Die Schweizer Nationalmannschaft hat bei der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada für eine große Überraschung gesorgt. Im Achtelfinale von Vancouver setzte sich das Team um Kapitän Granit Xhaka nach einem dramatischen Elfmeterschießen mit 4:3 gegen den Mitfavoriten Kolumbien durch. Damit zog die Schweiz erstmals seit 1954 wieder in das Viertelfinale einer Weltmeisterschaft ein. Der entscheidende Strafstoß wurde vom ehemaligen Augsburger Ruben Vargas verwandelt.
Vor 52.497 Zuschauern im BC Place Stadium war in der regulären Spielzeit und der Verlängerung kein Tor gefallen. Beide Teams hatten ihre Vorrundengruppen souverän gewonnen und waren bis dahin ungeschlagen durch das Turnier gekommen. Die Partie war zudem die letzte Begegnung dieser WM, die außerhalb der USA ausgetragen wurde. Ab dem Viertelfinale finden alle Spiele nur noch in den Vereinigten Staaten statt.
Die Schweizer Defensive um den Ex-Gladbacher Denis Zakaria und den aktuellen Gladbacher Nico Elvedi neutralisierte den kolumbianischen Starstürmer Luis Diaz vom FC Bayern München wirkungsvoll. Der Dortmunder Torhüter Gregor Kobel zeigte eine starke Leistung und parierte unter anderem einen gefährlichen Schlenzer von Gustavo Puerta in der 21. Minute. Auf der Gegenseite blieb Kolumbiens einstiger Starspieler James Rodríguez blass und wurde nach 66 Minuten ausgewechselt.
In der zweiten Halbzeit kam die Schweiz besser ins Spiel. Fabian Rieder, der für den verletzten Johan Manzambi in die Startelf gerückt war, setzte einen Freistoß in der 53. Minute an das Außennetz. Die kolumbianischen Fans, die das Stadion in ein gelbes Meer verwandelt hatten, wurden für einige Minuten leiser. Dennoch blieb die Partie intensiv und von vielen Zweikämpfen geprägt.
In der Verlängerung drückte Kolumbien massiv auf die Führung. Davinson Sanchez vergab in der 93. Minute eine gute Chance nach einem Freistoß. Noch näher am Tor war Jhon Lucumi, der nach einer Ecke wuchtig an die Latte köpfte. Kurz vor dem Ende der Verlängerung hatte der eingewechselte Zeki Amdouni die große Möglichkeit zur Entscheidung für die Schweiz, scheiterte jedoch an Kolumbiens Torhüter Camillo Vargas. So musste das Elfmeterschießen die Entscheidung bringen.
Im Elfmeterschießen zeigten die Schweizer die stärkeren Nerven. Zwar verschoss Manuel Akanji, doch die Kolumbianer vergaben gleich zwei ihrer Versuche. Ruben Vargas verwandelte schließlich den entscheidenden Strafstoß und löste die Jubelstürme bei den Schweizern aus. Kolumbien, das 2014 zuletzt im Viertelfinale gestanden hatte, musste den Traum vom ersten WM-Titel vorzeitig begraben.
Im Viertelfinale trifft die Schweiz nun am Sonntag um 3:00 Uhr MESZ in Kansas City auf Argentinien um Superstar Lionel Messi. Die Argentinier hatten zuvor im Achtelfinale einen 0:2-Rückstand gegen Ägypten aufgeholt und mit 3:2 gewonnen. Für die Schweiz ist es die erste Chance seit 1954, in ein WM-Halbfinale einzuziehen. Argentinien geht jedoch als klarer Favorit in die Partie.
Das Turnier wird am 19. Juli im MetLife Stadium in East Rutherford nahe New York mit dem Finale abgeschlossen. FIFA-Präsident Gianni Infantino, der wegen des Skandals um die erlassene Sperre für US-Profi Folarin Balogun in der Kritik steht, sorgte auf der Tribüne für Aufsehen, als er grinsend mit einer ägyptischen Flagge posierte, die ihm ein Fan gereicht hatte.
