Bei einem massiven russischen Luftangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew sind nach Angaben des Verlags BookChef Publishing rund 800.000 Bücher verbrannt. Das Hauptlagerhaus des Logistikpartners des Verlags sei vollständig zerstört worden, teilte das Unternehmen am Donnerstag im Onlinedienst Telegram mit. Der größte Teil der Auflage sei vernichtet worden, Mitarbeiter seien jedoch nicht zu Schaden gekommen.
BookChef Publishing zählt zu den größten Verlagen der Ukraine und hat etwa 700 Titel im Programm. Zum Autorenkreis gehören unter anderem George Orwell, Michelle und Barack Obama, Yuval Noah Harari, Matthew McConaughey, Will Smith und Charles Bukowski. Die Zerstörung des Lagers stellt einen schweren Schlag für die ukrainische Verlagswelt dar, die bereits seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 unter erheblichem Druck steht.
Der Angriff auf Kiew in der Nacht zum Donnerstag war einer der schwersten seit Kriegsbeginn. Nach offiziellen Angaben wurden mindestens 21 Menschen getötet und 85 weitere verletzt. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko sprach von den schwersten Luftangriffen auf die Stadt seit Beginn der russischen Invasion. Die ukrainische Führung wirft Russland wiederholt vor, gezielt kulturelle Einrichtungen wie Museen, Galerien und Filmstudios anzugreifen.
Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte nach den heftigen Angriffen erneut verstärkte westliche Hilfe bei der Luftabwehr. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kündigte als Reaktion auf die jüngste Angriffswelle neue Sanktionsvorschläge an. „Heute werde ich als Reaktion auf die Angriffe vorschlagen, weitere Einrichtungen und Unternehmen zu sanktionieren, die den russischen militärisch-industriellen Komplex unterstützen“, erklärte sie. „Verurteilungen allein werden die Angriffe auf Kiew nicht stoppen. Nur eine anhaltende militärische Unterstützung der Ukraine und ein erhöhter Druck auf Moskau können das erreichen.“
Die Ukraine setzt ihre eigenen Angriffe auf russische Infrastruktur fort. In der Wolgaregion Nischni Nowgorod attackierte die ukrainische Armee eine Raffinerie, die zum Ölkonzern Lukoil gehört. Regionalgouverneur Gleb Nikitin bestätigte den Angriff indirekt und sprach von „unbedeutenden Schäden an einem Industrieobjekt“. Nach seinen Angaben kam ein Mensch ums Leben, vier weitere wurden verletzt. In sozialen Netzwerken kursierende Bilder zeigten einen Brand in der Anlage in Kstowo, etwa 30 Kilometer südöstlich von Nischni Nowgorod.
US-Kriegsexperten des Center for Strategic and International Studies (CSIS) zufolge haben die ukrainischen Verteidiger zuletzt bemerkenswerte Erfolge erzielt und die Verluste der russischen Armee stark in die Höhe getrieben. Neben der stockenden Bodenoffensive und vereinzelten Geländegewinnen der Ukrainer machten der russischen Armee vor allem die zunehmenden Gefallenen in den eigenen Reihen zu schaffen.
Die ukrainischen Drohnenangriffe auf die russische Infrastruktur zeigen nach Einschätzung von Beobachtern zunehmend Wirkung. An Tankstellen in Russland bilden sich Schlangen, und die Energieknappheit schlägt auf die russische Wirtschaft durch. Im Team von Präsident Wladimir Putin wird über eine Leitzinssenkung als mögliche Gegenmaßnahme gerungen. Gleichzeitig verstärkt die Ukraine die Angriffe auf die Infrastruktur der russisch besetzten Halbinsel Krim.
Ein Expertenbericht legt zudem nahe, dass Russland mit einer sogenannten Schattenflotte Drohnen über Atomwaffenstandorten in Belgien, den Niederlanden und Großbritannien eingesetzt hat. Die Untersuchung deutet auf eine koordinierte russische Spionageoperation hin, die westliche Sicherheitsbehörden alarmiert.
