in Leipzig zusammenfügt. Neben möglichen Abgängen arbeitet die sportliche Leitung an Zugängen. Gerüchte über Interesse an Spielern wie dem französischen Mittelfeldtalent Warren Zaïre-Emery oder dem österreichischen Stürmer Karim Konaté machen die Runde, blieben aber bislang unbestätigt. Haenni machte klar, dass der Verein bei Transfers nicht überhastet handeln werde. «Wir haben einen Plan und werden ihn Schritt für Schritt umsetzen», versicherte er. Die Fans dürfen gespannt sein, wie sich der Kader bis zum Ende der Transferperiode am 31. August verändern wird.
Die wirtschaftliche Notwendigkeit von Transfererlösen ist in Leipzig kein neues Thema. Bereits in der Vergangenheit hatte der Verein betont, dass er ohne regelmäßige Verkäufe nicht dauerhaft auf höchstem Niveau mithalten könne. Die Konkurrenz aus München, Dortmund oder Leverkusen verfüge über andere finanzielle Möglichkeiten, weshalb Leipzig auf clevere Kaderplanung und Entwicklung setzen müsse. Haenni, der seit 2023 im Amt ist, hat diese Strategie weiter verfeinert. Unter seiner Leitung wurden Spieler wie Loïs Openda oder Xavi Simons verpflichtet, die den Marktwert des Vereins steigerten.
Abschließend betonte der Sportdirektor, dass die aktuelle Situation keine Krise sei, sondern eine normale Phase im Vereinszyklus. «Wir sind gut aufgestellt, sowohl sportlich als auch wirtschaftlich», sagte Haenni. Die kommende Saison werde zeigen, ob die Mischung aus erfahrenen Spielern und jungen Talenten aufgeht. Bis dahin bleibt die Transferarbeit ein zentrales Thema in Leipzig.
